© Rolf Oeser, FR
OB-Kandidatin Felicia Herrschaft in ihrem Wahlkampf-Mantel.
Felicia Herrschaft
Frankfurt

Kandidatin Felicia Herrschaft: „Frankfurt als Stadt der Gärten entwickeln“

Von Christoph Manus
13:56

Zur Frankfurter Oberbürgermeisterwahl am 25. Februar treten sieben Männer und fünf Frauen an, so viele Kandidaten wie nie. Unter den Herausforderern von Peter Feldmann (SPD) ist Felicia Herrschaft. Zum Interview in der FR-Redaktion erscheint die Soziologin in ihrem Wahlkampfmantel.

Frau Herrschaft, warum wollen Sie Oberbürgermeisterin werden?
Ich kenne diese Stadt schon sehr lange. Ich schaue mir seit fast 50 Jahren an, wie sich Frankfurt, aber auch das Umland entwickelt. Ich will verhindern, dass Kulturlandschaften, die die Stadt prägen, zerstört werden, etwa die Frankfurter Galopprennbahn, die ich zum jüdischen Kulturerbe zähle.

Als unabhängige Kandidatin haben Sie per se keine guten Karten bei der Wahl. Was erhoffen Sie sich von Ihrer Kandidatur?
Ich beschäftige mich als Wissenschaftlerin unter anderem mit Demokratietheorien. Und ich arbeite experimentell. Ich habe in Soziologie genau über dieses Thema promoviert, über experimentelle Kunst, die Soziologie des Experiments.

Ist Ihre Kandidatur ein Experiment, experimentelle Kunst?
Nein. Aber ich möchte, dass die Stadt wie ein Laboratorium verstanden wird. Wir müssen die Stadt experimentell begreifen, um sie entwickeln zu können. Bis 1933 hat man in Frankfurt versucht, Frankfurt neu zu denken – und das auf eine soziale Weise. Das will ich wieder aufgreifen. Mir gefällt der Vorschlag des Architekten Karl Richter für einen neuen Stadtteil am Rebstock. Der geht in die richtige Richtung. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass die Politik in Frankfurt, wie sie bisher geführt wird, versteht, wie sich die Stadt entwickeln muss. Ich habe ein Modell, das dazu beitragen kann, dass wieder eine andere Atmosphäre entsteht, dass die Stadt solidarischer wird.

Was würden Sie denn konkret verändern wollen?
Ich will, dass man Frankfurt wieder ganzheitlich denken lernt. Dafür schlage ich runde Bänke vor, damit man sich im öffentlichen Raum aufhalten kann. Zum Beispiel am Main oder an der Nidda, wo es viel zu wenige Bänke gibt. Neben diesen runden Bänken, am besten aus recyceltem Material, müsste man nicht mehr die Wiesen mähen, sondern hat dort Wildwiesen und kann Frankfurt als Stadt der Gärten entwickeln. Damit entlastet man auch das Grünflächenamt. Ich denke ökologisch. Deshalb sollte man versuchen, den Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren, zum Beispiel jeweils eine Spur zur Fahrradstraße zu machen. Die Menschen sollten langsam ihre Autos aufgeben und die Stadt auf eine neue Weise erfahren.

Wie wollen Sie Wahlkampf machen? Sie werden versuchen müssen, bekannter zu werden.
Ich werde durch alle Stadtteile laufen in meinem Mantel und zeige damit die Schutzgöttin der Stadt Frankfurt: „Francofortia“, um mit den Menschen über mein Konzept der runden Bänke zu sprechen.

Interview: Christoph Manus

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