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Bauarbeiter - kein leichter Job, besonders zurzeit.
Hitze in Frankfurt
Frankfurt

Trotz Hitze arbeiten viele im Freien

Von Jonas Wagner
13:14

Die Luft steht an diesem Dienstagnachmittag im Frankfurter Bahnhofsviertel. Das Thermometer zeigt 32 Grad, unerbittlich brennt die Sonne vom Himmel. Joachim Kienast schlendert über den Kaisermarkt, der zu dieser Tageszeit nur spärlich besucht ist. Kienast hat an diesem Tag die Marktleitung inne, er räumt ein Schild aus dem Weg, damit einer der Händler mit seinem Wagen den Markt in der Kaiserstraße verlassen kann.

„Heute Nachmittag war schon deutlich weniger los“, antwortet der Marktleiter auf die Frage, ob sich die Hitze auf die Marktabläufe auswirke. Einige Aussteller hätten früher als gewöhnlich Feierabend gemacht, da zum Beispiel die Produkte des Blumenhändlers bei den hohen Temperaturen kaputtgingen. Allerdings will Kienast nicht alles auf die Hitze schieben: Auch die Ferien trügen ihren Teil dazu bei, dass der Markt weniger gut besucht sei als sonst. „Am Mittag war es voll“, allerdings hätten sich viele Aktivitäten in den Schatten verlagert.

Während die Marktkunden also relativ einfach an den angrenzenden Häuserzeilen Schutz vor der Sonneneinstrahlung finden können, lassen sich die Tätigkeiten vieler Bauarbeiter oftmals nicht außerhalb der prallen Sonne ausführen. Deswegen sind sie den Risiken der Hitze in besonderem Maße ausgesetzt. So warnt die IG Bau Rhein-Main vor der hohen UV-Belastung im Freien. „Sonnenmilch und Wasserflasche gehören genauso zum Job wie Mörtel und Maurerkelle“, teilt die Bezirksvorsitzende Carla Rodrigues mit. „Hilfreich ist die Faustregel: „Wenn der eigene Schatten kleiner ist als die Körpergröße, dann ist die Gesundheitsgefahr besonders hoch.“

Auf Sonnenschutz achten und viel trinken sind auch die ersten beiden Tipps, die Raimund Ernst für die Arbeiter parat hat. „Hitze ist etwas, womit der Bau als Gewerbe im Freien umgehen kann“, sagt der Geschäftsführer der Frankfurter Bauinnung. Die langanhaltende heiße Periode – Ernst spricht von „südeuropäischen Verhältnissen“ – sei allerdings neu. Der angemessene Arbeitsschutz, das betont er mehrmals, sei für den Bauverband ein „Riesenthema“.

Wasser und Sonnenschutz

Deutlich schlimmer als die Hitze ist laut Ernst allerdings schlechtes Wetter. Dennoch könnten die hohen Temperaturen durchaus zu Produktivitätseinbußen führen, da man vor allem zur Mittagszeit die Arbeitsabläufe ändern müsse.

„Es kann nicht so gearbeitet werden wie bei normalen Temperaturen“, pflichtet ihm ein Sprecher der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) bei, die den Arbeitsschutz auf Baustellen kontrolliert. Um über Risiken, Schutzmöglichkeiten und Rechtliches aufzuklären, hat die gesetzliche Unfallversicherung vor einigen Monaten einen Ratgeber zum Thema „Sonnenschutz auf dem Bau“ veröffentlicht. Grundsätzlich seien die Arbeitgeber verpflichtet, „für Arbeitsplätze eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen“, heißt es in der Broschüre. Darunter fallen laut Aussage des Sprechers beispielsweise entsprechende Kleidung, Kopfbedeckungen, Sonnenbrillen und -schutzmittel, aber auch schattenspendende Schirme oder Sonnensegel auf den Baustellen. Solche Anschaffungen fördere die BG Bau mit Arbeitsschutzprämien in Höhe von 50 Prozent.

Auf dem Kaisermarkt zeigt sich, dass die Hitze nicht für alle Menschen, die im Freien arbeiten, ein Problem darstellt. „Obst wird viel gekauft“, freut sich Thomas Nauber, der mit seinem Stand am Ende des Marktes steht. „Ich kann mich nicht beschweren.“ Für ihn ändere sich fast nichts. Zwar wollten die Leute weniger Gemüse haben, doch die Nachfrage nach Früchten sei jetzt sogar gestiegen.

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