© Renate Hoyer, FR
Holz und Schiefer dominieren.
Die Altstadt-Rekonstruktionen
Frankfurt

Wohnhaus mit Innenhof: Das „Goldene Lämmchen“

Von Friederike Tinnappel
14:06

Eine Familie aus Limburg betritt den Hof. Die fünf besuchen Frankfurt nicht zum ersten Mal. Aber nun gibt es ja die neue Altstadt und damit Neuland zu entdecken. Hier zu wohnen, das wäre doch fein, finden alle gleich, als sie die prachtvollen Laubengänge und Veranden aus Holz, die geschwungenen Stein- und Holztreppen betrachten. Das Goldene Lämmchen, einst Sitz der Patrizier und Messehof beherbergte die Schönen und Reichen der Stadt.

Hurtig und lautstark, so dass sich andere Touristen, die den Hof bewundern, erschrocken umdrehen, teilen die Kinder die Räumlichkeiten unter sich auf. Doch sie kommen zu spät: Längst sind die fünf Wohnungen des „Goldenen Lämmchen“ verkauft und auch schon bezogen, wie ein paar Utensilien auf den Veranden ahnen lassen: Dort steht ein Lavendeltopf, hier stapeln sich zwei Wasserkisten. Etwas verloren wirken die Gartenmöbeln. Von den Bewohnern lässt sich am frühen Nachmittag keiner blicken.

Etwa 80 Wohnungen soll es in der gesamten Altstadt geben, verteilt über 7000 Quadratmeter nicht gerade viele. Böse Zungen behaupten, dass sie von großen Unternehmen zu repräsentativen Zwecken erworben wurden, für die Mega-Party mit Altstadt-Flair. Michael Guntersdorf, der Geschäftsführer der städtischen Dom Römer GmbH bestreitet das. Die meisten Käufer seien selber eingezogen, sagt er.

Wenn von dem Straßenzug „Hinter dem Lämmchen“ die Rede ist, verwenden Experten gern die Abkürzung HDL. In diesem Fall also hat HDL6 der Gasse seinen Namen gegeben: An der Fassade prangt ein goldenes Lamm. Nicht erst seit der Eröffnung der neuen Altstadt Anfang Mai gilt der Hof des HDL6 als touristische Attraktion. Schon im 19. Jahrhundert war er „sehr berühmt“, sagt Guntersdorf. Schon das Bildungsbürgertum staunte über die Vielfalt der Baustile, die es zu entdecken gilt: Vier Epochen hat das „Lämmchen“ durchlebt.

Der Westen des Hofes gehört der Gotik, die über eine Wendeltreppe zu einer Loggia führt. Im Süden, zum Main hin, aber auch im Norden hat sich die Renaissance ausgebreitet, erkennbar an den Diamantquadern als typischem Motiv. Auch das wuchtige, geschweifte Dach, für das Unmengen an Schiefer verbaut wurden, gehört in diese Zeit.

Hinzu gesellen sich barocke Säulen und Treppen – wie bei vielen anderen Häusern in der Altstadt wollten die Frankfurter gern up to date sein und modernisierten die Gebäude ein ums andere Mal. Und so kam mit einer Säule und einer Sitznische auch noch etwas Jugendstil unter. Sehenswert ebenfalls die vier im Original erhaltenen Skulpturen im Durchgang zur Braubachstraße, sogenannte Spolien.

So wie alle anderen Plätze und Gassen wurde der Innenhof gepflastert. Anders als etwa vormals in der Fressgass wurden die Steine fugenfrei und stöckel-schuh-freundlich verlegt.

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