© Peter Jülich, FR
Lehrer Vladimir Covaliov bringt Kindern das Gitarrespielen bei.
Eschersheim
Frankfurt

Wo Ed Sheeran auf ACDC trifft

Von Jan Klauth
15:03

Eigentlich ist Vladimir Cuvaniow Fan der härteren Klänge. Hardrock von Led Zeppelin oder Deep Purple spielt der Gitarrist am liebsten, wenn er mit seiner Band auftritt. Heute allerdings steht der britische Popsänger Ed Sheeran auf dem Spielplan – denn so hat es sich Schüler Julius gewünscht.

Vor knapp drei Monaten ist der 12-jährige Ginnheimer an die Modern Music School gewechselt. „Mein ehemaliger Lehrer hat uns die Songs vorgeschrieben“, erzählt er. Dabei sei das Niveau für Anfänger wie ihn deutlich zu hoch gewesen. „Einen Monat lang haben wir vergeblich versucht ACDC-Songs zu spielen“, erinnert sich Julius. An der Eschersheimer Schule hingegen geben die Schüler selbst die gewünschten Probestücke vor – auch wenn diese nicht immer den Geschmack des Lehrers treffen. „Privat bin ich kein Ed Sheeran Fan“, sagt Cuvaniow. Durch seine Schüler spiele er wöchentlich neue Songs, die er in sein Repertoire aufnimmt. „Ein Lerneffekt auf beiden Seiten.“

Tobias Haug, Leiter der Modern Music School auf der Eschersheimer Landstraße, führt durch die Räume. 2006 eröffnete er den Frankfurter Ableger des Franchise-Unternehmens in Eckenheim, seit 2010 ist die Musikschule in Eschersheim beheimatet.

„Ein guter Standort“, findet er: Die Anbindung durch die vier U-Bahnlinien sei perfekt, viele Pendler seien auch durch das Schild an der Außenwand auf die Schule aufmerksam geworden. Zuvor war neben einem Maklerbüro im Gebäude mit der Nummer 563 auch das Konsulat der Republik Uganda untergebracht. „Noch heute flattern manchmal Briefe für das Konsulat ins Haus“, erzählt Haugund lacht.

Der Standort in Eschersheim zieht Schüler aus der gesamten Stadt an. So viele, dass Haug Ende vergangenen Jahres expandierte: 2017 eröffnete die zweite Frankfurter Music School im Stadtteil Bockenheim. Damit reiht sie sich in den internationalen Trend ein: Mehr als 70 Schulen des Franchise-Unternehmens hat Gründer Hans-Peter Becker mittlerweile eröffnet – zuletzt etwa in Dubai, Kanada und dem Iran.

Was also macht die Music School so erfolgreich? Tobias Haug ist sich sicher: „In den meisten Fällen sind unsere Lehrer professionelle Berufsmusiker mit jahrelanger Erfahrung.“ Die wenigsten hätten – wie etwa bei städtischen Schulen – Musikpädagogik studiert. „Natürlich eignet sich aber nicht jeder Band-Frontmann als Lehrer“, sagt Haug schmunzelnd. Hier kommt die zweite Besonderheit der Music School ins Spiel: Wer Lehrer werden möchte, muss das hauseigene Ausbildungsprogramm absolvieren.

Haug selbst hat einen ähnlichen Werdegang; zunächst hatte er mit Musik nur wenig am Hut. Als Kind lernte er – mehr oder weniger freiwillig – Blockflöte und Klavier. „Mit 18 habe ich mir dann selbst Gitarre beigebracht“, sagt er. Das klappte so gut, dass er sich sein Studium mit Nachhilfestunden finanzierte. Als Diplom-Geograph arbeitete Haug zunächst in verschiedenen Planungsbüros, bis er sich dazu entschied, sein Hobby zum Beruf zu machen.

Besonders an der Music School ist die Vierzügigkeit des Unterrichts. Hobbymusiker können zwischen „Personal“, „Team“, „Band“ und „Professional“-Programmen auswählen. Konkret heißt das, die Schule ist nicht nur auf klassischen Einzelunterricht ausgerichtet. „Wer etwa E-Gitarre oder Schlagzeug spielt, findet bei uns oft Bandkollegen und übt unter professioneller Leitung“, erzählt Haug. So sind beispielsweise die Rock-Gruppen „Blast The Hero“ und „From Rough To Fine“ aus der Schule hervorgegangen.

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