Wahlprogramm
Frankfurt

Nicht nach unten treten

Von Florian Leclerc
20:34

Am Brockhaus-Brunnen auf der Zeil machen sich die Punks einen Spaß daraus, die Bürger zu ärgern. Am Brunnen, der auch Punkerbrunnen heißt, sammeln sie in Bechern Geld für „Bier, Hanf, LSD und die Weltherrschaft“. Manchmal auch für Hundefutter. Eine Bürgerin scheint das mächtig aufzuregen.

Getrieben von Rechtsaußen Volker Stein will OB-Kandidatin Bernadette Weyland die Punks und Bettler von der Zeil verscheuchen. Bürger sollen shoppen gehen, ohne Armut vor den Augen zu haben. Bislang greift die Stadtpolizei bei aggressivem Betteln ein. Geht es nach Weyland, erteilt die Stadtpolizei bald Platzverweise, wenn Künstler wie der „Scherenschnittmann“ auf der Zeil zu lange sitzen oder liegen.

In Frankfurt kann sich längst nicht jeder Mensch eine Wohnung leisten. Im Durchschnitt kostet ein Quadratmeter 13,70 Euro Miete. Ein Quadratmeter für eine Eigentumswohnung kostet im Durchschnitt rund 5400 Euro; die Spitzenkaufpreise sind vier Mal so hoch. Bevor die Preise sinken, müssten für alle Suchenden neue Wohnungen gebaut sein. Derzeit fehlen 40 000 Wohnungen.

Ein schlüssiges Konzept gegen Preisdruck und Wohnungsnot hat Weyland beim Auftakt ihres Wahlkampfs nicht formuliert. Stattdessen tritt sie nach unten, gegen Punks und Bettler. Das ist so unsexy wie das Armband, das sie als Geschenk verteilt hat.

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