© imago, FR
Gebrauchtwagenhändler werden Diesel-Fahrzeuge kaum los.
Fahrverbot in Frankfurt
Frankfurt

Wohin mit dem alten Diesel?

Von Ulrich Weih
12:08

Fahrverbot in Frankfurt und anderen deutschen Großstädten: Viele Autofahrer müssen sich in nächster Zeit von ihrem Diesel-Pkw trennen. Also schnell verkaufen?

Diesel sind derzeit kaum loszuwerden, sagt der Zentralverband des Deutschen Kfz-Gewerbes. Und wenn, dann nur unter sehr hohen Preisnachlässen. Bis zu 50 Prozent Rabatt gewähren Gebrauchtwagenhändler auf Dieselautos. Gebrauchte Fahrzeuge nehmen sie kaum noch an.

Das Angebot auf einschlägigen Autobörsen und Online-Plattformen spricht Bände: Die Autobesitzer unterbieten sich gegenseitig. Hochwertige, junge Wagen werden für Spottpreise angeboten. Die Verkäufer müssen mit schmerzhaften Wertverlusten leben – wenn sie ihr Auto überhaupt los werden.

In Stuttgart beispielsweise ist der Gebrauchtmarkt für Diesel quasi zusammengebrochen. In Frankfurt könnte das demnächst ähnlich sein. Und im Umland werden sich potenzielle Käufer wohl kaum für einen alten Diesel interessieren, der um deutsche Großstädte einen weiten Bogen machen muss. 

Selbst die meisten Autohändler nehmen alte Diesel nicht mehr in Zahlung. Zwar bieten einige wenige Hersteller (wie Mercedes, BMW oder Ford) noch sogenannte Umstiegsprämien an, wenn Kunden Diesel mit Euro 1 bis 4 ein Neufahrzeug kaufen möchten. Doch diese wenigen Aktionen sind kaum noch attraktiv: Je nach Modell zahlen die Hersteller maximal 2000 Euro, um den Wagen anschließend zu verschrotten.

Diesel: Umrüstung oft teurer als der Restwert

Und ein Verkauf in Länder, in denen die Dieselproblematik derzeit kein Thema ist? Ein Verkauf nach Osteuropa etwa ist natürlich eine Alternative. Durch das sehr große Angebot an gebrauchten Dieseln sind aber natürlich auch dort die Preise im Keller. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis europäische Nachbarländer auf die Umsetzung der Schadstoffwerte drängen.   

Also vielleicht eine Umrüstung? Für ältere Diesel steht der finanzielle Aufwand häufig in keinem Verhältnis zum Restwert des Autos. Also kommen für eine Umrüstung eigentlich nur Fahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 5 in Frage.

Waren die Software-Updates noch kostenlos, so gehen Hardware-Nachrüstungen ins Geld. Die Kosten betragen je nach Modell zwischen 2000 und 3000 Euro und mehr, bezahlen muss das der Autobesitzer. Ob die Schadstoffmenge, die der Motor dann immer noch rausbläst, so gering ist, dass ein Fahrverbot langfristig vermieden werden kann, ist keineswegs sicher. Denn möglicherweise müssen künftig auch Besitzer eines Euro-6-Diesel zittern. 100 Prozent Grünes Licht gibt es wohl nur für die allerneueste Euro-6d-Norm.

Leider hüllt sich die Bundesregierung bei der Kostenbeteiligung durch die Autoindustrie weiterhin in Schweigen. Finanzielle Hilfen sind aktuell nicht in Sicht – auch wenn der Zentralverband des deutschen Kfz-Gewerbes dies nachdrücklich fordert.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Abgasskandale   Zur Startseite
Schlagworte