© Peter Jülich, FR
Im Wahlkampf setzt der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) – hier mit dem Unterbezirksvorsitzenden Mike Josef - auf wenige, ausgewählte Themen.
Wahlkampf
Frankfurt

Sie lächeln wieder von den Wesselmännern

Von Florian Leclerc, Georg Leppert, Christoph Manus
18:10

Nun brechen die entscheidenden letzten Wochen vor der Oberbürgermeister-Wahl in Frankfurt an. Auf Hochtouren arbeiten die Wahlkampfteams daran, ihre Kandidaten in das beste Licht zu rücken. Vier große Parteien treten an, acht unabhängige Bewerber versuchen ihr Glück.

Am Sonntag, sechs Wochen vor der Wahl am 25. Februar, dürfen sie laut Straßenbauamt nun mit dem Plakatieren beginnen. Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) stellte schon am Freitag die ersten der insgesamt rund 12 000 Plakate vor. „Mieten stoppen“, „Selbstbestimmt im Alter“, „Fahrpreise senken“, „Kitas kostenfrei“, „Weniger Fluglärm“ - das sind Feldmanns Vorstellungen für eine zweite Amtszeit, die darauf zu lesen sind.

Seine Herausforderin Bernadette Weyland (CDU) präsentiert ihre Plakate am Montag an der Senckenberg-Anlage - doch erste Großplakate mit Weylands Gesicht tauchten schon am Freitag auf. „Wer Schulen will, wählt Weyland“, war auf einem „Wesselmann“ darauf zu lesen. Wesselmänner heißen die Großplakate im Politikerjargon - die Werbeagentur Wesselmann aus Wattenscheid hat ein Monopol auf die 3,70 mal 2,90 Meter großen Stellwände.

Zu den 500 Plakaten mit Weylands Gesicht, die mit Hinweis auf eine Veranstaltung schon seit Wochen in der Stadt zu sehen sind, kämen Plakate in den Größen DIN A0 und A1, Wesselmänner sowie kleinere Formate hinzu, die vor allem an den Straßenlaternen hängen werden, berichtete der CDU-Wahlkampforganisator Leopold Born. „Eine vierstellige Zahl“, ergänzte Michael Stöter, der Kreisgeschäftsführer der CDU.

Außerdem geht der Straßenwahlkampf in die heiße Phase. Der Oberbürgermeister und seine Wahlhelfer werden in den kommenden Wochen wieder an zahlreichen Türen klingen, um Eindruck, Türhänger und Anstecker zu hinterlassen. 30 000 Haushalte hätten sie schon besucht, hätten dort auch in sechs von zehn Fällen die Anwohner angetroffen, sagte der SPD-Unterbezirksvorsitzende Mike Josef.

Weitere InformationenFR-Stadtgespräch

Gut zwei Wochen vor dem ersten Wahlgang fühlt die Frankfurter Rundschau den Kandidatinnen und Kandidaten auf den Zahn: beim FR-Stadtgespräch am Donnerstag, 8. Februar.

Weitere InformationenEingeladen

Eingeladen sind Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD), Bernadette Weyland (CDU), Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne), Janine Wissler (Linke) und Volker Stein (unabhängig). Sie stellen sich den Fragen von Redakteuren der Frankfurter Rundschau.

Weitere InformationenDiskussion

In der Diskussion soll es um die
großen Themen der Frankfurter Kommunalpolitik gehen. Soll das Ackerland im Nordwesten bebaut werden – und wenn ja: nur bis zur Autobahn oder weiter? Braucht es einen Neubau der Städtischen Bühnen? Und wie sicher ist Frankfurt – insbesondere das Bahnhofsviertel? Fragen aus dem Publikum sind erwünscht.

Weitere InformationenBeginn

Beginn ist um 19 Uhr im Haus am Dom, Domplatz 3. Der Eintritt ist frei.  geo

Die Hausbesuche sind der Kern des SPD-Wahlkampfs – neben Veranstaltungen, Info-Ständen und Verteilaktionen. „Nichts geht über das direkte Gespräch“, sagte Josef. Auch an Haltestellen und Fabriktoren stehen die SPD-Wahlhelfer am Morgen und verteilen Kulis und Kreppel.

