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Janine Wissler (Linke) ist am Wahlabend bester Laune.
OB-Wahl in Frankfurt
Frankfurt

Janine Wissler sehr zufrieden

Von Christoph Manus
10:25

Als Janine Wissler kurz nach 19 Uhr die Römerhallen betritt, fehlen ihr ausnahmsweise kurz die Worte. „Toll“ sagt die OB-Kandidatin der Linken, die im Wahlkampf oft ihr rhetorisches Talent bewies, zunächst nur. Und dann: „Wenn es so bleibt, bin ich sehr zufrieden.“

Um die neun Prozent liegt die Fraktionschefin ihrer Partei im hessischen Landtag zu diesem Zeitpunkt, Kopf an Kopf mit Nargess Eskandari-Grünberg, der Kandidatin der Grünen. „Ich habe nicht gedacht, dass ich um den dritten Platz kämpfe“, sagt Wissler und strahlt. Nicht viel später steht fest: Die Kreisvorsitzende der Linken hat mehr als doppelt so viel Prozentpunkte geholt als bei ihrer ersten Kandidatur vor sechs Jahren.

Keinen Hehl macht die 36-Jährige auch daraus, wie froh sie ist, dass Volker Stein „so abgeschmiert ist“. Immer wieder hat sie dem unabhängigen Kandidaten mit FDP-Parteibuch vorgeworfen, Ressentiments zu schüren und Konflikte zu ethnisieren. Offenbar sei es ihr gelungen zu zeigen, dass es eine Alternative zur Stadtpolitik gebe, sagt sie. „Ich freue mich, dass sich der Unmut in Frankfurt nicht nach rechts, sondern nach links kanalisiert hat.“

Auch Axel Gerntke, der mit Wissler den Kreisverband der Linken führt, ist früh bester Laune. „Das ist mehr, als wir erwartet haben“, sagt er. „Damit können wir super leben.“ Schon vor der Wahl sei vielen klar gewesen, dass es für Wissler nicht für die Stichwahl reichen werde. Von dem guten Abschneiden Wisslers erhofft sich Gerntke ein Signal über Frankfurt hinaus. „Das ist ganz klar Rückenwind für die Landtagswahl“, sagt er.

„Grandios“ nennt Ayse Dalhoff, Stadtverordnete der Linken im Römer, Wisslers Ergebnis. „Sie hat sich super durchgeboxt.“ Sie sei sich aber sehr sicher gewesen, dass es für ihre OB-Kandidatin „ein guter Platz wird“. Fraktionschefin Dominike Pauli stellt heraus, dass man einen sehr guten Wahlkampf gemacht habe.

Der Landtagsabgeordnete Ulrich Wilken ist da bereits bei der Analyse angelangt. „Nach meiner Wahrnehmung ging es um eine Alternative zu dem, was die Leute bundespolitisch aufregt“, sagt er. Klar sei bei den Gesprächen, die er in den vergangenen Wochen geführt habe, auch die Wohnungspolitik, die ein Schwerpunkt von Wisslers Wahlkampf war, immer wieder ein Thema gewesen. Noch stärker aber sei als Grundstimmung zu spüren gewesen: „Wir brauchen einen Aufbruch.“

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