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Ein kunterbuntes Dinner am Fuße des Wasserturms.
Eschersheim
Frankfurt

Picknick unterm Wasserturm

Von Clemens Dörrenberg
13:24

An sechs langen Tafeln sitzen sie am Fuße des Wasserturms zusammen. Es wird Wassermelone aufgeschnitten und verteilt. Salatschüsseln werden über Tische gereicht und Wein in Gläser sowie Becher gegossen.

Zum „Kunterbunten Dinner“, veranstaltet von der Bürgerinitiative „Li(e)benswertes Eschersheim“, sind am frühen Samstagabend rund 80 Menschen zusammen gekommen. Ihr Essen und ihre Getränke haben die Gäste selbst mitgebracht. Es wird fröhlich geplaudert, unter anderem über einen Tatort-Krimi, der vor einigen Jahren im Viertel gedreht wurde und für viel Unannehmlichkeiten bei den Anwohner gesorgt habe.

Auf dem Tisch vor einem Quartett steht neben Weingläsern, gefüllt mit Rosé, eine Platte mit verschiedenen Käsesorten, Wurst und Weintrauben. Sie seien „aus dem Westen von der anderen Seite der Eschersheimer Landstraße“ zum Wasserturm, an der Ecke Ulrichstraße/Am Lindenbaum, herüber gekommen, berichten die Vier. Als eine Frau an den Tisch tritt und Nudelsalat anbietet, wehren alle ab. „Danke, wir sind gut genährt“, sagt Norbert Tuchscherer. Seine Tischnachbarin bezeichnet diese Art des Picknicks als „ausgesprochen nette Idee“. Tillmann Block, der gegenüber sitzt, sagt: „Ich wohne seit 30 Jahren hier und kenne den Wasserturm nur als verschlossene Brache“. Block ergänzt: „Es wird Zeit, dass er regelmäßig öffentlich zugänglich gemacht wird“.

Aus dem umzäunten Hof schallen Klarinettenklänge in den angrenzenden kleinen Park mit Spielplatz. Dort haben die Initiatoren vor zwei Jahren ihr erstes improvisiertes Abendessen gefeiert. Im letzten Jahr durften sie dann auf das Gelände des Wasserturms, der dem Stromkonzern Mainova gehört und an eine katholische Studentenverbindung vermietet ist. „Wir versuchen mehr nachbarschaftliche Nähe zu ermöglichen“, sagt Lucia Steinrücke von der Initiative, die seit fünf Jahren im Stadtteil aktiv ist und historische Führungen, Lesungen und Konzerte organisiert. Georg Poppke, ebenfalls Mitglied, ergänzt: „Im Viertel war lange nichts los, das wollten wir ändern, ganz niedrigschwellig, wie hier, wo jeder sein Essen selbst mitbringt“.

Das Quartier habe den großen Nachteil, dass es keine Mitte gebe und durch die U-Bahngleise in zwei Hälften geteilt sei. „Das historische Bauwerk des Wasserturms ist das einzige Wahrzeichen“, sagt Werner Theobald, ebenfalls von der Initiative. 1901 sei der Wasserturm gebaut und neun Jahre später still gelegt worden, nachdem Eschersheim eingemeindet wurde. „Wir versuchen das Denkmalamt zu pushen, damit der Wasserturm nicht verfällt“, berichtet Steinrücke. Denn auch im kommenden Jahr wollen sie dort wieder zum gemeinsamen Abendessen einladen.

Weitere Informationen und Kontakt zur Bürgerinitiative gibt es auf www.liebenswertes-eschersheim.de.

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