© Rolf Oeser, FR
Hingucker: Alte Einsatzfahrzeuge des Feuerwehrmuseumsverein auf dem Alten Flugplatz.
Bonames/Kalbach
Frankfurt

Löschen mit Muskelkraft

Von André Daub
08:32

Der Baum wirft einen Schatten auf das leuchtend rote Fahrzeug. „Es erinnert mich immer an ein Kutsche“, sagt Uwe Baumkötter, Vorsitzender des Feuerwehrmuseumsvereins Rhein-Main, liebevoll. Eine kleine Menschenmenge hat sich vor dem Gefährt versammelt, das, wie Kenner Baumkötter erklärt, ein Löschfahrzeug ist. Nämlich ein Magirus-Deutz KS 25 aus dem Jahr 1933, ausgestattet mit einer Kraftspritze, deren Pumpe bis zu 2500 Liter pro Minute fördert.

„Das Besondere daran ist“, erklärt Baumkötter, „dass die Karosserie von einem Stellmacher komplett aus Holz gefertigt und anschließend mit Blech verkleidet wurde.“ Wie bei einer Kutsche eben. Gekühlt wird der Löschwagen nicht durch Wasser sondern Luft. „Somit gefriert im Winter das Kühlwasser nicht und im Sommer überhitzt auch nicht der Motor“, so Baumkötter.

Der Magirus-Deutz gehört zum Fuhrpark des Museums, der am Sonntag beim Feuerwehrfest auf dem Alten Flugplatz Bonames / Kalbach dem Publikum präsentiert wird. Alle Fahrzeuge werden von den Vereinsmitgliedern regelmäßig gewartet und betriebsbereit gehalten. Blickfang unter den historischen Tanklöschfahrzeugen und Leiterwagen ist ein Opel-Blitz-Löschzug aus dem Jahr 1956.

Der hat es auch Rudolf Herfurth und seinem Sohn Björn angetan. Die beiden sind nicht zum ersten Mal hier. Früher haben sie in Niederursel gewohnt. Damals war der Flughafen gerade von den Amerikanern verlassen worden. „Da hat das ganze Gelände noch keinen solchen Eindruck gemacht“, berichtet Rudolf Herfurth. Jetzt sind die beiden aus Bad Homburg angereist, um den Fuhrpark zum ersten Mal auf freier Fläche zu begutachten. „Wir genießen das Open-Air-Feeling hier draußen“, sagt sein Sohn Björn.

Etwas beengter und weitaus nostalgischer ist es in der Ausstellungshalle. Die Sammlung in der Ausstellung erinnert ein wenig an eine Petersburger Hängung. Überall finden sich kleine Fundstücke und Geschichten. Die Besucherer kommen hier sehr nah an die Exponate heran. Zwischen historischen Feuerwehruniformen und dem Unikat der Ausstellung, einer 130 Jahre alte Dampfspritze von Mayweather & Sons aus London, die in Deutschland nur noch in Bonames zu sehen ist, erklärt Vereinsmitglied Michael Holz die Bedienung einer alten Handdruckspritze: „Die Arbeit an der Pumpe ist sehr intensiv, alle zehn Minuten mussten die Einsatzkräfte ausgetauscht werden.“ Plackerei und Muskelschweiß verbirgt sich auch hinter einer Feuerpatsche. Die kommt zur Bekämpfung von Bodenfeuer bei Waldbränden zum Einsatz und sieht aus wie ein Metallfächer an einem Spatenstiel.

Auch wenn die Atmosphäre sehr innig ist, wünscht sich der Verein einen Ausbau seiner Flächen. Unterstützung finden sie dabei anscheinend bei Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein (CDU). Den beiden habe das Fest und die Ausstellung so gefallen, sagt Baumkötter, dass sie „gewogen sind, dem Verein Zuwendungen zukommen zu lassen“.

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