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Wer trägt künftig die Amtskette?
Frankfurt
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So viele OB-Kandidaten wie noch nie

Von Florian Leclerc
10:33

In letzter Minute ist das Feld der Bewerbungen für die OB-Wahl in Frankfurt auf eine Rekordzahl gewachsen. Als am Montagabend um 18 Uhr die Frist für die Kandidatur endete, gab es zwölf Personen, die Frankfurter Stadtoberhaupt werden wollen. Sie alle treten bei der OB-Wahl am 25. Februar an. Noch nie gab es so viele Kandidatinnen und Kandidaten.

Neu hinzu kam am Ende ein prominenter gebürtiger Chinese. Der 53-jährige Unternehmensberater Ming Yang steht für die wachsende Gemeinschaft der Chinesen in Frankfurt. Der in Sichuan geborene Wirtschaftswissenschaftler Ming Yang ist als Vize-Vorsitzender des Verbandes der Chinesen in Europa über Deutschland hinaus vernetzt. Wie das Wahlamt mitteilte, verfügt er über die Voraussetzung für eine Kandidatur, „die Staatsangehörigkeit eines EU-Landes“.

Auch die 43-jährige Architektin Juli Wünsch, die sich in der Bürgerinitiative Grüne Lunge am Günthersburgpark engagiert hat, tritt noch als parteilose Kandidatin an. Sie sieht die Natur in der Stadt durch zunehmende Bebauung bedroht.

Kurz vor Fristende um 18 Uhr ging am Montag beim städtischen Bürgeramt, Statistik und Wahlen eine letzte Bewerbung ein: Die promovierte Soziologin Felicia Herrschaft, seit zehn Jahren Dozentin an der Goethe-Universität, kandidiert. Sie ist unter anderem durch ihre Radiobeiträge einem größeren Publikum bekannt.

Zum ersten Mal seit der Einführung der Direktwahl des Stadtoberhaupts 1995 hat die Zahl der Wahlberechtigten die Marke von 500.000 erreicht.

Die Wähler können am 25. Februar entscheiden, wer Frankfurt von 2018 bis 2024 als Stadtoberhaupt repräsentieren soll. Falls im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erlangt, kommt es am 11. März 2018 zur Stichwahl.

Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) setzt vor der Wahl vor allem auf seinen hohen Bekanntheitsgrad und das zentrale Thema bezahlbarer Wohnraum. Im Fall der Wiederwahl stellt er in Aussicht, dass der Mietstopp beim städtischen Immobilienunternehmen ABG auf zehn Jahre verlängert und der Anteil an gefördertem Wohnen auf 50 Prozent erhöht werden soll. Jede dritte Wohnung, die in Frankfurt neu entsteht, soll im sogenannten Mittelstandsprogramm gefördert werden. Auch sollen die Fahrpreise im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) weiter sinken.

Eskandari-Grünberg: RMV-Preise senken

Die frühere Finanzstaatssekretärin Bernadette Weyland (CDU) sieht den fehlenden Wohnraum als nur eines von vielen drängenden Problemen an. Die 60-Jährige will das Sicherheitsempfinden der Bürger stärken, in dem etwa auf der Zeil weniger Obdachlose quartieren sollen und die Videoüberwachung gestärkt werden soll.

Für die Grünen geht die frühere Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg ins Rennen. Sie spricht sich dafür aus, im RMV nach dem Vorbild Wiens ein Jahresticket für 365 Euro einzuführen. Die Verdrängung von Obdachlosen und Drogenabhängigen hält sie für falsch – und fordert, den Frankfurter Weg der Hilfsangebote weiterzuentwickeln. Anders sieht es der unabhängige Kandidat Volker Stein, der gegen den Willen der FDP kandidiert. Ihm ist die Frankfurter Sicherheitspolitik zu lasch.

Für Die Linke tritt die Fraktionsvorsitzende im Landtag, Janine Wissler, an. 

Weitere Kandidaten sind: Spaßpolitiker Nico Wehnemann (Die Partei), Frisörsalonbetreiber Karsten Schloberg (unabhängig), Feuerwehrmann Michael Weingärtner (Freie Wähler), Lachtherapeut Hein Gottfried Fischer (unabhängig).

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