Auch CDU-Kandidatin Weyland wird – wie schon in den Wochen zuvor – ihre Besuche in den Stadtteilen fortsetzen. „Jeden Morgen verteilen wir Flyer an S- und U-Bahn-Haltestellen“, sagte Wahlkampforganisator Born. Politische Prominenz aus Berlin werde nicht nach Frankfurt reisen – lediglich der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) habe sich für den Politischen Aschermittwoch am 21. Februar unterstützend angekündigt, sagte Kreisgeschäftsführer Stöter. Das Wahlkampfbudget gibt Weylands Pressesprecher mit rund 350 000 Euro an.

Die SPD rechnet mit Ausgaben von rund 300 000 Euro. Sie hat am Politischen Aschermittwoch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zu Gast.

Auf prominente Unterstützung setzt auch Nargess Eskandari-Grünberg, die OB-Bewerberin der Grünen. Beim Wahlkampfhöhepunkt am 22. Februar (19 Uhr) im Orange Peel spricht Grünen-Legende Daniel Cohn-Bendit. Bereits am 5. Februar tritt Eskandari-Grünberg mit Katrin Göring-Eckart, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, bei der Veranstaltung „Poetry meets Politics“ im Orange Peel auf.

Dafür halten sich die Grünen beim Plakatieren zurück – zumindest im Vergleich zu CDU und SPD. Aufgehängt werden 3200 Motive im Format DIN A1 - immerhin mehr als bei der Bundestagswahl. Hinzu kommen 24 Wesselmänner mit der Botschaft „Frankfurt kann anders“. Das Wahlkampfbudget liegt bei 45 000 Euro und soll durch Spenden noch auf knapp 60 000 Euro erhöht werden.

In die Vollen geht derweil Volker Stein. Der unabhängige Kandidat hatte zuletzt immer wieder angekündigt, er bekomme Unterstützung von durchaus wohlhabenden Frankfurtern. Tatsächlich gibt er rund 70 000 Euro für den Wahlkampf aus. Dafür kann er 7500 DIN-A1-Plakate aufhängen und 70 Wesselmänner aufstellen lassen.

Die OB-Kandidatin der Linken, Janine Wissler, ist bisher nicht spürbar in den Wahlkampf eingestiegen. Von Sonntag an will ihre Partei aber 4200 Plakate in der Stadt aufhängen, die für die Wahl der Linken-Fraktionschefin im Landtag zur Oberbürgermeisterin werben. Fünf Motive werden zu sehen sein, in denen es um Fluglärm, den Kampf gegen Rechts, einen Nulltarif im ÖPNV, Mieten und die Frage, wem die Stadt gehört, geht. Kräftig will die Linke zudem über Twitter und Facebook für Wissler werben. Die sozialen Medien spielten inzwischen bei Wahlen eine riesige Rolle, sagt Kreisgeschäftsführer Steffen Merte, dem ein Wahlkampfbudget von rund 15 000 Euro zur Verfügung steht.

Wissler, Vorsitzende der Frankfurter Linken, will sich zudem auf vier eigenen Veranstaltungen präsentieren. Klarer Höhepunkt ihres Wahlkampfs ist eine Veranstaltung mit Gregor Gysi, dem Präsidenten der Europäischen Linken, am 21. Februar, 18 Uhr, im Südbahnhof.

Die anderen Kandidaten sind der Satiriker Nico Wehnemann (Die Partei), der Feuerwehrmann Michael Weingärtner (Freie Wähler), der chinesische Unternehmensberater Ming Yang, der Friseursalonbetreiber Karsten Schloberg, die Architektin Juli Wünsch, der Lachtherapeut Hein Gottfried Fischer und die Soziologin Felicia Herrschaft (alle unabhängig). Sie verfügen nicht über die Budgets der großen Parteien und verlagern ihren Wahlkampf in die sozialen Netzwerke.

  Zur Startseite