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Gerade noch beim Hausputz, da steht OB Feldmann mit Rosen vor der Haustür.
OB Wahl Frankfurt
Frankfurt

Peter Feldmann und Bernadette Weyland auf Wahlkampftour

Von Kathrin Rosendorff
08:46

Ich wähle Frau Weyland wegen Mutti“, sagt ein Herr. Er meint Angela Merkel. „Frau Weyland ist wie Frau Merkel auch in der CDU, und das gibt mir einfach ein gutes Gefühl.“ Seit 1979 lebt der gebürtige Inder mit seiner Familie in Deutschland. Seitdem wählt er, egal ob auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene, immer CDU. Er schüttelt der OB-Kandidatin, die am Stand vorbeigekommen ist, dann auch gleich herzlich die Hand und wünscht ihr viel Glück. Für die Stichwahl am nächsten Sonntag (11. März), bei der die CDU-Kandidatin gegen den amtierenden Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) antritt.

Aus ganz unterschiedlichen Gründen machen die Leute beim Bernadette-Weyland-Stand am Bornheimer Fünffingerplätzchen am recht kalten Samstagmittag Halt: „Der Kuli ist gut“, sagt ein Herr. In der gleichen Farbe – knallorange- ist im Geschenke-Angebot ein Fahrradsattel- Schutz mit dem Spruch: „Bobbes hoch - Weyland wählen #OBernadette“. Auf der Taschentücher-Packung ist gleich ein Foto der CDU-Kandidatin drauf, und sogar Gummibärchen-Packungen mit ihrem Gesicht verziert gibt es als Geschenk für potenzielle Wähler. Die meisten wollen aber nicht mit Namen in die Zeitung, schließlich sei die Wahl ja auch geheim. Aber ihre Meinung sagen die Weyland-Wähler doch gerne. Eine ältere Dame betont: „2012 habe ich noch Feldmann gewählt, aber sein ewiges Grinsen ist die Hölle. Außerdem hat er doch nicht viel bewegt. Deshalb Weyland.“

Überhaupt sind an diesem Tag einige Passanten, wie sie sagen, „Pro-Weyland“, weil sie „Anti-Feldmann“ seien. Ein Mittzwanziger mit bunter Bommelmütze sagt: „Feldmann ist zu farblos, die Sprüche auf den Wahlplakaten zu platt. Über Frau Weyland weiß ich nun nicht so viel, aber schlechter als Feldmann wird sie den Job als OB auch nicht machen.“

Eine Anfang-Vierzigjährige sagt: „Auch Frauen sollen mal eine Chance bekommen. Frau Roth hat das auch gut gemacht, und im Gegensatz zu Männern reden Frauen nicht nur rum, sondern machen auch etwas.“

Mit ihrem orangefarbenen #OB-Bernadette-Logo-Auto und OB-Bernadette-Seidenschal ist die 59-jährige Weyland unterwegs, ihrem Standteam ruft sie zu: „Wir müssen nochmal ran.“ Fünf Stunden nachts schlafe sie zur Zeit, erzählt sie. „Aber als Mutter von vier Kindern bin ich das gewohnt, und ich brauche auch nicht mehr.“ Gerade jetzt sei sie besonders motiviert, wo sie nur noch zu zweit um den OB-Posten kämpften: „Der Anfang mit elf anderen Bewerbern war nicht einfach, jetzt aber gebe ich erst recht Gas und bin deshalb viel auf der Gasse unterwegs.“ Vor eine Woche hatte sie 25 Prozent der Stimmen, jetzt glaubt sie an mehr.

Sie kämpfe dabei nicht nur um den OB-Posten, sondern dafür, dass die Leute nach der so schlechten Wahlbeteiligung von nur 37,5 Prozent überhaupt wählen gingen. „Das hat mich schwer zum Nachdenken gebracht, dass man nicht mal zur kommunalen Wahl geht, dass es einen nicht mal interessiert, wenn es um den Zebrastreifen vor der eigenen Haustür geht.“ Deshalb wolle sie Präsenz zeigen.

