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Der große Wortschmied war auch der Musik zugetan.
Goethe-Festwoche
Frankfurt

Goethe-Festwoche beginnt in Frankfurt und Rhein-Main

Von Judith Köneke
07:59

Musik sei in Johann Wolfgang Goethes Leben omnipräsent gewesen, sagt Julia Clooth. Das sehe man nicht nur an seinen eigenen Arbeiten, etwa für die Libretti fügt die Kuratorin der Goethe-Festwoche und stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main hinzu. „Goethe hatte ein sehr hohes Musikverständnis, schließlich ist er der meistvertonte Dichter der Musikgeschichte.“

Die Goethe-Festwoche, organisiert vom Frankfurter Kulturamt und dem Freien Deutsche Hochstift, beschäftigt sich bis zum 16. September in rund 30 Veranstaltungen zum siebten Mal mit dem Frankfurter Dichter, diesmal mit seiner Beziehung zur Musik – in Form von Gesprächen, Konzerten, Vorträgen und Theaterstücken. Goethes musikalische Biografie, seine Freundschaften mit Musikern seiner Zeit und die musikalische Rezeption seiner Werke hätten vielen Mitveranstaltern genug Stoff geboten, um ein vielfältiges Programm zusammenzustellen sagt Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts und des Goethe-Museums.

„Für Goethe war die Musik sehr wichtig, von Kindheit an“, erklärt Bohnenkamp-Renken. Das Wappen des Hauses am Großen Hirschgraben schmückten drei Leiern und es habe ein eigenes Musikzimmer gegeben. Die Familie habe zudem regelmäßig musiziert, ebenso wie Musiker, die oft zu Gast waren. In einer Kurzführung durch ausgewählte Räume des Goethe-Hauses bekommen die Besucher Einblicke in das Leben der Familie und ihre musikalischen Vorlieben.

Für Komponisten und die Musikgeschichte war aber auch Goethe sehr wichtig, so Bohnenkamp-Renken. Beethoven war etwa ein glühender Verehrer des Dichters, er hatte zunächst einige von Goethes Gedichten vertont, bevor er 1810 eine Schauspielmusik zum Egmont komponierte. Über Goethe und Beethoven sprechen der Literatur- und Kunstwissenschaftler Norbert Miller (TU Berlin) und der Musikwissenschaftler Thomas Betzwieser.

In diesem Jahr wurden die Veranstaltungen erstmals auf die Region ausgeweitet. Denn Goethe war natürlich auch im Umland unterwegs. Aus seiner Freundschaft mit Komponist Johann André, den er in Offenbach kennenlernte, ist das Schauspiel mit Gesang „Erwin und Elmire“ entstanden. Über 200 Jahre in Archiven verschwunden, wird es nun in Bad Homburg und Offenbach als konzertante Fassung aufgeführt.

Anfang des 19. Jahrhunderts hielt sich Goethe mehrere Wochen in Wiesbaden auf. Er erkundete die Stadt und genoss die Bäder. In dieser Zeit entstanden zahlreiche neue Texte, darunter viele Gedichte des „Westöstlichen Divan“. Eine Führung folgt seinen Spuren in Wiesbaden. Eine Bus-Exkursion führt zudem vom Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt nach Oestrich-Winkel und von dort nach Offenbach. In einer theatralen Wanderung von und mit Jugendlichen durch den Main-Taunus-Kreis nehmen diese historischen Bezug zu Goethes Jugendzeit, beleuchten aber ebenso neue Medien.

Auch andere Formate der Festwoche überführen das Festivalthema ins 21. Jahrhundert, so Clooth. Studierende der Goethe-Universität zeigen den Dichter als Anreger für die Popkultur, der Poetry-Slammer Dalibor Markovic und der Darmstädter Förderverein Jazz befördern den „Kreis der Darmstädter Empfindsamen“ ins Heute, und die Junge Deutsche Philharmonie hat Poetry-Slammer und Komponisten zu einem gemeinsamen Projekt eingeladen – aufgeführt wird es in Frankfurt und Hanau.

Als ein Highlight des Programms bezeichnen die Veranstalter die musikalisch-literarische Soiree „Der Zauberflöte zweyter Theil“, die Oper und Schauspiel Frankfurt gemeinsam veranstalten. Denn Goethe war ja auch Opernregisseur und Ausstatter – wen wundert’s.

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