© Christoph Boeckheler, FR
Ming Yang vor dem Römer, in dem er gerne als Stadtoberhaupt regieren würde.
OB-Wahl in Frankfurt
Frankfurt

„Zeichen setzen gegen die AfD“

Von Claus-Jürgen Göpfert
11:22

Herr Yang, was hat Sie veranlasst, als gebürtiger Chinese als OB-Kandidat in Frankfurt anzutreten?
Ich möchte dieser Stadt etwas zurückgeben. Ich lebe seit mehr als 25 Jahren in Frankfurt. Und seit mehr als 30 Jahren in Deutschland. Anfang der 80er Jahre habe ich mein Landwirtschaftsstudium in der Volksrepublik China beendet und bin als einer der ersten Stipendiaten der Carl-Duisburg-Gesellschaft nach Deutschland gegangen.

Was wollten Sie werden?
Ich wollte Agraringenieur werden. In Bonn habe ich das Studium abgeschlossen. Seit 1992 lebe und arbeite ich in Frankfurt. Ich bin heute selbstständiger Berater für deutsche Familienunternehmen, die sich in der Volksrepublik China ansiedeln möchten und für mittelständische chinesische Firmen, die nach Deutschland gehen. Ich bin stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Chinesen in Europa.

Wie viele Landsleute sind das in Europa?
Etwa 3,5 bis vier Millionen Menschen. Das wichtigste Land ist England. Aber die chinesische Community in Deutschland und in Frankfurt wächst rasch.

Wie viele Chinesen leben in Frankfurt?
Etwa 12.000 bis 14.000 sind es in Hessen, in Frankfurt zwischen 5000 und 6000. Die Zahl nimmt stark zu gegenwärtig. Frankfurt ist für China und andere asiatische Länder immens wichtig. Da ist die zentrale Lage der Stadt von Bedeutung, aber auch das Finanz- und Wirtschaftszentrum.

Frankfurt ist in der Volksrepublik China durchaus bekannt.
Ja. Es gibt bereits heute rund 100 Flüge wöchentlich aus der Volksrepublik China nach Frankfurt. Viele chinesische Unternehmen investieren in der Stadt.

Warum kandidieren Sie als Oberbürgermeister?
Der Vorschlag kam von der chinesischen Community. Und auch viele Kolleginnen und Kollegen aus der Kommunalen Ausländervertretung, deren Mitglied ich bin, finden meine Kandidatur gut. Ich gehöre auch dem Landesausländerbeirat Hessen an. Ich möchte aber auch ein Zeichen setzen gegen die AfD. Die AfD ist eine Gefahr für die Demokratie. Viele Migrantinnen und Migranten sind verunsichert. Ich möchte mit der Kandidatur vor allem junge Wählerinnen und Wähler aufrufen, ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.

Ist es schwer, junge Menschen für ein politisches Engagement zu gewinnen?
Ja, es ist schwerer geworden. Viele sehen ihre Interessen nicht vertreten. Aber ich habe seit meiner Kandidatur sehr viel Unterstützung in Frankfurt erfahren. Ich mache viele kleine Veranstaltungen und gehe in Familien.

Erfahren Sie selbst Ausländerfeindlichkeit?
Früher habe ich das öfter erlebt. Und heute gibt es noch Probleme, denken Sie an die Diskussion um das vor allem für die Deutschafrikaner diskriminierende Wort „Mohr“, die wir von der KAV aus führen. Aber verglichen mit der Vergangenheit ist die Situation für die Migranten in Frankfurt besser geworden.

Sie sagten vorhin, Sie wollten Frankfurt etwas zurückgeben.
Ja. Ich habe sehr viele gute Erfahrungen in Frankfurt gemacht. Ich empfinde Dankbarkeit. Zu meinem Programm gehört die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen. Sie sind tief verbunden mit unserer Stadt und tragen soziale Verantwortung. Viele haben Probleme mit Arbeitskräften, Auszubildenden und Finanzierung. Auch „Berufe der Zukunft“ wie Erzieher, Krankenpfleger und Polizisten brauchen unsere Unterstützung.

Was sagen Sie zur Situation bei den Menschenrechten in der Volksrepublik China?
Ich bin selbst Mitglied einer nationalen Minderheit, ich gehöre zum Volk der Yi. Von den 1,4 Milliarden Menschen in China sind 92 Prozent Han-Chinesen. In China leben zusammen 56 Nationalitäten, Mongolen, Tibeter, Koreaner und viele andere. Vor 30 Jahren sind noch Menschen in China verhungert. Das Land war sehr unterentwickelt. Es gab sehr viele Analphabeten. Es hat seitdem sehr große Fortschritte gegeben.

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Aber was ist mit der Demokratie?
Die Rechte der Minderheiten sind in der Verfassung verankert. Unsere eigenen Sprachen und Schulen sind garantiert, es gibt garantierte Aufnahmequoten für die Universitäten. Die Infrastruktur entwickelt sich enorm, jedes Jahr gibt es 20 bis 30 Millionen Menschen mehr, die aus der Armut entkommen. Aber es gibt sicher noch Probleme.

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