© Christoph Boeckheler, FR
Musik, Ballons, Konfetti – Protest kann auch Spaß machen. Mit ihren Forderungen war es den Demonstranten dennoch sehr ernst.
Protest in Frankfurt
Frankfurt

Mit Konfetti für mehr Lohn

Von Carolin Diel
21:32

Drei Konfettikanonen für drei Forderungen: Lohnerhöhung um sechs Prozent und mindestens 200 Euro, mehr Geld für Auszubildende und eine unbefristete Übernahme nach der Ausbildung. Mit einem lauten Knall werden die Kanonen abgefeuert, vor der Frankfurter SPD-Zentrale regnet es bunte Papierschnipsel. Mit rund 600 Leuten stürmte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) am gestrigen Freitag nacheinander vor die Parteizentralen der Grünen, der SPD und der Linken.

Anlass der Aktion waren die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, die Anfang der Woche in die zweite Runde gingen, und die dazu stattfindenden Warnstreiks.

Mit der Aktion wollte Verdi nun die Parteien zur Verantwortung ziehen. Sie sollen die Arbeitgeberverbände unter Druck setzen, den Gewerkschaften endlich ein Angebot vorzulegen.
„Alles zu teuer. Alles zu viel“, fasste Hilke Sauthof-Schäfer von Verdi die Antwort der Arbeitgeberverbände in den Verhandlungen zusammen; das könne nicht so hingenommen werden.

„Die Wirtschaft boomt seit Jahren. Wir wollen unseren Anteil daran“, forderte sie vor den Demonstranten. Vornehmlich streikende Mitarbeiter der städtischen Kliniken, aber auch der Kindertagesstätten und Altenpflegeheime sowie Angestellte städtischer Ämter hatten sich zum Start der Protestaktion am Klinikum Höchst eingefunden.

Mit Bussen und öffentlichen Verkehrsmitteln brachen sie gegen halb elf zum Eisernen Steg auf. Von dort führte ihr Streikzug quer durch die Stadt von Partei zu Partei und schließlich zur Zentrale des Kommunalen Arbeitgeberverbandes am Allerheiligentor. Mit Trillerpfeifen und Sprechchören machten die Streikenden dabei ordentlich Lärm für ihre Sache. 

Am lautesten waren die Auszubildenden der Pflegeschule des Klinikums Höchst. Die angehenden Physiotherapeuten, Medizinisch-technischen Assistenten (MTA) und Ergotherapeuten kämpfen um eine Aufnahme in den Tarifvertrag. Auf ihren Transparenten stand „Vergütung für alle, sonst gibt’s Krawalle“ oder „Know-how gibt’s nicht für lau“. Mehr Geld für Auszubildende? Die Azubis des Klinikums wären froh, überhaupt einen Lohn zu bekommen. 

MTA-Auszubildende Julia ist eine der Höchster Azubis, die sich auf dem Streikzug für eine Vergütung starkgemacht haben. Ihre Eltern können sie finanziell nicht unterstützen. Damit sie während der Ausbildung für ihren Lebensunterhalt aufkommen kann, muss sie Arbeitslosengeld II beziehen, erzählt sie. „Obwohl ich arbeite, stecke ich in derselben Kiste wie Leute, die Hartz IV beziehen. Das ist nicht fair.“

Viele ihrer Mitauszubildenden haben neben Berufsschule und der Arbeit im Krankenhaus einen oder sogar mehrere Jobs, um sich zu finanzieren. Auch Christina, Physiotherapie-Auszubildende im zweiten Jahr, kritisiert, dass die Ausbildung nicht entlohnt wird: „Wir tragen eine hohe Verantwortung für unsere Patienten. Oft machen wir dieselbe Arbeit wie Ausgelernte. Dass wir kein Geld bekommen, ist extrem unfair.“ In ihren Händen hält sie ein Schild, darauf steht: „Wir kneten nur für Knete.“ 

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