© Peter Jülich, FR
Eine Ausstellung zum Werk Robert Gernhardts im Caricatura-Museum.
Frankfurt
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Der Caricatura geht das Geld aus

Von Georg Leppert
08:38

Die Caricatura schlägt Alarm. Dem Museum für komische Kunst am Weckmarkt stehen im laufenden Jahr für Ausstellungen und Veranstaltungen nur rund 180 000 Euro zur Verfügung – viel weniger, als die Politik dem Museum einst zugesagt hat, wie der Leiter des Hauses, Achim Frenz, beklagt. Er befürchtet massive Einschnitte im Programm. Dabei macht das Museum nach FR-Informationen sogar Gewinn.

Der Etat des Hauses sei seit der Gründung vor zehn Jahren kontinuierlich zurückgegangen, sagt Frenz im Gespräch mit der FR: „Insgesamt haben wir etwa 100 000 Euro pro Jahr verloren.“ Genaue Zahlen zu nennen, sei schwierig. Denn die Caricatura ist formal eine Außenstelle des Historischen Museums. Ausgewiesen wird in der Regel ein gemeinsames Budget.

Fest steht nur, dass die Stadtverordneten der Caricatura ein Jahr vor ihrer Gründung 327 000 Euro pro Jahr bewilligt haben – für den Betrieb des Hauses (also etwa Kosten für Wasser, Strom und Heizung) sowie für Ausstellungen und Veranstaltungen. Das heißt: Wann immer in den vergangenen zehn Jahren der Strom teurer wurde, blieb der Caricatura weniger Geld für ihre Arbeit. Und über die verbliebene Summe führte Frenz zuletzt regelmäßig Verhandlungen mit dem Historischen Museum.

Schreckensvision der Schließung

So entwirft der Museumsleiter eine Schreckensvision. Es sei gut möglich, dass die Caricatura im kommenden Jahr für einige Monate schließen müsse. Zumindest werde es weniger Ausstellungen geben. Und auch das traditionelle Festival der komischen Kunst zum Museumsuferfest könne 2019 nicht stattfinden. Damit fiele es dann bereits zum zweiten Mal in Folge aus, denn auch in diesem Jahr gibt es das Festival nicht. Allerdings nicht wegen der angespannten Finanzlage, sondern wegen der Baustelle am Weckmarkt.

Verwunderlich sind die finanziellen Probleme vor allem, weil die Caricatura durchaus erfolgreich arbeitet. Pro Jahr besuchen 55 000 Menschen die Ausstellungen – für ein Haus dieser Größe ist das sehr ordentlich. Derzeit läuft etwa eine viel beachtete Ausstellung über den Komiker Otto.

Trennt man bei der Einnahmen- und Ausgabenrechnung das Historische Museum von der Caricatura, dann macht das Haus am Weckmarkt nach FR-Informationen sogar Gewinne. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt der gut laufende Museumsshop. Insgesamt soll die Caricatura in den vergangenen zehn Jahren einen sechsstelligen Betrag erwirtschaftet haben. Achim Frenz kann das nicht bestätigen, weil er nur die gemeinsamen Zahlen von Historischem Museum und Caricatura kennt.

In den vergangenen Wochen hat Frenz die kulturpolitischen Sprecher der Römer-Fraktionen eingeladen und ihnen sein Leid geklagt. Eine erste Reaktion kam von Nico Wehnemann (Die Fraktion). Er hatte bereits einen Akteneinsichtsausschuss zur Entwicklung des Etats initiiert. In der heutigen Sitzung des Kulturausschusses will er zur Situation des Hauses Stellung nehmen.

Zudem plant Wehnemann zwei Anträge. Zum einen sollen die Gewinne der Caricatura dem Museum direkt zugute kommen. Zum anderen möchte er die Verbindung mit dem Historischen Museum lösen, für die es inhaltlich keinen Grund gebe.

Derweil betont Achim Frenz, dass er nicht von seinem Anspruch abweichen werde, Veranstaltungen und Ausstellungen von bundesweiter Bedeutung zu organisieren. „Wir sind kein Stadtmuseum“, sagt er und verweist auf Künstler wie Robert Gernhardt, die weit über Frankfurt hinaus gewürdigt werden müssten.

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