© Peter Jülich, FR
Jedes Jahr wieder demonstrieren Eltern und Kinder für mehr Betreuungsplätze für Grundschüler am Nachmittag. So wie in Unterliederbach 2017.
Schulen und Kitas in Frankfurt
Frankfurt

Fehlende Plätze - verzweifelte Eltern

Von Sandra Busch
11:30

Es gibt zwei Zeitpunkte im Jahr, an denen Eltern garantiert zum Protest zusammenkommen. An denen die Nöte der wachsenden Stadt von Müttern und Vätern quasi herausgeschrien werden. Einer ist gerade wieder gekommen: Es ist Februar, die Kitaplätze werden verteilt. Und in den nächsten Sitzungen des Bildungsausschusses werden sicher wieder verzweifelte Eltern aufschlagen, weil sie keinen Platz in der Nachmittagsbetreuung für ihr Grundschulkind bekommen haben. Sie werden sich in den Stadtteilen in Initiativen zusammenschließen und für mehr Hortplätze kämpfen. Der andere Zeitpunkt steht im Juni an: Dann demonstrieren jedes Jahr aufs Neue Eltern vor dem Römer, weil ihre Kinder keinen Platz an einer wohnortnahen weiterführenden Schule ergattert haben und nun durch die ganze Stadt zum Unterricht geschickt werden.

Es gibt von allem in dieser wachsenden Stadt zu wenig. Zu wenige Schulen, zu wenige Betreuungsplätze – vor allem am Nachmittag für Grundschüler. Derzeit hechelt die Stadt dem Bedarf hinterher. Zum Beispiel bei den Schulen. Im Moment besuchen mehr als 63 000 Kinder und Jugendliche eine Schule in Frankfurt. In fünf Jahren werden es laut Prognose 10 000 mehr sein. Angenommen, 30 Kinder besuchen eine Klasse, dann müssen bis dahin 333 zusätzliche Klassen eingerichtet werden. Das ist nicht mit einer Erweiterung der bestehenden Schulen aufzufangen. Und die Schulen sind jetzt schon randvoll.

Es gibt noch andere Interessenten

Deshalb müssen schnell neue Schulen gebaut werden. 16 neue sind derzeit in Planung und Bau, seit 2015 sind allein fünf weiterführende Schulen gegründet worden. Oft werden sie hastig in Übergangsquartieren eröffnet. Im nächsten Schuljahr gehen nun zwei Schulen an den Start, eine davon ist die IGS 15 in Unterliederbach. In einem ehemaligen Schulgebäude wird sie eröffnet, nach einem Jahr zieht sie in eine Containeranlage in Höchst. Eigentlich sollte die integrierte Gesamtschule erst 2019 gegründet werden. So steht es im Schulentwicklungsplan, der erst vergangenes Jahr aktualisiert wurde. Doch die Zeit drängt, die Plätze werden gebraucht. Jedes Jahr aktualisiert Bildungsdezernentin Sylvia Weber seit 2016 im Amt – nun den Schulentwicklungsplan, doch er ist schon von den neuesten Schülerzahlen überholt, bevor er überhaupt ausgedruckt ist.

Und nicht immer ist klar, wo eine so eilig gegründete Schule wie etwa die IGS 15 einmal ihren endgültigen Standort finden soll. Oder eine der noch geplanten. Für das Gymnasium im Osten, das 2019 eröffnen soll, gibt es bisher noch kein Areal. Denn es ist schwierig, Grundstücke für den Schulbau in dieser Stadt zu finden. Sie müssen zum Beispiel recht groß sein und verkehrsgünstig gelegen.

Und für solche stadteigenen Grundstücke gibt es auch andere Interessen, etwa für den Wohnungsbau. Viele Areale hat die Stadt auch in der Vergangenheit verkauft. Wenn sie nun neue Grundstücke ankaufen will, dann steht sie in Konkurrenz mit Unternehmen, die oft viel höhere Summen bieten können. 2015 hat die damalige Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne) sogar per Zeitungsanzeige nach geeigneten Flächen für Schulen gesucht.

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Zur Oberbürgermeisterwahl am Sonntag, 25. Februar, treten zwölf Frauen und Männer an – so viele Kandidaten wie noch nie. Die Stichwahl wäre zwei Wochen später am 11. März.
503 000 Frankfurter sind wahlberechtigt. Auch das ist ein neuer Rekord.

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Noch kann Briefwahl beantragt werden. Der Antrag muss spätestens am Freitag, 23. Februar, 13 Uhr, im Wahlamt, Zeil 3, vorliegen. Dort und im Bürgeramt Höchst, Dalbergstraße 14, können Briefwähler auch direkt ihre Stimme abgeben.

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Den FR-Wahlhelfer, einen Themencheck, die bisherigen Twitter-Interviews und weitere Berichte zur OB-Wahl gibt es unter fr.de/obwahl.  (cm)

Flächen sucht die Stadt aber nicht nur für Schulen. Auch für Kindertagesstätten. Vor allem für die Betreuung von Grundschülern. Bis Ende des Jahres will die Stadt rund 5400 zusätzliche Betreuungsplätze schaffen, davon etwas mehr als 2000 für Grundschulkinder. Damit sollen dann knapp 60 Prozent der Schulkinder mit einem Betreuungsplatz versorgt sein, derzeit sind es 54 Prozent. Aber der Ausbau muss weitergehen, denn auch das wird für die wachsende Stadt nicht reichen.

Doch nicht nur neue Kitas und Schulen müssen gebaut werden – viele bestehende Gebäude sind marode und brauchen eine Sanierung. Deckenplatten stürzen herunter, Fassaden bröckeln, Fenster sind zugig, Turnhallen müssen geschlossen werden, weil der Schimmel sie im Griff hat. Eltern haben gerade Unterschriften gesammelt, um gegen die katastrophalen Zustände der Schultoiletten zu protestieren. Ein Sanierungsstau, der im Prinzip seit Jahrzehnten besteht. Mehr als 25 Jahre war das Bildungsdezernat in der Hand der Grünen. Zu lange wurde dort der Zustand der Schulen ignoriert, wurden andere Prioritäten gesetzt.

Zwar gibt es seit 2014 mehr Geld für die Sanierung von Schulen – dennoch blieben nötige Baumaßnahmen oft aus. Die Verwaltung war aufgrund ihrer Strukturen nicht in der Lage, die Aufgaben zu bewältigen. Am 1. November hat nun das Amt für Bau und Immobilien seine Arbeit aufgenommen. Dort sollen die Aufgaben im Schulbau gebündelt und so effizienter bearbeitet werden. Damit Schulen und Kitas schneller saniert und gebaut werden können. Allerdings sind etwa 100 Stellen in dem Amt noch gar nicht besetzt.

Auch bei der Digitalisierung der Schulen hinkt die Stadt den Bedürfnissen hinterher. Ein Pilotprojekt ist gerade gestartet: 14 Frankfurter Schulen werden in diesem Jahr mit WLAN ausgestattet. Sie erhalten dazu mobile Endgeräte; Tablets und Laptops stehen zur Auswahl. Wenn die Pilotphase einmal abgeschlossen ist, dann sollen die anderen Schulen nach und nach folgen. Doch das dauert vielen Schulgemeinden zu lange. Mancher Schulleiter würde am liebsten selbst Router kaufen und einfach aufstellen. Doch das erlaubt die Stadt nicht. Problem: Die Datensicherheit ist so nicht gewährleistet.

 

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