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Mehr Arbeit für den Frauennotruf

Von Georg Leppert
10:54

Im vergangenen Jahr haben mehr Frauen und Mädchen als 2016 Hilfe beim Frauennotruf Frankfurt gesucht. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den die Beratungsstelle nun veröffentlicht hat. Danach zählte der Frauennotruf genau 659 Klientinnen – 35 mehr als im Jahr zuvor.

„Die Folgen erlebter Gewalt sind meist fatal und schränken den Alltag der Frauen noch lange nach der Tat ein“, sagte Judith Schlächter, Mitarbeiterin der Beratungsstelle. Die jetzt vorgelegten Zahlen belegen diese These. 362 Frauen berichteten von zum Teil erheblichen gesundheitlichen Konsequenzen wie beispielsweise Schlaf- oder Angststörungen oder Depressionen. 171 Klientinnen gaben in der Beratung an, die Gewalterfahrung habe ökonomische Folgen für sie gehabt.

Hohe Beachtung über Landesgrenze hinaus  

Die Soforthilfe nach einer Vergewaltigung bildet einen weiteren Schwerpunkt in der Jahresbilanz. Etabliert wurde sie im Jahr 2013. Seitdem haben in Frankfurt 256 vergewaltigte Frauen die medizinische Soforthilfe in Anspruch genommen – im vergangenen Jahr waren es 39. Das Projekt, das Frauen ermutigen soll, sich nach einer Vergewaltigung sofort in Behandlung zu begeben, wurde mittlerweile auf 15 Städte und Landkreise ausgeweitet.

„Unser Modell findet über Hessens Grenzen hinaus hohe Beachtung, und uns erreichen viele Anfragen zur Übernahme dieser Versorgungsstruktur“, sagte Judith Schlächter. Um darüber zu informieren, gebe es regelmäßig Kampagnen.

Eine davon läuft noch bis Mitte Dezember in Frankfurt. Auf 31 Bildschirmen an Bahnhöfen und S-Bahn-Stationen ist der Spot „Shower“ zu sehen – immer freitags und samstags. Darin wird eine Frau beim Duschen gezeigt. Das Wasser läuft aber nicht vom Duschkopf in den Abfluss, sondern umgekehrt vom Abfluss zurück über die Frau in den Duschkopf. Auf ihrem Bein, Arm und Hals erscheinen Worte wie „sei still“, „Dreckstück“, „selbst schuld“. Am Ende heißt es: „Eine Vergewaltigung lässt sich nicht einfach abwaschen, lassen Sie sich ärztlich behandeln.“

Die Beratungsstelle befindet sich im Ökohaus, Kasseler Straße 1 (am Westbahnhof). Erreichbar ist sie von Montag bis Freitag unter der Telefonnummer 069 / 70 94 94. Weitere Informationen unter www.frauennotruf-frankfurt.de und unter www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de

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