© Christoph Boeckheler, FR
Bühnenaufbau für das große politische Konzert vor der Alten Oper.
Rock gegen Rechts in Frankfurt
Frankfurt

Rocken gegen rechts

Von Georg Leppert
12:32

Als emsige Menschen wie der DGB-Vorsitzende Philipp Jacks oder die Grünen-Geschäftsführerin Daniela Cappelluti vor vielen Monaten anfingen, das Rock-gegen-rechts-Konzert auf dem Frankfurter Opernplatz zu planen, wussten sie noch nicht, wie aktuell die Veranstaltung am Samstag sein würde. Seit Tagen schauen die Menschen im Rhein-Main-Gebiet auf Chemnitz. Sie sehen Männer, die den Hitlergruß zeigen. Die andere Menschen jagen. Die widerwärtige Parolen gröhlen.

Wären solche Szenen auch in Frankfurt denkbar? Zum Glück eher nicht. Das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund funktioniert in dieser Stadt seit jeher gut. Wer in den 70er Jahren oder später in Frankfurt aufgewachsen ist, kennt es nicht anders: In der Schule, am Arbeitsplatz und beim sommerlichen Chillen am Mainufer sind alle möglichen Nationalitäten versammelt. In einer solchen Stadt – die noch dazu über eine starke linke Szene verfügt – fassen Rechtsextreme nur schwer Fuß. Erinnert sei nur an den peinlichen Versuch von Heidi Mund, Pegida-Aufmärsche in Frankfurt zu etablieren.

Doch eine Insel der Glückseligkeit ist diese Stadt nicht. Eine einzige Zahl belegt das: 8,9. So viel Prozent erreichte die AfD bei der Kommunalwahl 2016. Seitdem wird auch im Römer gehetzt. Unvergessen etwa die „Rede“ von AfD-Fraktionschef Rainer Rahn, der minutenlang Schlagzeilen vorlas über Straftaten, die Migranten begangen haben sollen. Und im Oktober, so ist zu befürchten, wird die AfD in den Landtag einziehen. Auch wegen zahlreicher Stimmen aus Frankfurt, dieser weltoffenen Stadt. Zudem: Auch in Frankfurt gibt es oft Vorbehalte gegen Flüchtlingsunterkünfte – und es gibt den Alltagsrassismus, von dem so ziemlich alle Migranten berichten können. Niemand ist frei von Vorurteilen, nur weil er Frankfurter ist.

Wir sind weit weg von sächsischen Verhältnissen – können es aber nicht dabei bewenden lassen, uns am Montag das Wir-sind-mehr-Konzert in Chemnitz im Fernsehen anzuschauen und uns über das bunte Leben vor unserer Haustür zu freuen. Zumal man gerade als Bewohner einer liberalen Stadt die Aufgabe hat, sich dem Wahnsinn entgegenzustellen, der anderswo im Land geschieht. Deshalb ist das Konzert am Samstag ein Pflichttermin für alle, denen ein friedliches Zusammenleben wichtig ist.

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