Eine junge Mutter ist eine der wenigen, die inhaltliche Fragen haben. „Mein Kind braucht in vier Jahren einen Hortplatz, kriegen Sie das hin?“ Frau Weyland sagt: „Da muss man gleich ran.“ Zwischendrin öffnet sie für den kleinen Sohn der Frau die Gummibärchen-Packung mit ihrem Konterfei drauf. Aber nicht alle wollen mit Frau Weyland reden, noch nicht mal einen Kuli oder Gummibärchen von ihr. „Nicht mit Frau Weyland“, ruft ein Herr. Ein französischer Vater ist da ganz anderer Meinung. Seinem Kind sagt er: „Schau mal, da ist die zukünftige OB.“

Derweil ist der jetzige OB Peter Feldmann im Westen Frankfurts, in Sossenheim in einer Hochhaussiedlung, unterwegs: „Ei gude wie?“, rufen ihm zwei junge Männer aus ihrem Auto kumpelhaft zu, als Feldmann an ihnen vorbeigeht. Feldmann lacht, geht auf sie zu und schüttelt ihnen die Hand. „Ich werde Sie auf jeden Fall wählen“, sagt einer der jungen Männer. In der Otto-Brenner-Siedlung ist Feldmann oft unterwegs. „Er kommt, auch wenn keine Wahlen sind. Und er hat viel für uns gemacht“, betont Sybille Genzmehr, Vorsitzende des Mieterbeiratbundes der Otto-Brenner-Siedlung. Sie begleitet Feldmann an diesem Tag auch, als er von Haus zu Haus an den Türen klingelt. Feldmann habe sie und die anderen Mieter im Jahr 2012 schon unterstützt und mitgeholfen, dass die Landesregierung die Wohnungen der Nassauischen Heimstätte nicht an private Investoren verkaufte.

„Mir tut das gut, hier regelmäßig herzukommen. Das gibt mir Bodenhaftung. Ich will mich nämlich nicht nur im Raumschiff Römer aufhalten“, sagt Feldmann. Und weil er nicht nur reinen Wahlkampf machen wolle, unterstütze er Genzmehr, als er von Tür zu Tür geht, auch bei der Unterschriftenaktion „Mietstopp auch bei Nassauischen Heimstätte“.

„Hier leben 20 Nationen und viele soziale schwache Familien“, erzählt Genzmehr. „Ich habe das Gefühl, dass Frau Weyland sich nicht so sehr für die interessiert, die nicht so viel haben. Feldmann ist näher an uns dran, er spricht uns aus dem Herzen“, sagt sie. An einem der vielen Hochhäuser ist „Fuck Life“ mit Filzstift geschrieben. Feldmann geht mit seinem Arm voller Rosen von Haustür zu Haustür. „Man darf sich nicht zu sicher sein. Ich muss bis auf den letzten Meter alles geben. Es ist einfach auch sehr wichtig, dass die Leute zur Wahl gehen.“

46 Prozent hatten für ihn Ende Februar gestimmt. Sein erster Satz an der Haustür ist immer: „Guten Tag, ich bin Peter Feldmann, bitte gehen Sie am Sonntag wählen.“

Die Bewohner begrüßen ihn überrascht: Eine Dame öffnet ihm im Bademantel, das ist ihr schon etwas peinlich, aber sie freut sich über die Rose. Eine andere Mieterin riecht ganz verzückt an der Rose. „Ganz toll, dass er zu uns kommt.“ Eine andere unterbricht er gerade beim Hausputz, aber auch sie beginnt einen Smalltalk: „Sie haben eine türkische Ehefrau? Das finde ich gut.“ Keine der Frauen lässt die Rose mehr los, auch nicht, als sie für den Mietstopp unterschreiben. Eine ältere Dame, die selbst nicht wählen darf, sagt: „Machen Sie, dass es uns gutgeht!“

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