© Imago, FR
Bei der Obduktion des in Höchst bei einem Polizeieinsatz gestorbenen Mannes sind keine Auffälligkeiten gefunden worde, die den Todeseintritt erklären könnten.
Polizeieinsatz in Höchst
Frankfurt

Tod nach neun Monaten weiter ungeklärt

Von Oliver Teutsch
11:33

Neun Monate nach einem Polizeieinsatz mit tödlichem Ausgang in Höchst ist die Todesursache des Verstorbenen noch immer unklar. Am 1. Juni 2017 war die Polizei bei der Vollstreckung einer Räumungsklage in der Josef-Fenzl-Straße um Unterstützung gebeten worden. Der Einsatz galt dem 42-jährigen Savas K., der wegen mehrerer Ruhestörungen und häuslicher Gewalt bereits polizeibekannt war. Seine Frau hatte die Räumungsklage erwirkt. Bei dem Einsatz, an dem sechs Polizisten beteiligt waren, kam der 42-Jährige ums Leben.

Das Landeskriminalamt in Wiesbaden übernahm die Ermittlungen zu dem Tatgeschehen. Dabei galt es zunächst mal, die Todesursache zu klären. Die Obduktion von K. ergab laut Staatsanwaltschaft Frankfurt „Einblutungen an verschiedenen Stellen des Körpers“. Dies seien aber keine Auffälligkeiten, die den Todeseintritt erklären könnten.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt gab daraufhin ein toxikologisches Gutachten bei der Rechtsmedizin in Frankfurt in Auftrag, um zu klären, ob das übergewichtige, asthmatische und psychisch auffällige Opfer möglicherweise ungewöhnliche Substanzen eingenommen haben könnte, die den Tod mitverursacht haben.

Im Oktober 2017 erfuhr die FR auf Anfrage bei der Staatsanwaltschaft, dass das toxikologische Gutachten keinen Befund ergeben habe und nunmehr ein histologisches Gutachten in Auftrag gegeben sei. Auf das Ergebnis dieses Gutachtens wartet die Staatsanwaltschaft bis heute. Zuletzt hatte der ermittelnde Staatsanwalt laut Auskunft der Behördensprecherin am 26. Januar bei der Gerichtsmedizin schriftlich nachgefragt, wo denn das histologische Gutachten bleibe.

Bei der Rechtsmedizin in Frankfurt möchte mit Hinweis auf das laufende Verfahren niemand Auskunft geben, warum das histologische Gutachten nun schon seit vier Monaten aussteht.
Der Direktor der Deutschen Gesellschaft für Gerichtsmedizin, Thomas Bajanowski, teilt auf FR-Anfrage mit, dass eine histologische Untersuchung zu einem Obduktionsfall „durchaus zwei bis vier Wochen“ dauern könne. Aber eben keine vier Monate.

Ausnahmen gibt es Bajanowski zufolge nur bei speziellen Untersuchungen, die etwa im Ausland beantragt werden.

Womöglich ist die Rechtsmedizin in Frankfurt überlastet. Auch dazu will das Frankfurter Institut selbst keine Angaben machen. Von Professor Bajanowski, der die Gerichtsmedizin in Essen leitet, heißt es dazu: „Die Arbeitsverdichtung ist in vielen Instituten deutlich spürbar.“

Demnach gibt es derzeit etwa 260 Rechtsmediziner in Deutschland, auf die pro Jahr 17 000 Obduktionen sowie Zusatzuntersuchungen, Leichenschauen, Gerichtstermine, Forschung und Lehre warten.

Bleibt die Frage, was die Ermittlungen fernab des medizinischen Befunds ergeben haben. Das ermittelnde LKA teilt auf Anfrage nur mit, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei, und verweist an die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Dort wird im Fall Savas K. auf das Gutachten gewartet. Eine Be- oder Entlastung der sechs eingesetzten Beamten lässt also auch neun Monate nach dem Todesfall in der Josef-Fenzl-Straße auf sich warten.

Lesen Sie weitere Berichte aus Höchst   Zur Startseite