© Renate Hoyer, FR
Bernadette Weyland verliert die Stichwahl mit deutlichem Abstand.
OB-Wahl in Frankfurt
Frankfurt

Die CDU ist enttäuscht

Von Florian Leclerc
21:18

Als Bernadette Weyland, die Verliererin des Wahlabends, das Rathaus Römer am Sonntagabend betritt, wird sie sogleich von einer Menschentraube umringt. Kameralicht leuchtet, es wird hektisch, es wird geschubst.

„Eine Niederlage ist immer etwas, das man auch persönlich nehmen muss“, sagt Weyland. Die Spitzenkandidatin der Frankfurter CDU hat die Stichwahl gegen Peter Feldmann klar verloren: Sie erhielt laut vorläufigem Ergebnis des Wahlamts 29,2 Prozent der Stimmen.

Weyland bedauert die niedrige Wahlbeteiligung von 30,2 Prozent, sie dankt den Bürgern für ihre Stimme. Dann sagt sie, dass es nicht an Unterstützung aus ihrer Partei gefehlt habe und geht mit den Medien hart ins Gericht. „Die Presse war nicht gerade freundlich zu mir.“

Während Weyland mit den Journalisten spricht, steht die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth in der Nähe. Ihre Augen glänzen. Roth hat Frankfurt 17 Jahre lang als Stadtoberhaupt regiert und repräsentiert. Eigentlich will sie nichts sagen, sagt dann aber doch: „Ja, ich bin enttäuscht.“ Wer eine Wahl verliere, so wie Weyland heute, müsse danach wieder aufstehen, sagt sie ermutigend.

Felix Semmelroth, der frühere Kulturdezernent, wählt deutliche Worte, um den Wahlausgang zu beschreiben: „Ich bin hart getroffen, aber übermäßig überrascht bin ich nicht.“ Die Frankfurter CDU hätte Weyland im Wahlkampf entschiedener unterstützen und ihren Bekanntheitsgrad steigern müssen. „Das hätte massiv uns allen gegolten“, sagt er.

Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld meint, es wäre möglicherweise leichter für Weyland gewesen, aus dem Amt der Stadtverordnetenvorsteherin heraus zu kandidieren. Dann hätte sie ihre Bekanntheit vielleicht besser nutzen können. Gegen den „Amtsbonus“ von Feldmann anzukommen, sei „sehr, sehr schwer“.

Weyland nimmt erst einmal eine Auszeit

Jan Schneider, Baudezernent und Vorsitzender der Frankfurter CDU, steht, während Weyland ein Interview nach dem anderen gibt, an ihrer Seite. Das Ergebnis sei „sehr deutlich“, sagt er. Feldmann habe die Möglichkeiten seines Amtes sehr gut genutzt. „Wir müssen das Wählervotum akzeptieren.“ Dann gratuliert er dem Wahlsieger und Magistratskollegen Feldmann.

Auch Stadtkämmerer Uwe Becker, der bis 2017 eine eigene Kandidatur erwogen hatte, sagt, Feldmann habe „die Potenziale aus dem Amt heraus gut bedienen können“. Auf die Frage, ob er sich selbst mehr Chancen ausgerechnet hätte, sagt er nur: „Wir leben nicht im Konjunktiv.“

Unterdessen stehen weniger Journalisten um Weyland herum, die inzwischen offener spricht. Auf die Frage, was sie nun vorhabe, sagt sie, sie wolle sich nach fast einem Jahr Wahlkampf eine kleine Auszeit gönnen. „Aus der CDU austreten werde ich aber nicht.“

Sie bedauert, dass die Inhalte, die sie zu setzen versucht habe, beim Wähler nicht so angekommen seien. Als Beispiel nennt sie ihr Video beim Besuch der TG Bornheim. Das hatte im Internet für Spott gesorgt, weil Weyland im Kostüm, ihre Unterstützer im Anzug auf dem Stepper trainiert hatten. „Das Video sollte lustig sein“, sagt sie.

Auch habe es „Fake News“ über sie gegeben. Sie nennt als Beispiel die Debatte über ihre Altersversorgung, die sie aus ihrer Zeit als Finanzstaatssekretärin rechtmäßig bekomme. Beim einstweiligen Ruhestand sei alles mit rechten Dingen zugegangen.

Was sie nun vorhabe, wird sie gefragt. Zu Hause warte ihre Familie auf sie. Die Freundin ihrer Tochter habe einen Hund mitgebracht, einen „Labi“, also einen Labrador. Mit dem will sie nun Zeit verbringen.

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