© Rolf Oeser, FR
Preisträgerin Iris Dzudzek.
Ehrung
Frankfurt

Gerappte Vorlesung

Von Steffen Herrmann
14:45

Es fing an mit einem Loblied auf den „roten, kühlen Wein“ und endete mit einem Hochschuldozenten, der den Stoff seiner Vorlesung als Karaoke-Rap zu Eminems „Lose Yourself“ vortrug. Studierende der Goethe-Universität haben am Montag auf dem Campus Westend vier Dozentinnen und Dozenten mit dem 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre ausgezeichnet.

Der Preis habe wesentlich dazu beigetragen, die Hochschullehre sichtbarer zu machen, betonte die Präsidentin der Goethe-Universität, Birgitta Wolff. „Wer gut lehrt, hat Anerkennung verdient.“ Die Studierenden hatten die insgesamt 24 Hochschullehrerinnen und -lehrer selbst nominiert. Die Preisträger wählten sie gemeinsam mit einer Vergabekommission, Mitarbeitern der Uni sowie einem Geschäftsführer der Sparkassenstiftung. Die Auszeichnung sei nicht nur für das studentische Klientel von Bedeutung, sagte Wolff: „Auch Kolleginnen und Kollegen nehmen inzwischen sehr genau wahr, wer den Preis erhält.“

Der erste Preis ging an Iris Dzudzek, die seit 2010 am Institut für Humangeographie lehrt. Dzudzek erforscht kritische Stadtgeographie, Wirtschaftsgeographie und neue Geographien der Gesundheit. Mit dem „Labor für Raumstrategien“ erkundet sie gemeinsam mit Studierenden und dem Künstler Jakob Sturm neue Wege der Erkenntnisvermittlung. Studierende lobten Dzudzeks „ausgeprägtes Fachwissen, Lehrmotivation und Hingabe“. Ihr gelinge es in hohem Maße, die soziale Relevanz der untersuchten Themen zu vermitteln. Dzudzek schaffe in ihren Seminaren eine „diskriminierungsfrei Atmosphäre“ mit Raum für kritische Perspektiven, so Laudator Max Söllner.

Mit dem zweiten Platz zeichneten die Studierenden ein Lehr-Duo aus dem Fachbereich Geschichtswissenschaften aus. Die Historiker Roland Färber und Fabian Link begleiteten Studierenden unter anderem bei der Herausgabe eines Sammelbandes zum Thema „Altertumswissenschaften an der Goethe-Universität 1914-1950“. Die Studierenden lobten das Vertrauen, das die beiden Dozenten ihnen entgegenbrächten. „Wir konnten mit unseren Fragen immer zu Ihnen kommen“, so Studentin Theresa Mons. So hätten die beiden Historiker auch kurz vor Abgabe einer Hausarbeit noch auf über vierzig Mails geantwortet.

Den drittplatzierten Psychologen Dejan Draschkow priesen die Studierenden für seine„unterhaltsame und anregende“ Lehre. Er hatte beispielsweise den Stoff in Rapmusik des amerikanischen Künstlers Eminem verpackt. „Kaum jemand liefert so viel Material für eine Laudatio wie Dejan.“ Er habe das Mindestmaß an wissenschaftlicher Betreuung weit übertroffen. Der Psychologe vermittle nicht nur „Skills und Wissen, sondern auch Selbstvertrauen“. Der Preisträger gab das Lob zurück: Dozenten müssten ihren Studierenden ein Trittbrett sein, sagte Draschkow. „Wenn wir Lehrende nicht an sie glauben, wer dann?“

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