© Michael Schick, FR
Die Skyline im Blick, die Ruder im Griff: ein Sommerabend auf dem Main.
Freizeit
Frankfurt

Mainluft schnuppern

Von Antonia Groß
15:30

Erst sind es nur die Handgelenke. Geschickt bewegen sie die sechs Ruder im Takt über die Wasseroberfläche. Dann die Arme, die drei Oberkörper. Immer tiefer tauchen die Ruderblätter ein, immer schneller gleitet das schmale Rennboot über den Main. Zuletzt kommen die Beine zum Einsatz, das Boot gewinnt an Geschwindigkeit, die rhythmischen Schläge tragen die Sportlerinnen geräuschlos Richtung Westen.

Beim Frankfurter Ruder- und Kanusportverein (FRVS) 1989 rudern und paddeln rund 200 Mitglieder mit etwa 70 Booten regelmäßig auf dem Fluss. Für eine der beiden Sportarten entscheiden müssen sie sich dabei aber nicht: Allein oder zu zweit, in 6er-Booten, im schmalen Auslegerkanu oder zu zwanzigst im wuchtigen Drachenboot – Mitglieder und Interessierte können sich ausprobieren oder auf ihre Lieblingsvariante spezialisieren.

Natürlich gibt es dennoch Unterschiede – Kanuten paddeln, Ruderinnen rudern. Und je nach Sportart können nicht nur die Techniken, sondern auch die Einstellungen verschieden sein: „Ruderer nehmen in der Regel Förmlichkeiten ernster“, sagt Lars Littfin, erster Vorsitzender des FRVS. Unter der sengenden Sonne paddelt Littfin im gemächlichen Kanadier, einem offenen Kanu, durchs Wasser rund um die Anlegestelle des Vereinssitzes schräg gegenüber dem Osthafen. Die Ruderinnen aus dem Rennboot grüßt er mit einem lässigen „Ahoi!“.

Rudern und Kanufahren sind Sportarten, die sehr gute körperliche Effekte versprechen und dabei ein nur kleines Verletzungsrisiko bergen: Sie fördern Ausdauer und Muskelkraft; vor allem der von Büroarbeit gern strapazierte Rücken wird gestärkt. Doch auch auf mentaler Ebene kann man sich so einiges erhoffen: „Beim Rudern geht es vor allem um eins: den Ausgleich vom Alltag“, findet Littfin. Ein Rundumblick lässt ahnen, wie Recht er damit hat. Rechts grüne Bäume und Sträucher, die das Nordufer säumen, ein paar Angler haben dazwischen ihre Routen ausgeworfen. Links die Anlegestelle mit gut gelaunten Spaziergängern, hinter uns die Offenbacher Schleuse, vor uns die Skyline der Stadt.

Man fühlt sich fernab der Stadt, raus aus der Hektik – und ist doch mittendrin. Am Himmel kreist eine Möwe. Schmatzend klatschen kleine Wellen gegen den Bug, das dunkle Wasser saugt den Blick ein. „Für mich hat das Wasser was Meditatives“, sagt Littfin, lässt das Paddel für einen Moment ruhen und lauscht der Stille. Vier- bis fünfmal die Woche steigt er ins Boot. Wenn er keine Kurse gibt, dann tut er es für sich. Und das besonders dann, wenn andere lieber Zuhause bleiben: bei Regen. „Dann hab’ ich das alles hier für mich“, sagt der Wassersportler und macht eine ausladende Bewegung mit der Hand.

Bei schönem Wetter ist auf dem neun Kilometer langen Mainabschnitt zwischen der Offenbacher und der Griesheimer Schleuse reger Betrieb. Neben Kanus und Ruderbooten flitzen und hüpfen kleine Motorboote die nasse Verkehrsstraße entlang, Stand-up-Paddler schieben sich schwatzend vorwärts. Aber auch Ausflugs-, oder Linienschiffe und 500 Meter lange Frachter kreuzen sich hier. Weil sich die Fahrtrichtungen unterscheiden, ist ständige Vorsicht geboten: Wer immer wieder einen „Eulenblick“ nach hinten wirft, kann rechtzeitig ausweichen.

Es bietet sich an, den muskelbetriebenen Wassersport, so bezeichnet man im Fachjargon die unterschiedlichen Sportarten zu Wasser, im Verein zu betreiben. „So ein Boot kann locker mal 10 000 Euro kosten, da macht es Sinn, sich das zu teilen“, sagt Littfin.

Viele Voraussetzungen fürs Rudern gibt es nicht, es sollte einfach ein „gewisse Affinität zum Wasser“ bestehen. Schwimmen können sollte man, aber auch das könnten alle lernen, die Lust und Verantwortungsbewusstsein mitbrächten, so der Vorsitzende.

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