© Peter Jülich, FR
Wöhler-Schülerinnen sammeln Schraubverschlüsse von Getränkeflaschen für den guten Zweck.
Dornbusch
Frankfurt

Mit Deckeln Leben retten

Von Moritz Elliesen
16:49

Die ersten Plastikdeckel bringt Georgia vorbei. Die Fünftklässlerin hat einige Mühe, den prall gefüllten Müllbeutel über den Schulhof zu schleppen. Rund 2000 bunte Schraubverschlüsse von Wasser-, Limo- und Saftflaschen hat sie in den vergangenen drei Wochen gesammelt. „Und morgen bringe ich noch eine Tüte vorbei.“

Georgia sitzt an der Quelle: Ein Freund der Familie arbeitet bei Edeka und beliefert sie direkt aus dem Pfandlager. Knapp fünf Minuten nach Pausenbeginn sind die vier Kartons, die Carla, Isabel, Clara und Eva zum Einsammeln mitgebracht haben voll. „Ich bin überrascht von dem Ansturm“, sagt Carla. „Ich dachte, die kommen alle nur mit einer kleinen Einkaufstüte.“ Mit ihren Mitstreiterinnen von der Arbeitsgruppe „Umwelt und Soziales“ organisieren die vier Freundinnen die Sammelaktion an der Wöhlerschule.

Die Plastikdeckel übergeben sie an den von der Wohltätigkeitsorganisation Rotary-Club getragenen Verein „Deckel drauf“. Der Verein verkauft die Schraubverschlüsse aus Kunststoff kiloweise an Recycling-Unternehmen weiter. Vom Erlös finanziert er Impfungen in Entwicklungsländern gegen die oft tödliche Kinderlähmungskrankheit Polio.

Die Idee für die Sammelaktion kam den vier Zehntklässlerinnen im Politikunterricht. Es ging um globale Ungerechtigkeit und soziale Ungleichheit. „Da entstand die Idee, dass wir etwas unternehmen“, erzählt Clara. Von Carlas Mutter erfuhren sie vom Deckel-Projekt und waren direkt begeistert. „Das Tolle ist, dass man als Kind etwas bewirken kann, ohne Geld auszugeben“, sagt Carla. Verlust macht niemand: Den Pfandautomaten ist es egal, ob der Deckel auf der Flasche ist oder nicht. „Für uns sind sie Müll, aber anderen Kindern können die Deckel das Leben retten.“

Vor knapp drei Wochen klapperten sie die Klassen der Wöhlerschule ab und warben für das Projekt. Um die Schüler anzuspornen, haben sie die Aktion als Wettbewerb verpackt: Die Klasse mit den meisten Deckeln bekommt drei selbstgebackene Kuchen zur Belohnung. Noch bis heute können die Schüler die Schraubverschlüsse während der großen Pause abgeben – dann wird ausgezählt, um die Gewinnerklasse zu ermitteln.

Auch Jasper und Emirhan waren fleißig. Die beiden liefern den Ertrag der Klasse 5d am Stand ab. Rund 1000 Deckel sind es. Dass es Länder gibt, in denen Impfungen nicht von Krankenkassen bezahlt werden, wussten die beiden vor der Aktion nicht. „Es ist immer gut, anderen zu helfen“, sagt Jasper. Eine Impfdosis kostet umgerechnet 40 Cent – das entspricht dem Wert von rund 500 Deckeln. Zum Ende der Pause stapeln sich hinterm Stand die prallgefüllten Müllbeutel. „Das sind um die 30 000 Deckel“, glaubt Carla. Rund 60 Impfungen ließen sich davon bezahlen.

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