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Heino Stöver (62) ist Professor für den Fachbereich Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt University of Applied Sciences.
Shisha
Frankfurt

„Nicht so harmlos“

Von Kathrin Rosendorff
12:57

Heino Stöver ist Professor an der Frankfurt University of Applied Sciences und beschäftigt sich mit dem Shisha-Trend.

Warum ist Shisha, die Wasserpfeife aus dem Orient, auch in Deutschland so angesagt?
Schicke Shishas sind Lifestyle-Produkte geworden. Shishabars sind angesagte Treffpunkte, insbesondere unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Orientalische Shishabars mit gemütlichen Sitzkissen und bunt bemalten Wänden tun ihr Übriges, um gerade junge Leute neugierig zu machen und Harmlosigkeit zu suggerieren. Der Tabak bei der Shisha ist mit fruchtigen, süßen Aromen versetzt, die den Tabak weitaus schmackhafter machen, als normalerweise üblich und ihn oft ungefährlicher wahrnehmbar werden lassen. Darin besteht jedoch ein Teil des Problems. Es wird als „harmloser“ als normaler Tabakrauch wahrgenommen.

Das heißt dann also?
Shisharauchen kann als Einstiegsdroge in den regulären Tabak-/Cannabiskonsum dienen. Es wirkt sogar gegen den gesellschaftlichen Trend der Reduktionen des Rauchens bei Jugendlichen. Rauchen wird durch Shisha wieder „normal“ und sogar „cool“.

Aber macht Shisha abhängig?
Auslöser für eine Abhängigkeit beim Rauchen ist das Nikotin. Und dieses ist eben auch – und sogar stark – bei einer Wasserpfeife vorhanden. Eine Abhängigkeitsgefahr hängt jedoch von vielen Faktoren ab: Freunde, Haltung, Vorerfahrungen, Rauchfrequenz. Ob bei Zigaretten die Gefahr deutlich höher ist, eine Abhängigkeit zu entwickeln als beim Shisharauchen oder umgekehrt, ist noch nicht ausreichend erforscht. Genauso wenig ist die Schädlichkeit von Shisharauchen noch nicht ausreichend erforscht. Es fehlen Langzeitstudien. Deswegen ist es ein wichtiges Forschungsfeld. Fest steht jedoch, dass Shisharauchen keinesfalls förderlich für die Gesundheit ist.

Viele Konsumenten erzählen, dass es die perfekte Entspannung bietet. Ist denn da auch was dran?
Den Argumenten von Shisharauchern, dass das Konsumieren einer Wasserpfeife zur Entspannung von Geist und Körper führt, halten Mediziner dagegen, dass ein tatsächlicher Stressabbau im Körper durch eine Shisha nicht nachgewiesen werden kann. Beim Shisharauchen sind zudem deutliche höhere Nikotinkonzentrationen im Blut nachweisbar als nach dem Rauchen von Zigaretten.

Aber säubert die Wasserpfeife nicht den Rauch?
Es ist ein Irrtum, dass das vorhandene Wasser der Wasserpfeife den Tabak filtert und sozusagen säubert. Auch wenn der Rauch einer Shisha nicht wie bei einer Zigarette direkt inhaliert wird, gelangt doch eine erhöhte Menge Nikotin ins Blut. Darüber hinaus sind es die im Tabak enthaltenen Schadstoffe, die Risiken für die Gesundheit darstellen. Nicht zu vergessen ist, dass gerade beim Shisharauchen oft tiefer und intensiver inhaliert wird als beim Zug einer Zigarette.

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