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Nargess Eskandari-Grünberg hatte sich viel mehr erhofft.
OB-Wahl in Frankfurt
Frankfurt

Grüne räumen Niederlage ein

Von Georg Leppert
12:05

Es war ehrliche Enttäuschung, die am Sonntagabend bei den Grünen vorherrschte. Keine Schönrederei, kein Relativieren. „Ich hatte mir deutlich mehr erhofft“, sagte OB-Kandidatin Nargess Eskandari-Grünberg, die am Ende knapp über neun Prozent kam. Dabei hatte sie immer als ihr Ziel ausgegeben, die Stichwahl zu erreichen. Das hatten ihr zwar nur die allergrünsten Optimisten zugetraut. Doch die 14 Prozent, die Rosemarie Heilig vor sechs Jahren geholt hatte, hätten es schon werden sollen.

Es sei einfach schwer, gegen einen Amtsinhaber anzutreten, noch dazu gegen Peter Feldmann (SPD), der im Amt permanent Wahlkampf betrieben habe. Und auch als die letzten Stimmen ausgezählt waren, zeigte sich Eskandari-Grünberg unversöhnlich gegenüber dem Oberbürgermeister. Feldmann biete keine Inhalte, „er schüttelt vor allem viele Hände“. Das sei bei den Wählerinnen und Wählern offenbar angekommen, sagte die 53-Jährige noch. Dann umarmte sie die CDU-Kandidatin Bernadette Weyland. „Du hast einen tollen Wahlkampf gemacht“, rief Weyland der Grünen zu.

Doch auf einen Wahlaufruf für Weyland wollte sich von den Grünen niemand festlegen. Vor sechs Jahren hatten führende Parteimitglieder für Boris Rhein (CDU) geworben. Weite Teile der Basis waren darüber empört. Nun sollen sich Weyland und Feldmann bei einer Mitgliederversammlung am Mittwochabend vorstellen und für sich werben. Danach könnte eine Wahlempfehlung folgen, wobei Parteichef Bastian Bergerhoff schon sagte: „Unsere Mitglieder sind mündig genug, selbst zu entscheiden, wen sie wählen.“

Bergerhoffs Co-Chefin Beatrix Baumann sah einen weiteren Grund für das schwache Abschneiden der Kandidatin in der Regierungsbeteiligung der Grünen. Zwar habe an den Info-Ständen immer gute Stimmung geherrscht, aber es sei auch oft um die Frage gegangen, warum die Grünen als Teil der Koalition die Vorschläge von Eskandari-Grünberg nicht einfach umsetzen.

Die aktuelle Kandidatin habe es in jedem Fall schwerer gehabt als sie selbst, sagte Rosemarie Heilig. 2012 sei eben kein Amtsinhaber angetreten. Ähnlich sah das Fraktionschef Manuel Stock. Feldmann sei es gelungen, „alle Erfolge der jetzigen Koalition und der davor amtierenden schwarz-grünen Koalition für sich zu verbuchen“, sagte er – und wirkte nicht, als wolle er dem Oberbürgermeister zu dieser Leistung gratulieren.

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