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Ein Knackpunkt der Koalition: die städtischen Bühnen.
CDU Frankfurt
Frankfurt

„Das Bild der Römer-Koalition ist traurig“

Von Claus-Jürgen Göpfert
20:39

Thomas Dürbeck gehört seit 2011 dem Stadtparlament an. Der Jurist und Volkswirt arbeitete an den Universitäten von Montpellier in Frankreich und Ferrara in Italien. Der selbstständige Rechtsanwalt ist mit einer Italienerin verheiratet und hat drei Kinder.

Herr Dürbeck, in der Frankfurter Kulturpolitik hat die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen nun bald die Hälfte der Legislaturperiode hinter sich. Wie beurteilen Sie, was bisher erreicht wurde?
Nun, es ist noch nicht viel passiert. Ich bin nicht zufrieden mit dem Erreichten, die CDU ist nicht zufrieden. Wir haben den freien Eintritt für junge Menschen in die städtischen Museen umgesetzt und wir haben zwei Millionen Euro mehr für die freie Kulturszene bewilligt. Das heißt: Wir haben die Goodies verteilt. Die großen Brocken liegen aber noch vor uns: die Zukunft der Städtischen Bühnen und das neue Kinder- und Jugendtheater. Im November ist für das Kinder- und Jugendtheater der nächste Informationstermin in der Koalition vorgesehen. Das geht alles sehr langsam.

Es gibt gerade wieder Aufregung in der Koalition, weil Kulturdezernentin Ina Hartwig einen Projektleiter für die Städtischen Bühnen berufen wollte, ohne CDU und Grüne vorher in diese Personalentscheidung einzubeziehen.
Dieses Verhalten von Frau Hartwig findet die CDU unmöglich. Das hätte eine Entscheidung der gesamten Koalition sein müssen, das hätte man vorher besprechen müssen.

Ist es nicht etwas schräg, einen Projektleiter zu berufen, wenn es noch gar kein Projekt gibt? Die Koalition hat ja noch gar nicht entschieden, ob die Bühnen am Willy-Brandt-Platz saniert werden sollen oder ob es einen Neubau geben soll.
Sie haben vollkommen recht. Wir müssen zunächst einmal wissen, welches Projekt wir wollen. Ein Projektsteuerer braucht ein Projekt. Michael Guntersdorf, der Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH, den Frau Hartwig berufen will, ist sicher ein qualifizierter Mann. Aber er ist 67 Jahre alt. Der Umbau oder der Neubau der Bühnen wird uns aber mindestens zehn Jahre lang beschäftigen.

Warum tut sich die Römer-Koalition so schwer damit, eine Grundsatzentscheidung über Sanierung oder Neubau der Bühnen zu treffen?
Seit März liegt intern in der Koalition ein Antrag der CDU vor, endlich die Kosten einer Sanierung im Bestand genau zu prüfen. Das im Juni 2017 vorgestellte Gutachten hatte genau das nicht getan. Aber über diesen Antrag der CDU konnte bisher nicht entschieden werden. Wir haben über ein halbes Jahr Zeit verloren.

Sie sind als Rechtsanwalt ja sehr stark mit dem Thema Immobilien beschäftigt. Was ist Ihre persönliche Einschätzung zum Thema Sanierung oder Neubau?
Ich bin überzeugt davon, dass eine Sanierung nicht günstiger zu haben ist als ein Neubau. Eine Sanierung dauert außerdem länger und ist nicht bei laufendem Theaterbetrieb zu erledigen. Realistisch eingeschätzt, spricht also vieles für einen Neubau. Das Problem ist nur: Unter 600 Millionen Euro wird ein Neubau nicht zu verwirklichen sein. Das haben wir gerade bei unseren Besuchen in Oslo und Kopenhagen gesehen, wo wir die neue Oper und die neuen Bühnen studieren konnten. Das heißt, wir müssen den Bürgern sagen: Es wird 600 Millionen Euro kosten. Diese politische Kraft hat die Koalition noch nicht gehabt. Das wird einen Aufschrei geben in der Stadt. So weit ist die öffentliche Debatte noch nicht. Und dann gibt es noch ein Problem.

Nämlich welches?
Wenn die Koalition für einen Neubau entscheidet, wird die Diskussion über den Standort wieder eröffnet werden. Dann werden andere Orte außer dem Willy-Brandt-Platz wieder ins Gespräch gebracht werden. Und natürlich müssen wir die Interimsspielstätten und -standorte für die Bühnen klären. In Köln gibt es bei 700 Mitarbeitern derzeit 35 verschiedene Standorte. Wie viele werden es in Frankfurt sein, wo die Bühnen GmbH 1000 Beschäftigte hat? Und natürlich ist auch klar: Es gibt keine Garantie dafür, dass ein Neubau in fünf Jahren steht.

Was muss jetzt geschehen?
Die CDU hatte am Wochenende eine Klausur, wo wir uns genau das gefragt haben: Was wollen wir noch erreichen in der zweiten Hälfte dieser Wahlperiode vor der nächsten Kommunalwahl 2021? Wir müssen jetzt erst mal dafür sorgen, dass wir in der Römer-Koalition endlich vernünftig miteinander umgehen.

Wie meinen Sie das?
Nun, das Bild der Römer-Koalition in der Öffentlichkeit ist derzeit traurig. Wir streiten ja nicht nur beim Thema Bühnen. Wir streiten über Radwege und Quoten im Wohnungsbau. Der ständige Streit in der Bildungspolitik nimmt immer mehr Zeit in Anspruch.

Was ist zu tun?
Wir müssen uns jetzt in der Koalition in Ruhe zusammensetzen, um zu bereden, wie wir die nächsten zwei Jahre über die Bühne bringen. Wir müssen künftig auf anständige und nicht geräuschvolle Art und Weise miteinander umgehen. Wenn uns das nicht gelingt, treiben wir bei den Wahlen die Leute nur den Rechts- und Linksextremen in die Arme.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

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