© Rolf Oeser, FR
Bischof Georg Bätzing im Gespräch.
Stadtkirchenfest im Frankfurter Dom
Frankfurt

Zu Ehren von Sankt Bartholomäus

Von Antonia Groß
10:20

Hunderte von Menschen strömen aus dem Dom, als seine Glocken um 12.35 Uhr das Ende des Gottesdienstes verkünden. Auf dem Vorplatz reihen sie sich in die Schlange am Bratwurststand ein, blicken hinauf zum Glockenturm, trinken Kaffee aus Pappbechern oder lassen sich an den zahlreichen Biertischen nieder. Hier ein Mönch in brauner Kutte, dort eine Seniorin mit Sonnenbrille, da zwei Jungs, die ihren Eltern um die Beine springen.

Mehr als 2000 Katholiken sind laut Veranstalter am Sonntag zum jährlichen Stadtkirchenfest gekommen, um dem Stadtpatron und Namensgeber des Doms, St. Bartholomäus zu huldigen. In einem goldenen, mit Kreuzen bestückten Reliquiar befindet sich ein Teil der Schädeldecke des als Märtyrer verehrten Apostels. Die Reliquie wird einmal im Jahr – am Sonntag nach seinem Namenstag am 24. August – zur Anschauung aus der Sakristei hervorgeholt und darf von Gläubigen vor dem Altar betrachtet werden. Viele Frankfurter Gemeinden organisieren zu diesem Anlass Wallfahrten in die Innenstadt.

Der Dom mal nicht als Touristenattraktion

„Aus Höchst kamen in diesem Jahr fast 200 Menschen mit dem Schiff“, berichtet Doris Wiese-Gutheil, Sprecherin der ÄKatholischen Stadtkirche. Die Sonder-U-Bahn aus Bornheim und Seckbach habe es in diesem Jahr nicht gegeben, dafür seien die rund 100 Pilger am Morgen von der Konstablerwache aus zum Dom gelaufen. Vom Dornbusch kamen etwa 70 Mitglieder der St. Franziskus Gemeinde mit dem Fahrrad.

Mit von der Partie ist Theresa Wiesner. Für die 23-Jährige ist das Besondere am Stadtkirchenfest „das gemeinsame Herkommen, das Zusammenkommen so vieler Gemeinden“. Ihrer Freundin Ana Erlenkötter geht es vor allem ums Singen. Unter Leitung von Bezirkskantor Peter Reulein begleitet der Chor die Zeremonie. „Mir macht das so viel Spaß, dass ich jede Gelegenheit nutze“, erzählt die 19-jährige Erlenkötter begeistert. Für die beiden gibt es außerdem noch einen Reiz: „dass der Dom mal keine Touristenattraktion ist“, sagt Wiesner.

„Für viele ist das Patronatsfest ein Identifikationspunkt mit Stadt und Kirche“, erklärt Wiese-Gutheil. Für Stefanie Zemelka geht die Identifikation darüber hinaus. Sie wurde in einer Bartholomäus-Kirche im polnischen Glogówek getauft. „Der wichtigste Tag im Leben ist die Taufe“, sagt Zemelka. Mit ihrer rechten Hand spielt sie mit einem Rosenkranz. Sie steht nach dem Gottesdienst vorm Altar und hofft, dass der Pfarrer ihr einen Gefallen tut: Er soll für sie mit dem Rosenkranz das Reliquiar berühren. So will sie Kontakt zu ihrem Patron herstellen.

In der Predigt nimmt Bischof Georg Bätzing die jüngsten Enthüllungen von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in den USA zum Anlass, um für mehr Aufmerksamkeit für die Opfer zu appellieren: „Auch in unserer Kirche heute gibt es solche Opfer“, sagt Bätzing. Die Kirche solle für auch für Kinder und Jugendliche ein „sicherer und heiler“ Ort sein.

Zum Abschluss des Fests erhalten zwei ehrenamtlich tätige Bürgerinnen die Bartholomäus-Plakette für besondere Verdienste für die Stadtkirche. Die Zahnärztin Agnes d’Albon, die kostenlose Sprechstunden für mittellose Patienten anbietet, und die in der Seniorenarbeit engagierte Bornheimerin Angelika Kaupp. 

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