© Christoph Boeckheler, FR
Noch zwei Wochen weiterlächeln!
OB-Wahl in Frankfurt
Frankfurt

Peter Feldmann umwirbt Grüne

Von Claus-Jürgen Göpfert, Christoph Manus
18:54

Nur wenige Stunden nach dem ersten Wahlgang haben OB Peter Feldmann (SPD) und seine Herausforderin Bernadette Weyland (CDU) den Kampf für die Stichwahl am 11. März aufgenommen. Noch in der Nacht zum Montag klebten Helfer der beiden großen Parteien zahlreiche Plakate insbesondere in der City.

Feldmann ruft auf einem Plakat dazu auf, ökologisch zu handeln und umwirbt so gezielt die Grünen. Im Interview mit der FR bekannte sich Feldmann zu ökologischen Errungenschaften wie dem Grüngürtel und Niedrigenergiehäusern. Es gebe nicht nur den Sozialpolitiker Feldmann, sagte er. Auch für die Mitglieder der Linken fand der Sozialdemokrat freundliche Worte: Viele von ihnen seien „sehr ehrenwerte und anständige Leute“.

Bei den Grünen, deren Kandidatin Nargess Eskandari-Grünberg mit 9,3 Prozent der Stimmen sehr schlecht abgeschnitten hatte, brach ein Konflikt um das weitere Vorgehen auf. Grünen-Ikone Daniel Cohn-Bendit rief im Gespräch mit der FR zur Wahl des sozialdemokratischen Oberbürgermeisters auf. „Peter Feldmann hat seine Sache gut gemacht und er vertritt einen sozialen Ansatz – Grüne und Linke sollten nicht fünf Minuten überlegen, ihm ihre Stimme zu geben“, sagte Cohn-Bendit.

Bastian Bergerhoff, Sprecher des Grünen-Kreisvorstandes, positionierte sich gegen Cohn-Bendit. „Ich bin grundsätzlich sehr skeptisch gegenüber Wahlempfehlungen – ich halte nichts davon, den Wählerinnen und Wählern etwas vorzuschreiben.“ Auch Manuel Stock, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer, sagte der FR: „Empfehlungen, das haben wir gelernt, sind nicht das, was Grüne haben wollen.“ Stock hatte sich vor der OB-Stichwahl 2012 für den CDU-Kandidaten Boris Rhein ausgesprochen – doch die Grünen-Basis hatte mehrheitlich damals dennoch Feldmann gewählt.

Bei den Linken wollte sich die OB-Kandidatin am Montag noch nicht festlegen. Janine Wissler wollte zunächst das Ergebnis einer für Montagabend angesetzten Kreismitgliederversammlung abwarten. Sie selbst werde aber vermutlich für eine Empfehlung zugunsten Feldmanns plädieren.

Volker Stein, der als unabhängiger Kandidat angetreten war, obwohl er Mitglied der FDP ist, sagte, er werde bei der Stichwahl aus Mangel an Alternativen Feldmann wählen. Bernadette Weyland könne er nicht unterstützen, weil sie „weder Charakter noch Professionalität besitzt“, sagte Volker Stein am Montag.

Der SPD-Unterbezirksvorsitzende Mike Josef sagte, seine Partei werde sich in der Endphase des OB-Wahlkampfs „auf unsere eigene Stärke“ verlassen. Es werde keine Prominenten der SPD-Bundesspitze zur Unterstützung des OB geben.

Feldmann hatte den ersten Wahlgang mit riesiger Mehrheit für sich entschieden, erhielt fast 39 000 Stimmen mehr als Weyland, lag bis auf Harheim, Nieder-Erlenbach und Westend-Süd in allen Stadtteilen vorne. So gut wie keinem anderen Kandidaten gelang es dem Sozialdemokraten nach ersten Analysen der städtischen Statistiker sein Wählerpotenzial auszuschöpfen. Weyland dagegen lag im Schnitt selbst in den CDU-Hochburgen hinter Feldmann. Auch Eskandari-Grünberg verlor viele Stimmen an Feldmann. Selbst in ihren Hochburgen schnitt sie deutlich schwächer ab, als zu erwarten war. In diesen landete sie sogar hinter der Kandidatin der Linken, Janine Wissler. Diese konnte im Vergleich zur OB-Wahl davor im Jahr 2012 in allen Stadtteilen deutlich zulegen, punktete etwa in Rödelheim und in Nordend-Ost.

Für große Verwirrung hatten am Sonntag die zunächst genannten Zahlen zur Wahlbeteiligung gesorgt. Erst sah es aus, als sei ein Rekordergebnis möglich. Später kam heraus, dass die Beteiligung genauso schwach war wie vor sechs Jahren. Dass die Schätzung so eklatant vom Ergebnis abwich, lag, wie erst am Montag bekannt wurde, an einem peinlichen Fehler. Die Statistiker hatten statt der Zahl der Wahlberechtigten bei der Oberbürgermeisterwahl, die viel kleinere von der Bundestagswahl im Herbst als Bezugsgröße genommen. Reformdezernent Jan Schneider (CDU) nannte das am Morgen sehr ärgerlich.

Lesen Sie weitere Berichte aus Frankfurt am Main   Zur Startseite