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Am Sonntagabend wissen wir mehr.
OB-Wahl in Frankfurt
Frankfurt

Scharfe Töne vor der Wahl

Von Georg Leppert
08:33

Lange Zeit verlief der Wahlkampf in Frankfurt eher schleppend. Doch nachdem die Auseinandersetzung zwischen den OB-Kandidaten Bernadette Weyland (CDU) und Peter Feldmann (SPD) bereits in den vergangenen Tagen an Schärfe gewonnen hatte, ging es nun noch einmal richtig rund. In den sozialen Netzwerken ließen die Anhänger der Herausforderin und des Amtsinhabers kein gutes Haar aneinander – und die CDU regte sich über die Arbeiterwohlfahrt auf.

Im Mittelpunkt der Debatten auf Facebook und Twitter stand die Frage, wer die beiden letzten öffentlichen Diskussionen zwischen Weyland und Feldmann gewonnen hatte: am Mittwochabend bei der Frankfurter Rundschau und am Donnerstag im Hessen-Fernsehen. Diskutiert wurde vor allem über Weylands Äußerungen zu Daniel Cohn-Bendit (Grüne). Bei der FR hatte Weyland gesagt, sie sei froh, von ihm keine Unterstützung zu bekommen, da Cohn-Bendit in einem Buch von 1975 pädosexuelle Fantasien ausgebreitet habe.

Auch im Nachgang der Debatte beim Hessen-Fernsehen ging es vor allem um eine Äußerung Weylands. Nachdem Feldmann seine Kontrahentin mit „Frau Weyland“ angesprochen hatte, war sie ihm ins Wort gefallen und hatte darum gebeten, „Frau Doktor Weyland“ genannt zu werden.

Unterdessen hat die CDU-Fraktion im Römer die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt kritisiert.

Hintergrund ist ein Wahlaufruf des Kreisverbands für „unser AWO-Mitglied Peter Feldmann“. Eine solche Empfehlung sei „plump und außerdem von vorgestern“, sagte Fraktionschef Michael zu Löwenstein: „Schließlich rufen die Pfarrer auch nicht mehr von der Kanzel dazu auf, die CDU zu wählen.“

Weyland und Feldmann werden heute und morgen noch einmal massiv Wahlkampf machen. Die CDU-Kandidatin wird das ganze Wochenende an Infoständen unterwegs sein. Am Freitag hatte sie mit dem designierten Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) für den „digitalen Wirtschaftsstandort Frankfurt“ geworben. 

Peter Feldmann wird am Wochenende zahlreiche Termine wahrnehmen – etwa die Senckenberg-Night, die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehren und einen Karatewettkampf. Am Freitag setzte er seine Hausbesuche fort. Diesmal war der Oberbürgermeister in Sindlingen unterwegs. Entspannt zeigte sich Hans-Joachim Grochocki, der Leiter des Wahlamts. Zwar gingen bei der FR und anderen Medien auch am Freitag noch Beschwerden von Menschen ein, die angaben, sie hätten die angeforderten Briefwahlunterlagen noch nicht erhalten.

Doch zumindest beim Wahlamt hielten sich die Klagen über Zustellschwierigkeiten im Rahmen, „wobei wir keine Strichliste führen“, wie Grochocki sagte. Er verwies darauf, dass die Unterlagen heute und morgen beim Bürgeramt auf der Zeil persönlich abgeholt werden könnten.

Beendet ist derweil die Auktion um die Wahlempfehlung der Satirepartei „Die Partei“. OB-Kandidat Nico Wehnemann, im ersten Wahlgang mit 1,1 Prozent ausgeschieden, hatte seinen Wahlaufruf meistbietend versteigert. Den Zuschlag bekam Thomas Bäppler-Wolf, bekannt als Theatermacher Bäppi La Belle. Er zahlte knapp 300 Euro. Das Geld spendet Wehnemann an den Verein „Frauenrecht ist Menschenrecht“. Wenig überraschend entschied sich Bäppler-Wolf dafür, dass „Die Partei“ für Feldmann aufrufen soll – sitzt er doch für die SPD im Stadtparlament.

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