© Peter Juelich, FR
Oase zum Mitnehmen: ein sogenanntes Mobiles Grünes Zimmer, hier in der Testphase auf dem Paul-Arnsberg-Platz.
Sommer in Frankfurt
Frankfurt

Grüne Zimmer sollen vor Hitze schützen

Von Thomas Stillbauer
08:23

Frankfurt setzt beim Klimaschutz weiter auf Stadtgrün: an Fassaden, auf Dächern, in mobiler Form auch auf den großen Plätzen. Drei neue „Mobile Grüne Zimmer“ sind bestellt und sollen demnächst Erleichterung bringen; dann gibt es insgesamt sieben Stück davon im Stadtgebiet.

„Jeden Tag 30 Grad“, stöhnt der kleine Mann auf der Straße. Und dazu diese Frankfurter Platzarchitektur früherer Jahre, die auf Steine schwor, um auch noch den letzten Rest Hitze in die Stadt hereinzuholen. Was der Mensch jetzt braucht, sind Schatten und Grünzeug, am besten: beides.

Da sind die Mobilen Grünen Zimmer hilfreich. Zwei Meter hohe Wände, gut sechs Meter lang, mit Blattwerk, Zier- und Obstpflanzen bewachsen, Sitzbänke auf beiden Seiten, kleine Oasen in der Steinwüste. In den beiden vorigen Sommern wurden sie als geeignetes Mittel entdeckt, um dem Klimawandel zu trotzen. „Jetzt habe ich endlich eine Idee, wie wir die Flächen im Sommer attraktiver machen können“, jubelte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) beim Testlauf im August 2016 auf dem Paul-Arnsberg-Platz im Ostend.

Doch bisher waren die Grünen Zimmer im Stadtbild rar. Am Zooeingang steht zurzeit ein Exemplar, am Oberräder Buchrainplatz, am Gravensteiner Platz in Preungesheim und, wie vor zwei Jahren, am Arnsbergplatz. Das war’s. Obwohl die Stadträtin die Ortsbeiräte aufrief, sich um die Pflanzenwände zu bewerben. Gab es kein Interesse? Doch, durchaus, sagt Heiligs Referentin Janina Steinkrüger. „Wir haben mehr Anfragen als Grüne Zimmer.“ Etwa aus Seckbach. Dort wünschte sich der Ortsbeirat 11 ein Exemplar für den Atzelbergplatz. „Sie sind eine gewisse Attraktion“, sagt Ortsvorsteher Werner Skrypalle (SPD), „und sicher hilfreich für die unmittelbare Umgebung.“ Bis Dienstagmittag dachte Skrypalle freilich, Seckbach müsse zurückstecken. Sein Wissensstand: „Alles ausgebucht.“

Dann die frohe Kunde: „Wir haben drei weitere Grüne Zimmer bestellt“, sagt Steinkrüger am Nachmittag. Und die Gewinner sind: Carlo-Schmid-Platz (Bockenheim), Atzelberg- und Riedbergplatz. Eine unverhoffte Entwicklung, denn die mobilen Oasen sind nicht billig, das Stück kostet mehr als 60 000 Euro.

Kein Pappenstiel angesichts der Tatsache, dass die Dezernentin kurz vor den Sommerferien beklagt hatte, sie sei pleite: Fürs Grün sei kein Geld mehr übrig, die Stadtverordneten hätten ihr zu wenig bewilligt. Die Kollegen im Magistrat waren offenbar nicht amüsiert, und Heilig verzichtete auf weitere öffentliche Forderungen zum kommenden Etat.

Fürs Stadtgrün, nach dem alles lechzt, hat sie nun aber offenbar Mittel gefunden. Sichergestellt sei auch die „Klima-Piazza“, sagt die Stadträtin, wenn auch leicht abgespeckt: Nach der sechstägigen Premiere im vorigen Jahr auf dem Roßmarkt wird diesmal der Zoo der Schauplatz sein, vom 17. bis zum 19. August. Dann dreht sich alles um die Artenvielfalt im Klimawandel und die Frage, wie Tier und Mensch damit umgehen. Menschen können etwa ihre Häuser und Höfe begrünen; für das entsprechende „Förderprogramm Klimaanpassung“ der Stadt soll die Piazza werben.

Und ein Grünes Zimmer steht ja schon am Zoo. Die Pflanzenwände erwuchsen übrigens aus einem EU-Forschungsprojekt. Die Kornwestheimer Firma Helix, die sie herstellt, sieht sie als Botschafter für künftige größere Lösungen. Lärmschutzwände etwa müssten nicht grau und hässlich sein, sagt Helix-Chef Sven-Oliver Knabe: „Auch da bieten sich Chancen für Grün und Natur.“

Lesen Sie weitere Berichte aus Frankfurt am Main   Zur Startseite