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Rund 300 Menschen demonstrierten für den schnellen Kohleausstieg in der Frankfurter Innenstadt.
Frankfurt
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Kohle stinkt!

Von Laura Franz
11:50

Kohle stinkt!“ – diese Worte hat sich Eefje Aarnoudse auf die Rückseite ihres T-Shirts geheftet. „Und sie macht krank und zerstört die Umwelt“, ergänzt sie. Aarnoudse ist eine von rund 300 Teilnehmern, die am Samstagmorgen an der Demonstration des Frankfurter Klimabündnisses teilnehmen. Unter dem Motto „Aufstehen für das Klima“ ziehen die Protestanten für einen schnellen Kohleausstieg durch die Frankfurter Innenstadt.

„Die Kohlekraftwerke müssen dringend geschlossen werden. Es geht hier um die Zukunft unserer Kinder“, betont Aarnoudse, die selbst zwei kleine Töchter hat. Allein das Heizkraftwerk West der Mainova AG verfeuert 344 000 Tonnen Steinkohle pro Jahr. 824 000 Tonnen Kohlendioxid werden dadurch ausgestoßen. „Das ist nicht nur für uns Menschen schädlich, es trägt auch maßgeblich zum Klimawandel bei“, erklärt Ursula Mayer-Eppelsheimer von Klimattac, einer der neun Organisationen, die das Frankfurter Klimabündnis bilden. Sie erinnert an den außergewöhnlich heißen Sommer und die Dürre in diesem Jahr. „Es kann nicht sein, dass man im Römer in punkto Umweltpolitik jetzt noch immer stagniert“, empört sie sich.

Das Klimabündnis nimmt den globalen Aktionstag „Rise for Climate“ zum Anlass, erneut auf den „Klima-Killer Kohlekraftwerk“ aufmerksam zu machen. Die Demonstranten versammeln sich um 11 Uhr zu einer Kundgebung am Opernplatz. „Der CO2-Ausstoß muss dringend reduziert werden. Es ist fünf vor zwölf“, mahnt Klimattac-Sprecherin Claudia Caglayan. „Wir fordern von der Stadt, Alternativen zur Steinkohleverfeuerung auf den Weg zu bringen, mehr Forschungsgelder in den Klimaschutz zu investieren und die Kohlekraftwerke endlich stillzulegen!“

Plakate mit Parolen wie „Kohle nur zum Grillen“

Jubeln und Applaus, dann setzt sich der Demonstrationszug von der Alten Oper über die Taunusanlage, die Neue Mainzer Straße und die Goethestraße zur Hauptwache in Bewegung. Viele sind mit dem Fahrrad gekommen, einige schwenken Plakate mit Parolen wie „Kohle nur zum Grillen“ oder „Deutsche Emissionen erzwingen Migrationen“. Eine Handvoll Teilnehmer trägt Insektenkostüme. Eine junge Frau hat sich als Biene verkleidet – als Symbol für das Bienensterben, das durch den Klimawandel begünstigt wird.

An der Hauptwache betonen die Redner der Organisationen, die dem Frankfurter Klimabündnis angehören, nochmals ihre Forderungen. Neben dem Abschalten des Heizkraftwerks West wünschen sie sich den Ausbau der Radverkehr-Infrastruktur sowie Öko-Strom für den ÖPVN, denn die Frankfurter Straßen- und U-Bahnen fahren derzeit noch mit Kohlestrom.

„Gleich nach China und den USA pustet Deutschland Jahr für Jahr die meisten Emissionen in die Atmosphäre. Wir sind also zu großen Teilen mitverantwortlich für die globale Erwärmung – und es ist höchste Zeit, etwas daran zu ändern“, erklärt ein Demonstrant. Jeder Einzelne könne teilhaben. Die Protestanten gehen mit gutem Beispiel voran: „Ich konsumiere saisonale Produkte aus der Region“, ruft eine Frau. „Ich fahre mit dem Fahrrad“, sagt ein Mann. „Und ich fliege nicht mehr, habe außerdem zu Naturstrom gewechselt“, erklärt eine weitere Frau.

Im großen Rahmen sei nun die Politik gefragt. „Im Stadtparlament wird die Diskussion eines Antrags über den Kohleausstieg in Frankfurt seit einem Jahr vertagt. Das ist unverantwortlich“, erklärt Jürgen Eiselt, Sprecher des Klimabündnisses. Die Demo endet daher gegen 13 Uhr symbolisch vor dem Römer.

Kontakt zum Frankfurter Klimabündnis: klimattac@attac-ffm.de; weitere Informationen im Internet unter www.attac-netzwerk.de.

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