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Babylotsin Daniela Dankert (l.) betreut junge Familien im Bürgerhospital.
Frankfurter Kliniken
Frankfurt

Babylotsinnen erleichtern den Start ins Leben

Von Marie-Sophie Adeoso
11:30

Anselms Start ins Leben kam plötzlich und viel zu früh. In der 25. Schwangerschaftswoche brachte seine Mutter Anna G. den kleinen Jungen in der Frankfurter Uniklinik zur Welt – die verfrüht einsetzende Geburt hatte die 24-jährige Studentin aus Hildesheim während eines Besuchs in Frankfurt überrascht. Aus dem geplanten Wochenendtrip der Mutter wurden bislang mehr als zwei Monate, die Anselm auf der Frühchenstation der Uniklinik verbringen musste. „Anfangs war ich ziemlich neben der Spur, alles brach auf einmal auf mich herein und ich wusste gar nicht, was zu erst zu tun ist“, sagt die junge Mutter, die anonym bleiben möchte.

Dass sie heute schon klarer sieht und sogar erwägt, ganz in Frankfurt zu bleiben, hat Anna G. Vanessa Günther zu verdanken. Die Sozialpädagogin arbeitet als Babylotsin an der Uniklinik und stellte sich der jungen Mutter nach der schweren Geburt zur Seite. „Ich habe ihr erst mal geholfen zu sortieren, was sofort passieren muss“, sagt die 29-Jährige. So unterstützte sie Anna G. etwa dabei, eine private Unterkunft in Frankfurt zu finden und ihr zustehende Hilfen wie Eltern- und Kindergeld zu beantragen. 

Neun Babylotsinnen wie Vanessa Günther sind in Frankfurt im Einsatz – seit Mitte des Jahres an allen Geburtskliniken der Stadt. Angefangen hatte das vom Deutschen Kinderschutzbund getragene Projekt Babylotse 2014 zunächst im Bürgerhospital und im Klinikum Höchst, nach Hamburger Vorbild initiiert von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Crespo Foundation. Nun ist Frankfurt die erste deutsche Großstadt, die ein derartiges Angebot flächendeckend allen werdenden Eltern anbieten kann, wie Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) am Donnerstag verkündeten. 

Eltern frühzeitig Unterstützung vermitteln

„Wenn Frauen zur Geburtsanmeldung in die Klinik kommen, wird jede über die Babylotsinnen informiert“, sagt Projektleiterin Nicola Küpelikilinc. „Wir wollen den Eltern frühzeitig vermitteln, dass es Unterstützung gibt.“ Kämen die Mütter dann zur Entbindung, bahnten Hebammen, Ärztinnen und Ärzte oder das Pflegeteam auf Wunsch ein Beratungsgespräch mit der an der jeweiligen Klinik tätigen Babylotsin an. Die ermittle den Hilfebedarf und vermittle an passende Angebote aus dem Netz früher Hilfen, sag Küpelikilinc – sei es eine Familienhebamme oder ein Elterntreff.

„Wir sind montags bis freitags ganztägig vor Ort“, sagt Babylotsin Daniela Dankert, die im Bürgerhospital arbeitet. Jede Familie bringe andere Bedürfnisse mit, sagt sie und berichtet von einer Äthiopierin, die erst seit einem Jahr in Frankfurt lebt. Schon vor der Geburt habe sie mit der alleinstehenden Frau alle notwendigen Anträge ausfüllen und sie an eine Schwangerenberatung weiterleiten können, einen Kinderarzt gesucht und einen Eltern-Kind-Treff in deren Stadtteil. Nach der Geburt habe sie dann noch eine Erstausstattung für das Kind organisieren und kurzfristig eine Nachsorgehebamme finden können.

„Ein guter Start ins Leben ist das Wichtigste“, sagt Anna G.s Babylotsin Vanessa Günther – „oder wie man aus einem schwierigen Start das beste macht“. Bei der Frühchenmutter konnten so die wichtigsten Weichen gestellt werden. Nur einen dringenden Wunsch hat diese noch: dass Anselms Vater endlich nach Frankfurt kommen kann. Ihr Freund, den sie während eines Auslandsjahrs in Marokko kennenlernte, wartet bislang vergeblich darauf, an der deutschen Botschaft in Rabat einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen zu können. 

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