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Anmut auf der Bahn im Rödelheimer Brentanopark: Die 14-jährige Emilia Jarczewski (TGS Vorwärts) beherrscht die Rollschuhe.
Emilia Jarczewski
Frankfurt

Rollend zur Europameisterschaft

Von Theresa Höpfl
12:27

Die Rückwärts-Auswärts-Hacke-Waage ist ihre liebste Figur. Dabei nimmt Emilia Jarczewski in großem Bogen Anlauf auf den Rollschuhen. Sie hebt ihr linkes Bein, ihr Oberkörper liegt senkrecht in der Luft. Zwei Runden quietschen die Rollen noch, dann dreht sich Emilia so schnell, dass sie die Augen leicht schließt. „Acht saubere Umdrehungen“, zählt die Trainerin am Rand: „Das ist gut. Ab sechs Umdrehungen gibt es die volle Punktzahl.“

Rollkunstlauf heißt der Sport, den die 14-Jährige im Brentanopark betreibt. Und das erfolgreich: Nächste Woche darf sie an der Europameisterschaft in Portugal teilnehmen. Das macht ihre Trainer beim TGS Vorwärts Frankfurt stolz, denn „Rollkunstlauf wird immer ein bisschen belächelt. Eiskunstlauf ist einfach bekannter in Deutschland“, erklärt Emilia Jarczewski.

Damit bei den EM-Läufen am 7. und 8. September alles klappt, gibt Emilia alles. Sie trainiert täglich auf der Außenbahn. Zusätzlich geht sie seit kurzem viermal pro Woche ins Fitnessstudio. Um die Kniegelenke bei Sprüngen zu entlasten, trainiert sie gezielt die Kniemuskulatur.

Am Montag steigt Emilia in den Flieger. Für das Turnier hat die Neuntklässlerin sogar eine Woche schulfrei bekommen. Dann geht es mit ihren Eltern, ihrer Oma und Stella Kolobunga vom Sportverein auf die Azoren-Hauptinsel Sao Miguel. Nur der Opa kann nicht mit. „Er ist mein größter Fan, von meiner EM-Teilnahme erzählt er echt jedem. Aber die Reise ist eben auch sehr teuer“, erklärt Emilia: „Er wird sich den Wettkampf auf jeden Fall im Livestream anschauen.“

„Ein bisschen frecher, bitte“, ruft Frau Berg, die Trainerin, ihrer Schülerin zu. Emilia läuft ihre EM-Kür zu orientalischer Musik. Anmutig hebt sie bei den Sprüngen und Drehungen die Arme.

Am Rand steht nun eine Großmutter mit ihrer Enkelin und schaut zu. „Das ist der Klassiker“, erzählt Stella Kolobunga: „So geht es meistens los. Die Kleinen sagen dann, dass sie das auch mal ausprobieren wollen. Nur die Jungs verschwinden leider oft im Laufe der Sommersaison wieder. Ihnen fehlen bei uns im Verein einfach die Vorbilder.“ Auch Emilia fand so mit fünf Jahren zum Rolllauf.

Ihr Talent zeigte sich 2012 auf der Süddeutschen Meisterschaft erzählt Kolobunga, Wertungsrichterin im Rolllauf: „Sie war schnell, pfiffig und tänzerisch, der sportliche Powertyp. Wenn sie mit den Jahren noch an Eleganz hinzugewinnt, kann sie sich halten.“
Stürze sind auch nach Jahren des Trainings noch normal im Rollsport. Trotzdem raten die Trainer beim TGS Vorwärts auch bei den Kleinsten von Schutzkleidung ab. 

„Sie verlassen sich sonst darauf und trauen sich gar keine neuen Sprünge mehr ohne Schoner zu“, erklärt Kolobunga. Eines versuchen die Läufer bei Stürzen trotzdem zu schützen: ihre Schuhe. Ein Paar kostet schnell 650 Euro. Dank der hautfarbenen Überzüge sollen sie möglichst lange halten.

„Früher war mein Ziel immer die EM“, sagt Emilia. „Jetzt habe ich das erreicht und denke vielleicht an die WM oder sogar die World Games für nicht-olympische Sportarten.“ Erstmal steht aber die EM (Altersgruppe der „Kadetten“) im Fokus. „Da ist das Ziel, dass sie verletzungsfrei bleibt und ihre Leistung abrufen kann“, sagt Kolobunga: „Emilia ist aber eine coole Socke, sie braucht die Wettkampfsituation.“

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