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Wo ist das Ei? Blau-Weiß hat es, Gelb-Blau will es.
Frankfurt-Dornbusch
Frankfurt

„Am liebsten tackle ich“

Von Laura Franz
08:40

Go, go, go!“, rufen ein Dutzend Eltern im Chor, während sich ihre Sprösslinge auf dem Kunstrasenplatz übereinander werfen – nur eine von vielen Raufereien, die am Wochenende am Dornbusch dargeboten werden. Auf dem Vereinsgelände des SC Frankfurt 1880 findet zum neunten Mal das Rugby-Jugendfestival statt, bei dem mit reichlich Körpereinsatz um das „Ei“ gerungen wird.

Es ist die größte deutsche Veranstaltung für die Rugby-Jugend, die seit 2010 Teams aus ganz Europa in die Feldgerichtstraße lockt. Rund 1000 Teilnehmer aus sieben Nationen sind der Einladung des Sportklubs diesmal gefolgt. Sieben Felder werden am Samstag und Sonntag zeitgleich bespielt und bejubelt.

Angefeuert wird vornehmlich in Englisch. Neben französischen, belgischen und deutschen Mannschaften sind auch Waliser und Engländer rege vertreten, ist Rugby doch einst der englischen Fußballtradition entsprungen. Von den Regeln her haben die Sportarten heute nicht mehr viel gemein. So ist der Ball beim Rugby eiförmig statt rund und wird vorwiegend mit den Händen und nicht mit den Füßen zum H-förmigen Tor („Stangen“) befördert.

Nicole Walter findet das gut: „Endlich mal was anderes als immer nur Fußball!“ Ihr Sohn Jamil ist seit acht Jahren Mitglied beim SC 1880. „Wir haben einige Zeit in England gelebt, daher Rugby“, erklärt Walter. Den Sport zeichne für sie aus, dass er ganz unterschiedliche Spielerpositionen anbiete. Kinder mit verschiedensten Voraussetzungen könnten sich in eine Rugby-Mannschaft einfügen: „Mal ist Schnelligkeit gefragt, dann Kraft.“ Auch die Körpergröße und die Gewichtsklasse können innerhalb eines Teams stark variieren.

Spannender als Fußball

Beim Festival am Samstag und Sonntag werden nur Altersklassen unterschieden: U8, U10, U12 und U14. Die meisten Teams lässt der Gastgeber SC 1880 antreten, rund 150 Kinder sind es an der Zahl. Der achtjährige Lennox Pete (U10) ist einer von ihnen. Er kommt gerade vom Spielfeld: „Lief nicht ganz so gut“, sagt er und zuckt mit den Achseln. Zum Rugby kam er durch seinen Vater. Und was gefällt ihm an dem Sport? Dass er von den Bewegungsabläufen her „viel spannender als Fußball“ sei. „Am liebsten tackle ich“, verrät er und grinst breit.

Anders als beim American Football darf beim Rugby nur der Ballträger von den Beinen geholt werden. Hier kommen wieder die offenen Gedränge („Rucks“) ins Spiel, die mitunter recht brutal wirken. Die Eltern am Spielfeldrand nehmen es gelassen. „Rugby ist nicht gefährlicher als andere Sportarten“, sagt Tilmann Gempp-Friedrich, Vater des 13-jährigen Emil, der seit vier Jahren beim Sportklub spielt. Auch Nicole Walter kann das bestätigen: „Mein Sohn hat sich beim Rugby noch nie eine größere Verletzung zugezogen.“

In England heißt es deshalb oft: „Football is a gentlemen’s sport played by hooligans. Rugby is a hooligan’s Sport played by gentlemen.“ Entsprechend wird beim Rugby nahezu frei von Körperschutz gespielt. „Mundschutz und Respekt gegenüber den Regeln und Mitspielern, das sind unsere Sicherheitsvorkehrungen“, erklärt Schiedsrichter Joshua Stock aus Karlsruhe. Er ist zum zweiten Mal in Frankfurt dabei. „Der SC leistet hier hervorragende Jugendarbeit und ist extrem gut vernetzt“, betont er. 72 Teams konnte der Verein für die neunte Auflage seines Sportfestivals gewinnen – und machte Frankfurt einmal mehr zum Zentrum des europäischen Jugendrugbys.

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