© Peter Jülich, FR
Die Caricatura in Frankfurt bekommt deutlich weniger Mittel als ursprünglich zugesagt.
Museum für komische Kunst
Frankfurt

Autonomie für Caricatura gefordert

Von Claus-Jürgen Göpfert
17:24

Prominente deutsche Karikaturisten werben öffentlich für eine Selbstständigkeit des Caricatura-Museums in Frankfurt. Pitt Knorr, Bernd Eilert und Rudi Hurzlmeier plädieren im Gespräch mit der FR dafür, dass Caricatura-Chef Achim Frenz endlich sein eigenes Haus führen darf und nicht länger als Abteilung zum Historischen Museum gehört.

„Ich wüsste niemanden, der bei den Komischen Künsten kompetenter ist als Achim Frenz“, sagt der in München lebende Zeichner Rudi Hurzlmeier. Auch die einschlägigen Museen in Basel oder in Hannover seien „sehr autonom in ihrer Arbeit“. Die Stadt Frankfurt dürfe Frenz „nicht reinreden in die Leitung des Hauses“. 

„Einmalig in ganz Deutschland“

„Ich freue mich, dass in der Caricatura   in diesem würdigen Rahmen komische Kunst präsentiert wird – das ist nicht nur in Frankfurt einmalig, sondern in ganz Deutschland“, urteilt Bernd Eilert, der zur Neuen Frankfurter Schule der Karikatur zählt. Die Bedeutung des Hauses gehe weit über die Frankfurter Schule hinaus. Eine Eigenständigkeit des Museums müsse nicht mehr kosten, dafür aber eine bessere wirtschaftliche Kalkulation erlauben.

Eilert kritisierte, dass in der jüngsten Sitzung des Römer-Kulturausschusses Achim Frenz nicht erlaubt wurde, seine Position öffentlich darzulegen. Statt dessen kam nur Jan Gerchow, der Direktor des Historischen Museums, zu Wort, der dafür plädierte, die Caricatura als Abteilung seines Hauses zu belassen. „Redefreiheit“ müsse aber sein, so Eilert: „Ich finde es peinlich, wenn man die Meinung anderer nicht mehr erträgt.“

Pitt Knorr, ebenfalls Mitglied der Frankfurter Schule: „Das Caricatura-Museum ist einmalig in Deutschland – es verdient seine Selbstständigkeit, es verdient eine autonome Direktion.“ Die Caricatura genieße über Deutschland hinaus „ein Renommee wie Donnerhall“. Im Vergleich sei das Frankfurter Museum „sehr viel wirkungsvoller als die Häuser in Basel und Hannover“.

Kritik an Kulturdezernentin Hartwig 

Kulturdezernentin Hartwig lässt auch auf mehrfache Nachfrage ihre Haltung zur Zukunft der Caricatura offen. Sie verweist auf Direktor Gerchow.

Sebastian Popp, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Römer, nennt Hartwigs Verhalten in der jüngsten Ausschusssitzung „unmöglich“. Sie habe nur Gerchow zu Wort kommen lassen, Frenz dagegen habe sie nicht einmal begrüßt. Auch Unternehmer Claus Wisser, der im Kuratorium der Caricatura sitzt, spricht sich für eine Eigenständigkeit des Museums aus. „Frankfurt besitzt eine große Tradition der Karikaturen“, sagt der Multimillionär, der für etliche Kulturinstitutionen als Mäzen auftritt. Es sei deshalb „sehr angemessen, wenn das Museum eine Alleinstellung hätte“. 

Die Grünen im Römer wollen in ihrer Fraktionssitzung am morgigen Mittwoch einen Antrag beschließen, der die Eigenständigkeit der Caricatura als Museum fordert. Dabei lässt der kulturpolitische Sprecher Sebastian Popp das Argument von Museums-Direktor Jan Gerchow nicht gelten, ein eigenständiges Haus sei teurer. „Mit dem Argument des Geldes kann man jede kulturpolitische Debatte ersticken.“ Auch CDU und SPD als Partner in der Römer-Koalition hatten im Kulturausschuss für ein autonomes Haus Sympathien gezeigt.

Tatsächlich steht das Museum im zehnten Jahr seines Bestehens an einem Grenzweg. Es hat sich in der internationalen Kunstwelt eine bemerkenswerte Position erarbeitet. Leiter Frenz möchte die Sammlung des Hauses gerne erweitern. Doch tatsächlich ist sein Etat für Ausstellungen innerhalb der zurückliegenden Jahre geschrumpft – deshalb hatte er in der FR Alarm geschlagen. 

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