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Kommen, hören, genießen, so kennt man das Stoffel-Festival im Günthersburgpark.
Frankfurt
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Unaufgeregt, entspannt, Stoffel

Von Larissa Niesen
12:12

Das Konzert hat lange angefangen, da kommen immer noch Leute aus dem Günthersburgpark angeschlendert, angezogen von der Musik wie die Wespen vom Picknick der Zuhörenden. Ganz ohne Absperrungen und Altersgrenzen lebt „Stoffel“ (Stalburg Theater Offen Luft) von dieser Grenzenlosigkeit. Und die Musik von Sängerin Jördis Tielsch bringt Hochsommer, wo am Samstagabend ausnahmsweise mal keiner ist.

Rund 4000 Zuhörer hatte das Stoffel-Festival zum Start am Donnerstagabend. Stoffel-Macher Michael Herl hat sich um die Zuschauerzahlen der 15. Ausgabe ohnehin keine Sorgen gemacht. „Die Erwartungen waren hoch. Wir haben sie erfüllt“, sagt er. Erfüllt auch insofern, als dass sich die wichtigen Dinge nicht geändert haben: Stoffel bleibt Stoffel. Der, die oder das Stoffel? „Na, Stoffel halt“, sagt Herbert Huber, der sich ums Programm kümmert: „Kein Gedings und kein Gedöns. Eine Bratwurst essen, einen Schoppen trinken, Freunde treffen, Musik hören. Wie ein großes Gartenfest mit Freunden.“ Herl sagt, gerade in diesen unruhigen Zeiten bräuchten die Leute das Unaufgeregte.

Genau damit wirbt das Musikfest: mit Zwanglosigkeit und der Möglichkeit, spontan zu sein. Deshalb auch der freie Eintritt. „Das ist halt kein Event“, sagt Filippo Tiberia, der seit 2009 zum Stoffel-Team zählt. „Das ist unglaublich familiär hier. Auch von den Künstlern kommen viele immer wieder.“ Zu den 80 Mitarbeitern des Stoffel-Teams zählen in diesem Jahr nur sieben neue Gesichter. Viele sind jedes Jahr wieder dabei – wie Sandra Müller. „Man sieht hier Leute wieder, die man ewig nicht zu Gesicht bekommen hat, und keiner geht gleich nach Feierabend heim, wenn er nicht unbedingt muss“, erzählt die Hamburgerin.

Neben einigen spontan Gestrandeten zählen im Publikum viele zu den Wiederkehrern. So wie die Frauen, die auf zwei Bänken nahe der Bühne sitzen. Wegen der Menschen seien sie hier, erzählt Sevda Özcan. „Ein Sommerabend unter Bekannten, die Möglichkeit, sich zu treffen, und die vielen verschiedenen Arten von Musik“, ergänzt Banknachbarin Saskia Pfeilsticker. Und dass der Eintritt frei sei, zeige doch nur, dass es auch dem Veranstalter um die Menschen gehe und nicht bloß ums Geld.

Beim Stoffel ist so viel Platz, dass man sich die Menschen, die man gern um sich hat, einfach mitnehmen kann. Die Familien Hayer, Seibel und Martin teilen sich zwei Bänke und eine Picknickdecke. „Wir sind jedes Jahr hier, wir wohnen im Viertel“, erzählen sie. „Das hier ist einfach, spontan, und die Kinder können nebenbei spielen.“ Das finden auch Marina Hinkelmann und Kathrin Hundertmark. „Das ist total entspannt hier mit den Kleinen, keine Eintrittskarte und Musik, die nicht zu laut ist.“ Überall tanzen und rennen Kinder über die Wiese. Die Atmosphäre ist locker, und Sängerin Jördis Tielsch singt gerade davon, das „Leben anzulachen“. Vom Publikum ist sie positiv überrascht: „Konzerte sind für mich am schönsten, wenn Intimität da ist, wenn die Leute entspannt sind, auch mal was trinken können und wenn ich sie mitnehmen kann auf eine Art Reise“, sagt die 23-Jährige. Da hat ihre sanfte Sehnsuchtsmusik beim Stoffel das richtige Publikum gefunden. Ein bisschen Musikreise ist bei allen drin: ob sie nun spontan dazugekommen sind oder schon lange darauf warten.

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