© Christopf Boeckheler, FR
Beim ersten Treffen im Februar ist es noch recht kalt.
Eschersheim
Frankfurt

Begegnungen im Grünen

Von Greta Zimmermann
15:16

Trostlos wirkt die Grünfläche am Spielplatz in der Straße Am Lindenbaum. Unweit der Kirchhainer Straße hat das Gras auf dem matschigen Boden seine grüne Farbe längst verloren. Ein mit Graffiti besprühtes Stromhaus wirft einen Schatten auf den Platz. Früher stand ein Kiosk hier, der durch ein Feuer zerstört wurde. Die Fläche war lange Zeit mit Bierflaschen und Unrat verdreckt. Doch genau hier am Wasserturm in Eschersheim soll schon bald eine Oase entstehen.

„Tortuga Eschersheim“ heißt das Projekt unter der Leitung von Kuwe Fritz und Anna Palm. Mit einem öffentlichen Garten möchten sie eine Begegnungsstätte im Stadtteil schaffen. „Man soll sich austauschen können“, sagt Fritz. Das Obst und Gemüse, das hier angebaut wird, soll den Menschen ein Gefühl für saisonale und regionale Produkte geben.

Der Garten soll in erster Linie ein Zufluchtsort sein, sagt Fritz. Einige Nachbarn seien besorgt, dass die Gärtner laut seien. Das Gegenteil sei der Fall. „Man soll hier entschleunigen“, sagt der Projektleiter. Als Maskottchen des Vereins hat er sich deshalb die Schildkröte, spanisch „Tortuga“, ausgesucht. Sie stehe symbolisch für die Ruhe und Langlebigkeit, die den Garten ausmachen.

Das Eschersheimer Projekt erhält bis zu 71 000 Euro aus dem bundesweiten Förderprogramm „Kurze Wege für den Klimaschutz“ und 4000 Euro vom Frankfurter Energiereferat. Gemeinsam mit Anna Palm wird Kuwe Fritz den Garten zwei Jahre lang betreuen. Die Fördergelder ermöglichen den Leitern eine Anstellung beim Frankfurter Klimaschutzverein Transition Town und das Gehalt eines Minijobs. Sie schaffen Gartengeräte an und ein Lastenrad-Anhänger. Mit dem elektrisch betriebenen Anhänger wird unter anderem das Holz für die Hochbeete abgeholt.

„Wir machen die Hochbeete für den Garten selbst“, sagt Kuwe Fritz. Bei der Herstellung wird dabei auf die Nachhaltigkeit des Materials und auf kurze Transportwege geachtet. Die Hochbeete werden aus altem Palettenholz gebaut. Das Thema Holzrecycling ist ein wichtiger Teil des Eschersheimer Projekts. Es gibt dazu Workshops mit einem Schreiner.

Im Gegensatz zu den Gewinnern aus Ginnheim stehen die Eschersheimer mit ihrem Garten am Anfang. Für die Zukunft sind Kochkurse, eine Samentauschbörse und andere Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit geplant. Sie werden in anliegenden Einrichtungen stattfinden.

Die Bepflanzung des Gartens wird gemeinsam mit den Anwohnern stattfinden. Patenschaften sollen die regelmäßige Pflege der Beete in Zukunft sichern. Nach Ablauf der zwei Finanzierungsjahre soll sich der Garten durch die ehrenamtlichen Helfer selbst tragen. Die Projektteilnehmer haben bereits den Müll entfernt. Damit der schattige Platz mehr Sonne abbekommt, musste außerdem ein Baum gefällt werden. Rindenhäcksel auf dem Boden sollen einen besseren Halt bieten. Anschließend werden die Hochbeete gebaut und bepflanzt. Das Stromhaus soll mit Hilfe von Spalieren ebenfalls begrünt werden.

Damit sich so viele Eschersheimer wie möglich am Projekt beteiligen, stehen Fritz und Palm in Kontakt mit den örtlichen Vereinen und Organisationen. Regelmäßig kommen sie mit dem Jugendbüro, dem Ortsbeirat oder der Stadtteilinitiative Liebenswertes Eschersheim zusammen, um Fortschritte und Ideen zu besprechen.

„Wir finden das Projekt super“, sagt Astrid Iannotti vom Jugendbüro. Die Einrichtung ist nur wenige Meter vom neuen Garten entfernt. Sie möchte sich in Zukunft mit den Jugendlichen am Projekt beteiligen. „Das macht den Kindern bewusst, dass es eben nicht normal ist, eine Tomate im Winter im Supermarkt zu kaufen“, sagt Iannotti.

Für Ortsbeiratsmitglied Donna Ochs ist das Projekt ein Vorbild für Klimaschutzaktionen im Stadtteil: So schnell könne aus einer leeren Grünfläche eine klimafreundliche Nutzfläche entstehen. „Ich habe da auch schon ein paar Ideen, wo man solche Gärten noch pflanzen könnte“, sagt sie.

Lesen Sie weitere Berichte aus Eschersheim   Zur Startseite