© Christoph Boeckheler, FR
Bernadette Weyland hatte am Tag des „Scherbengerichts“ schon einen anderen Termin.
CDU zur OB-Wahl
Frankfurt

Der rote Faden hat gefehlt

Von Claus-Jürgen Göpfert
13:40

Für die Frankfurter CDU ist es ein überfälliger Tag. Am Wochenende trifft man sich hinter verschlossenen Türen, um die bittere Niederlage bei der OB-Stichwahl am 11. März aufzuarbeiten. Gerade einmal 29,2 Prozent hatte die CDU-Kandidatin Bernadette Weyland erringen können.

„Deutlich mehr als 100 Mitglieder“ kommen zu diesem Scherbengericht zusammen. Nur eine fehlt: Bernadette Weyland. „Sie hatte einen anderen wichtigen Termin“, berichtet der CDU-Kreisvorsitzende Jan Schneider, lässt aber offen, um was es sich dabei gehandelt hat.

Aber auch ohne die Hauptperson lobt der CDU-Chef das Ergebnis. Verschiedene Ursachen habe man für das schlechte Ergebnis ausgemacht. „Bei vielen Rednern wurde bemängelt, dass elf Monate zu wenig Zeit gewesen seien, um eine Kandidatin bekanntzumachen.“

Die Kritiker spießen aber auch auf, dass „zum zweiten Mal in Folge“ die OB-Kandidatur der CDU von einer „Person aus Wiesbaden“, nämlich einem Mitglied der Landesregierung, gestellt worden sei.

Dem hessischen Innenminister Boris Rhein, der 2012 gegen Sozialdemokrat Peter Feldmann verlor, folgte Weyland, die Staatssekretärin im hessischen Finanzministerium gewesen war. Diese Konstellation habe dem politischen Gegner „zu viel Angriffsfläche“ geboten. Die CDU-Basis bemängelt weiter, dass die Vorschläge Weylands zu wenig wahrgenommen worden seien, dass es überhaupt „zu wenig Inhalte“ gegeben habe. Schneider selbstkritisch: „Uns hat der rote Faden gefehlt, die drei, vier Forderungen, die sich einprägten.“ Das habe die SPD mit dem Programm Feldmanns besser gemacht. Wie man ja überhaupt einen roten Faden eher bei den Sozialdemokraten vermuten würde.

Die nächste OB-Kandidatin, der nächste OB-Bewerber 2024 wird also ein originales Frankfurter Gewächs sein, ohne Verbindung zum Landeskabinett. Über den 37-jährigen Schneider, heute Bau- und Liegenschaftsdezernent im Magistrat, wird ja bereits trefflich spekuliert.

Für Bernadette Weyland hat die CDU in der Partei keine Auffangposition vorbereitet. „Wir freuen uns, wenn sie mal vorbeischaut“, sagt Schneider.

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