© Silas Stein (dpa), FR
Ein Auto passiert eine Luftmessstation an der Friedberger Landstraße.
Diesel-Fahrverbot in Frankfurt
Frankfurt

Die Wut der Frankfurter über das Fahrverbot

Von Nathanael Häfner, Hanning Voigts
09:32

Das in Frankfurt drohende Fahrverbot für ältere Diesel-Fahrzeuge und Benziner war am Donnerstag das beherrschende Gesprächsthema in der Stadt. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hatte am Mittwoch entschieden, dass Dieselautos, die den Abgasnormen Euro 1 bis Euro 4 entsprechen, sowie benzinbetriebene Fahrzeuge mit Euro 1 oder 2 ab dem 1. Februar 2019 nicht mehr in Frankfurt fahren dürfen, um die Belastung der Luft mit Stickstoffoxid zu verringern. Für Dieselfahrzeuge der Klasse Euro 5 beginnt das Verbot zum 1. September 2019. Die konkrete Ausgestaltung des Fahrverbots müssen die Stadt und das Land Hessen noch festlegen.

Das Urteil und seine Folgen sorgen am Donnerstag für reichlich Empörung in der Stadt. „Ich fühle mich enteignet“, sagt etwa Christian Küenzlen, der morgens mit dem Fahrrad am Rossmarkt unterwegs ist. Er besitze einen Diesel der Abgasnorm Euro 4. „Ab Februar ist mein Auto dann wohl nicht mehr in Frankfurt zu fahren“, so Küenzlen. Dass etwas für die Luftqualität getan werde, finde er an sich nicht falsch. Aber die Leidtragenden seien die Autofahrer. Die Industrie habe jahrelang angeblich saubere Fahrzeuge verkauft – „und jetzt bekommen die hintenrum wieder ein Konjunkturprogramm, weil alle neue Autos brauchen“.

Auch ein Lkw-Fahrer, der gerade einen Firmenlaster an der Neuen Mainzer Straße parkt, ist von dem Urteil verunsichert. Seine Firma habe ihren Sitz in Frankfurt und nutze 15 Lkw, die alle betroffen seien, sagt er. Er wisse nicht, was seine Chefs jetzt tun könnten. Privat habe er sich gerade erst für 15 000 Euro einen BMW mit der Abgasnorm Euro 5 gekauft, mit dem er täglich von Maintal nach Frankfurt pendele: „Was soll ich jetzt machen? Den in der Tiefgarage parken?“ Das Fahrverbot stelle ihn vor ein echtes Problem, klagt der Mann. „Ich bin kein Millionär. Ich kann mir kein neues Auto kaufen.“

Fahrverbot in Frankfurt: Großteil der Taxen betroffen

Die Taxifahrer am Hauptbahnhof reden ebenfalls alle über das Fahrverbot. Er sei eigentlich für strenge Richtwerte bei der Luftreinheit, sagt einer. „Ich will eine saubere Umgebung haben.“ Aber in Frankfurt sei ein Großteil der Taxis betroffen, die könne man doch nicht alle verschrotten. „Die Industrie muss die Autos auf eigene Kosten umrüsten“, findet der Taxifahrer. Einer seiner Kollegen, der selbst einen Euro-6-Diesel fährt, glaubt nicht daran, dass man bis Februar 2019 alle Frankfurter Taxis umrüsten könne. Es müsse mehr Zeit und großzügige Ausnahmeregeln geben, findet er.

Ein dritter Taxifahrer ist wütend, dass „die kleinen Leute“ jetzt von Fahrverboten betroffen seien, obwohl die Autoindustrie betrogen und die Politik sich nicht um rechtzeitige Regelungen gekümmert habe. „Die Politik und die großen Unternehmen schalten und walten, wie sie wollen.“

Unter den Lieferanten und Marktbeschickern in der Kaiserstraße herrscht ebenfalls Unsicherheit. Wenn er mit seinem Lieferwagen nicht mehr in die Stadt fahren dürfe, „dann haben wir ein Problem“, sagt der Mitarbeiter einer Metzgerei aus der Rhön, der auf dem Markt Würstchen und Brötchen anbietet. „Die kleinen Leute haben das Nachsehen“, echauffiert sich die Verkäuferin am Stand eines Weinproduzenten aus Rheinland-Pfalz. Die Politik hätte früher eine Lösung finden müssen, um Handwerker und Unternehmer vor einem solch einschneidenden Urteil zu schützen.

Es gibt aber durchaus auch Leute, die Fahrverbote begrüßen. Kristin und Lea etwa, die an der Goethe-Uni studieren und selbst viel radeln. Sie hoffen, dass Radfahren durch weniger Autoverkehr sicherer werde, sagen die jungen Frauen. In ihrem Freundeskreis fahre fast niemand Auto. Ein Mann im Anzug, per Rad zum Geschäftstermin unterwegs, sagt, die Luftqualität sei ihm wichtig – und in Frankfurt könne man problemlos alle Strecken radeln. Und auch Rudolfo Montiel begrüßt das Urteil. Vielleicht würden jetzt endlich die Radwege ausgebaut, hofft er. „Mehr Rad, weniger Autos in der Stadt, dafür bin ich in jedem Fall.“

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