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Engagierte Schülerinnen: Probe für das Theaterstück Medea am Gagern-Gymnasium.
Schultheater
Frankfurt

Die Schüler wie Profis ansprechen

Von Theresa Höpfl
10:45

Die letzte Anweisung lautet: „Bleibt ganz entspannt.“ Dann geht das Licht aus vor dem Vorhang aus goldener Rettungsfolie. Die Bühne in der Aula des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums ist mit Mauerruinen aus weißen Gasbetonsteinen dekoriert. Die Theater-AG unter der Leitung von Hans-Martin Scholder entführt das Publikum an den Hof Kreons im alten Griechenland.

Vor eineinhalb Jahren haben sich die Schüler für die Tragödie „Medea“ von Euripides entschieden. Auch um Bühnenbild, Technik und Licht kümmern sich die Schüler seitdem selbst. In dem Drama wird die Protagonistin, kurz gefasst, von ihrem Ehemann Jason verstoßen und will Rache üben an ihm und seiner Zukünftigen, Glauke.

Mit dem Stück „suchen wir das Moderne im Historischen“, erklärt Hans-Martin Scholder. Medea ist eine Flüchtlingsfrau aus dem heutigen Georgien, sie ist eine Fremde, auch in der von Männern dominierten Welt. Die Darsteller lieben an dem Stück, „dass es keine Sympathierollen gibt. Jeder ist irgendwie böse, und es gibt viele Morde.“

Die Schüler gehen voll aus sich heraus. Sie haben gelernt, auf der Bühne zu lachen, zu jauchzen, zu brüllen und zu kreischen vor Wut. Zu Beginn haben sie die Medea-Texte im Griechisch- und Deutschunterricht durchgenommen, sich tief in ihre Figuren eingearbeitet.

„Die Schüler sind unglaublich gewachsen in der Zeit. Das merke ich jedes Jahr im mündlichen Abitur. Meine Theaterschüler haben da ein unglaubliches Standing“, sagt Hans-Martin Scholder. Das Geheimrezept des Lehrers und ehemaligen Bühnenbildners an der Berliner Schaubühne ist, „die Schüler wie Profis anzusprechen“. Er sieht es auch als Triumph, dass die Schüler so lange dabeigeblieben sind. „Die Proben erfordern viel Zeit. Sie hätten ja auch lieber zum Sport oder feiern gehen können.“ In den beiden Wochen vor der Premiere hat die Gruppe täglich zwei bis drei Stunden geprobt. „Gerade mit dem Nachmittagsunterricht im G8 wird das schnell stressig“, erklärt Ben. Der 19-Jährige und vier weitere Akteure haben im Sommer schon ihr Abitur gemacht. Für die Proben sind sie trotzdem weiter zur Schule gegangen: „Bis zwei Uhr schlafen und dann herkommen. So entspannt hatten es nicht alle.“

Die 15-jährige Victoria, die die Medea spielt, gibt zu, dass sie extrem nervös ist vor der heutigen Premiere: „Ich werde mir die Zuschauer nackt vorstellen. Sonst helfen uns Hustenbonbons, damit die Stimme nicht versagt.“ Die Glauke-Darstellerin Margarethe weiß von sich selbst, dass sie sehr emotional wird, kurz bevor es losgeht: „Aber in meiner Rolle darf ich zittern vor Leidenschaft.“

Weitere Vorstellungen gibt es täglich bis zum 1. September um 19.30 Uhr, bei großem Andrang ist auch eine Verlängerung möglich. Tickets gibt es an der Abendkasse in der Bernhard-Grzimek-Allee 6-8.

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