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Der OB-Kandidat der SPD, Peter Feldmann, kann Menschen mobilisieren.
OB-Wahl
Frankfurt

Feldmanns rotes Frankfurt

Von Christoph Manus
15:10

Mit welch riesigem Abstand Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) die Wahl am Sonntag für sich entschieden hat, zeigt sich am Montag noch klarer. Nicht nur hat er erstaunliche 38.791 Stimmen mehr erhalten als seine stärkste Konkurrentin Bernadette Weyland (CDU). Bis auf die ländlich geprägten nördlichen Stadtteile Harheim und Nieder-Erlenbach und das Westend-Süd hat der Amtsinhaber nach Zahlen, die das Bürgeramt, Statistik und Wahlen aufbereitet hat, alle Frankfurter Stadtteile für sich entschieden.

In zwölf von diesen hatte er sogar die absolute Mehrheit. Besonders stark punktete er in den früheren Arbeiterstadtteilen im Osten und Westen der Stadt, also etwa im Riederwald, wo er mit 62,9 Prozent sein bestes Ergebnis erzielt, in Sindlingen, Fechenheim, Nied oder Griesheim. Und sogar in den 17 traditionellen CDU-Hochburgen lag Feldmann am Sonntag mit 40,4 Prozent fast fünf Prozentpunkte vor seiner Herausforderin.

Keinen Kandidaten ist es wie Feldmann gelungen, seine Wähler zu mobilisieren. Mehr als 90 Prozent der Frankfurter, die bei der Kommunalwahl 2016 ihr Kreuz bei der SPD machten, entschieden sich am Sonntag für ihn.

Weyland konnte nur zwei Drittel der CDU-Wähler gewinnen. Noch geringer war diese Quote bei Janine Wissler (Linke) und Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne). Für die frühere Integrationsdezernentin, die vergangene Woche bereits ihr Programm für die ersten 100 Tage im Amt präsentiert hatte, stimmten nur 43,5 Prozent der Frankfurter, die sich vor zwei Jahren für die Grünen entschieden hatten.

Feldmann gewann fast durchweg Wähler: Besonders profitierte er bei Frankfurtern, die bei der vergangenen Wahl eine der sonstigen Parteien, die Grünen, CDU oder nicht gewählt hatten. Viele CDU-Wähler gingen dagegen dieses Mal nicht zur Wahl oder entschieden sich statt für Weyland für Feldmann. Dass FDP-Wähler ihr Kreuz bei der früheren Staatssekretärin im Finanzministerium machten, kompensierte das nicht. Selbst in ihren Hochburgen kam Weyland denn auch nicht an die absolute Mehrheit heran. Noch am besten punktete sie in Westend-Süd, wo sie auf 42,6 Prozent kam. Miserabel schnitt sie dagegen nicht nur in der SPD-Hochburg Riederwald ab, wo sie noch hinter Wissler landete, sondern auch etwa im urbanen Stadtteil Nordend-Ost. Dort gaben ihr lediglich 16,8 Prozent der Wähler die Stimme. Auch in den westlichen Stadtteilen konnte die frühere Ortsvorsteherin nicht punkten. In Höchst kam sie sogar nur auf 19,9 Prozent.

Eskandari-Grünberg verlor außer an Feldmann viele Wähler an die Fraktionschefin der Linken im Landtag, Janine Wissler. Selbst in den 20 Wahlbezirken, in denen die Grünen traditionell besonders stark punkten, kam sie nur auf 15,7 Prozent. Und lag damit sogar knapp hinter Wissler, die dort auf 15,8 Punkte kam. Noch am stärksten schnitt Eskandari-Grünberg in den zentral gelegenen Stadtteilen Nordend, Bockenheim, Ostend, Sachsenhausen-Nord und Bornheim ab. Besonders schwach war sie in den etwas abgelegenen Stadtteilen im Osten und Westen der Stadt, also dort, wo Feldmann besonders erfolgreich war. In Sindlingen machten gerade einmal drei Prozent der Wähler ihr Kreuz bei der Grünen.

Wissler schnitt am Sonntag in allen Stadtteilen deutlich besser ab als vor sechs Jahren, als sie noch auf nur 3,8 Prozent gekommen war. Besonders kräftig punktete sie in Rödelheim, wo sie mit 14,2 Prozent ihr zusammen mit Nordend-Ost bestes Ergebnis erzielte, und in den zentralen Stadtteilen. Klar überdurchschnittlich Erfolg hatte sie etwa im Gutleut-/Bahnhofsviertel, in Bockenheim, Bornheim und der Innenstadt. Sehr gut kam sie zudem im Riederwald an.

Chancen auf eine Stichwahl hatte sich Volker Stein ausgerechnet, der ohne Unterstützung seiner Partei, der FDP, als unabhängiger Kandidat antrat. Selbst in den Stadtteilen, wo er am besten abschnitt, war er davon sehr weit entfernt. In Bergen-Enkheim und der Altstadt kam er auf jeweils 8,3 Prozent, in Nieder-Eschbach und Harheim auf 8,2 Prozent. Besonders schwach schnitt er dagegen in Nordend-Ost ab, wo ihm 3,4 Prozent der Wähler ihre Stimme gaben.

Die anderen sieben Kandidaten spielen eine noch geringere Rolle. Allesamt kamen sie in keinem einzigen Stadtteil über drei Prozent. Kleine Erfolge verbuchten Michael Weingärtner, der Kandidat der Freien Wähler, mit 2,9 Prozent der Stimmen in Nieder-Eschbach, und Nico Wehnemann, OB-Bewerber der Spaßpartei „Die Partei“, mit 2,1 Prozent im Gutleut-Bahnhofsviertel. Der unabhängige Kandidat Karsten Schloberg kam in Höchst auf 2,1 Prozent.

Die Wahlbeteiligung war erneut sehr schwach. In Griesheim, der Innenstadt und Fechenheim gab nicht einmal jeder vierte Wahlberechtigte seine Stimme ab. In Harheim gingen immerhin 52 Prozent zur Wahl.

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