© Rolf Oeser, FR
Im Rampenlicht stehen eher Kandidaten der großen Parteien.
OB-Wahl in Frankfurt
Frankfurt

Außenseiter-Kandidaten der OB-Wahl sehr enttäuscht

Von Sandra Busch
14:22

Es war nicht sein erster Versuch, Oberhaupt einer Stadt zu werden. Hein Fischer, Rentner aus Gangelt bei Aachen, hat es jedoch auch in Frankfurt nicht geschafft. Als unabhängiger OB-Kandidat war er angetreten – und gegen sieben Uhr packt er seinen Trolley und schiebt ihn im Römer Richtung Ausgang. Zum Bahnhof will er, den Flixbus in die Heimat nehmen. Denn im Römer bleiben, „wird ja nicht viel ändern“, sagt Fischer. Viel mehr als die 0,1 Prozent würden wohl nicht zusammenkommen.

Er hatte eigentlich mit mehr gerechnet. Doch „die sogenannten Außenseiter wurden sehr ungerecht und unfair behandelt“, sagt er. Über die stärksten vier Kandidaten wie unter anderem Peter Feldmann (SPD) und Bernadette Weyland (CDU) sei sehr positiv berichtet worden. „Über den Rest eher negativ“, beschwert er sich. Fischer ist nun enttäuscht und will direkt zum Bahnhof fahren, obwohl der Bus erst um halb elf fährt. „Lieber dort noch etwas lesen“, sagt er.

Felicia Herrschaft will Neuwahlen

Unterkriegen lassen will er sich aber nicht. In zwei Jahren sei in seinem Heimatkreis wieder Wahl. Da will er antreten, da „bin ich respektiert und beliebt“. Und die Chance sei dort wesentlich größer zu gewinnen.

Auch der unabhängige OB-Kandidat Karsten Schloberg ist enttäuscht. „Ich hab eigentlich schon gedacht, dass ich Oberbürgermeister werde.“ Deshalb sei er mit dem Ergebnis nun natürlich nicht zufrieden, doch es sei eine demokratische Entscheidung, die zu akzeptieren sei. Woran es gelegen hat, kann er noch nicht sagen. „Schnelle Erklärungsversuche werde ich nicht abgeben“, sagt Schloberg. Er werde nun in Ruhe überdenken, was er aus der OB-Kandidatur für Erkenntnisse ziehen.

Michael Weingärtner, OB-Kandidat der Freien Wähler, zeigt sich mit seinem Ergebnis „absolut zufrieden“. Kamen die Freien Wähler bei der Kommunalwahl vor zwei Jahren auf 0,6 Prozent, holte er nun 1,5 Prozent. Und das als „absoluter Neuling, der nicht in der Stadtpolitik aktiv ist und einen Low-Budget-Wahlkampf geführt hat“. Er wünsche sich nun „vom vermutlichen Gewinner Peter Feldmann, dass er aus seinem Dornröschenschlaf herauskommt“, sagt Weingärtner. Viele Themen wie Schul- und Wohnungspolitik seien im Wahlkampf aus dem Keller geholt worden, da müsse nun drangeblieben werden.

 

Die unabhängige Kandidatin Felicia Herrschaft hatte „eigentlich damit gerechnet, zur Oberbürgermeisterin gewählt zu werden“. Sie landete bei 0,2 Prozent der Wählerstimmen. Nun möchte sie die Wahl anfechten. „Viele Rumänen, Bulgaren, Polen haben keine Wahlbenachrichtigung bekommen“, begründet sie ihren Vorstoß. Zudem sei die Stadt ihrer Informationspflicht nicht nachgekommen, habe die Wahlinformationen nicht in andere Sprachen übersetzt. „So läuft das nicht“, sagt Herrschaft. Da sei etwas schiefgegangen, Rechte seien verletzt worden. „Ich will Neuwahlen.“

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