© Peter Jülich, FR
Die selbstgebauten Hütten stehen auf einer verlassenen Laderampe im Gutleutviertel.
Obdachlose Rumänen
Frankfurt

Neues Elendsquartier im Gutleut

Von Hanning Voigts
07:01

Im Frankfurter Gutleutviertel ist erneut ein Elendslager obdachloser Rumänen entstanden. Auf einer überdachten Laderampe am Rande einer ungenutzten Industriefläche haben die Menschen rund ein Dutzend niedriger Holzhütten aus Brettern, Matratzen und Sperrmüll errichtet. Auf der Rampe steht außerdem ein Igluzelt, in der Umgebung der Bretterbuden stapeln sich neben allerlei Hausrat auch kaputte Fahrräder und Einkaufswagen, Campingstühle, Pfandflaschen, haufenweise Klamotten und Metallschrott.

Am frühen Dienstagmorgen sind in dem Elendslager nur ein Mann und eine Frau anzutreffen. Momentan wohnten hier rund 30 Menschen, sie kämen alle aus Rumänien, sagt der Mann, der ein wenig Deutsch spricht. Etwa die Hälfte der Menschen habe einen Job. Er selbst arbeite schon seit zwei Jahren in Frankfurt auf dem Bau. Die Lage hier im Lager sei sehr problematisch, sagt der Mann dann. „Kein Wasser, keine Toiletten, das ist nicht gut.“ 

Nach eigenen Angaben lebt der Mann schon seit zwei Monaten in dem Lager, zuvor habe er bereits auf der Industriebrache im Gutleutviertel gewohnt, die im Februar vorigen Jahres von der Stadt geräumt worden war. Viele der Rumänen, die jetzt hier auf der Laderampe schliefen, seien zuvor auf dieser Brachfläche gewesen. 

Kein Geld für die Mietkaution 

Eine Wohnung könne er in Frankfurt nicht finden, sagt der Mann. Er sei zwar in der Lage, bis zu 500 Euro Miete zu zahlen, aber er habe keine Rücklagen für die Kaution, die jeder Vermieter verlange. Die einzige Unterstützung, die er und die anderen erhielten, komme von den Einrichtungen der Obdachlosenhilfe.

Manche hier duschten regelmäßig im Tagestreff „Weser 5“. Wie lange die Gruppe noch in ihren selbst gebauten Hütten bleiben könne, wisse niemand, sagt der Mann. Es sei bereits jemand da gewesen, der ihnen bedeutet habe, dass sie die Laderampe wohl bald verlassen müssten. Wohin er dann gehen solle, wisse er nicht. „Straße“, sagt er und zuckt mit den Achseln.

Eigentümer der Fläche ist die Chemiefirma Ferro, die vor allem Farben und Lacke für die Keramikindustrie herstellt. Standortleiter Stefan Pfeifer sagte der Frankfurter Rundschau, das Unternehmen sei über Mitarbeiter, die in der Nähe parkten, auf das Obdachlosenlager aufmerksam geworden.

Bei der Stadt ist das neue Lager schon bekannt

Die Fläche und die Gebäude, an denen die Laderampe liege, würden aktuell nicht genutzt, sagte Pfeifer. Dennoch könne man die Hütten nicht auf Dauer dulden. „Die hygienischen Zustände sind nicht so, dass sich dort jemand aufhalten könnte.“ Deshalb habe das Unternehmen Rechtsanwälte eingeschaltet, die sich darum kümmerten, rasch einen Räumungstitel vor dem Amtsgericht zu erwirken. Außerdem habe man bei der Polizei Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt.

Bei der Stadt ist das neue Obdachlosenlager bereits bekannt. Die Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), Manuela Skotnik, sagte der FR, Straßensozialarbeiter der Diakonie seien vor Ort gewesen. Es sei schwierig gewesen, Kontakt aufzubauen, weil kaum einer der Bewohner richtig Deutsch spreche. Ein Sprecher des Ordnungsamts sagte, die Stadtpolizei sei ab und an dort, um zu prüfen, „ob sich das ausweitet“. Man gehe davon aus, dass Ferro demnächst einen Räumungstitel bekomme und das Lager dann von der Polizei aufgelöst werde.

Dass obdachlose Rumänen, vor allem Roma, in selbst gebauten Hütten leben, ist in Frankfurt nichts Neues: Seit Ende 2013 hatten Obdachlose aus Rumänien unter erbärmlichen Bedingungen auf einer Industriebrache im Gutleutviertel gehaust, zunächst in Betonverschlägen, dann auch in selbst gebauten Hütten. Im Februar vorigen Jahres hatte die Stadt die Fläche endgültig geräumt und die Bewohner vorübergehend in einer Notunterkunft untergebracht. Manche von ihnen waren danach nach Rumänien zurückgekehrt.

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