© Peter Juelich, FR
Rund 500 Menschen folgen dem Aufruf des Bündnisses „Seebrücke“ zur Demo auf dem Römerberg.
Römerberg in Frankfurt
Frankfurt

Demonstranten fordern „Seebrücke statt Seehofer“

Von Lara Schulschenk
20:58

Mit orangefarbener Kleidung, symbolischen Schwimmwesten und einer klaren Forderung an die Stadt haben sich rund 500 Menschen am Donnerstagabend auf dem Römerberg versammelt. Es war die zweite Demo unter dem Motto „Seebrücke statt Seehofer“ in Frankfurt. Das zivilgesellschaftliche Bündnis fordert, dass Frankfurt sich als „solidarische Stadt“ erklärt und Flüchtlinge aufnimmt.

Damit würde sich die Stadt anderen europäischen Metropolen anschließen. „In Palermo findet gerade ein Treffen von Oberbürgermeistern verschiedener großer Städte in Europa statt, die der aktuellen Politik der jeweiligen Staatsregierungen etwas entgegensetzen wollen“, erklärte Bernd Eichner, einer der Initiatoren von „Seebrücke“. 

Dazu zählten neben Palermo unter anderem Barcelona, Neapel, Berlin und Bundesländer wie Brandenburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Aktueller Anlass sind die Festsetzungen von Schiffen und Flugzeugen verschiedener Seenotrettungsorganisationen.

„Ich kann nicht mehr ertragen, dass Leute im Mittelmeer ertrinken müssen, weil uns die Politik davon abhält, sie zu retten“, sagte Pilot Manos Radisoglou in seinem Redebeitrag auf der Kundgebung. Er ist ehrenamtlicher Pilot bei der„Humanitarian Pilots Initiative“. Die zwei Flugzeuge der Initiative bekämen in verschiedenen Ländern, darunter Malta, keine Flugerlaubnis mehr, um in Richtung der libyschen Küste zu starten und nach ertrinkenden Menschen Ausschau zu halten. Außer ihm sprachen auch Mitglieder von Pro Asyl und Sea Watch auf der Veranstaltung.

Während einer Schweigeminute und mit langen Namenslisten gedachten die Demonstranten der Flüchtlinge, die auf dem Weg nach Europa ums Leben gekommen sind. Seit 1993 sind 34 000 Flüchtlinge bekannt, die im Mittelmeer ertrunken sind. „Ich bin entsetzt und traurig darüber, wie die Politik aktuell damit umgeht. Dafür fallen mir gar keine Superlative mehr ein“, sagte Demonstrantin Monika. Trotzdem setzt die 50-Jährige Hoffnung in die Forderung an die Stadt: „Es fängt immer im Kleinen an.“

Ob Oberbürgermeister der Peter Feldmann (SPD) der Forderung der Demonstranten nachkommen wird, ist unklar. Zumindest habe Nils Bremer, Büroleiter des Oberbürgermeisters, die Forderungen freundlich in Empfang genommen.

„Wenn der Oberbürgermeister dann aus seinem Urlaub wiederkommt, wird er das Ortsschild für die ‚solidarische Stadt Frankfurt‘ und den Forderungskatalog auf seinem Schreibtisch finden“, sagte Eichner. Bereits zur letzten Kundgebung hatte Feldmann einen Brief mit diesen Forderungen erhalten.

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