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Auch Livemusik gehörte zum bunten Abendprogramm.
Frankfurt
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Opferfest-Gala im Nordwestzentrum

Von Laura Franz
07:34

Wie gehen wir mit Chemnitz um? Diese Frage stellen sich am Samstag auch die Veranstalter der alljährlichen Opferfest-Gala im Nordwestzentrum. Anlässlich der jüngsten Ereignisse in Sachsen und parallel zur Kundgebung „Herz statt Hetze“ legte der Verein TUN-Moschee die öffentliche Feier des höchsten muslimischen Fests bewusst auf den Antikriegstag. „Alles steht in diesem Jahr unter dem Motto Frieden“, sagt Mustapha Lamjahdi, Vorsitzender des TUN-Vereins.

TUN steht für Toleranz und Nähe, deshalb feiert der Verein mit Sitz in Heddernheim sein Opferfest, neben dem Zuckerfest das bedeutendste Fest der Muslime, seit 2010 öffentlich. „Egal, welche Nationalität, Konfession oder Überzeugung – jeder ist willkommen“, betont Lamjahdi. „Unser Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen und den Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft zu stärken.“

Und das Konzept geht auf: Seit acht Jahren begeht sein Verein jährlich gemeinsam mit 300 bis 400 Gästen ganz unterschiedlicher Herkunft sowohl das Opfer- als auch das Zuckerfest.

Am Samstag lockt ein buntes Unterhaltungsprogramm in den Saalbau. Im Laufe des Abends treten muslimische Bands auf und bekannte Komiker wie Amjad, der „erste deutsch-palästinensische Comedian“, sorgen für Stimmung. „Das Programm soll hauptsächlich das Interesse an der Veranstaltung wecken. Primär geht es hier um den Austausch“, sagt Lamjahdi. So gibt der islamische Theologe und Autor Benjamin Idriz in seinem Vortrag Impulse für eine Diskussion. Es geht um Identitätsfragen, um Toleranz, Interkulturalität und Zusammenhalt in Zeiten des wieder aufkeimenden Rechtsextremismus.

Auch die Religion spielt eine Rolle. Eröffnet wird der Festakt mit einer Koranrezitation, im Foyer des Titus-Forums ist ein Gebetsbereich eingerichtet und es werden traditionelle Speisen wie marokkanische Berber-Teigfladen oder Sellou, ein Sesam-Honig-Gebäck, angeboten.

Wie das Opferfest begangen wird

„Richtig gefeiert wurde aber schon am 21. August“, erzählt Samira Akhouagi. „Da sind wir morgens in die Moschee gegangen und haben später mit der Familie gegessen.“ Serviert wurde ein Lamm aus einer Opferschlachtung – „in Anlehnung an den Propheten Abraham, der Allah seinen Sohn Isaak opfern sollte“, erklärt Akhouagi. Als Allah seine Bereitschaft sah, hat er Abraham Einhalt geboten. Aus Dankbarkeit opferte Abraham stattdessen ein Tier.

„Auch wenn das Opferfest eigentlich ein Familienfest ist, ist es schön, hier auf der Gala noch einmal im größeren Rahmen zu feiern und bekannte Gesichter zu sehen“, sagt Akhouagi. „Hier trifft man dann Nachbarn, Freunde, Leute aus der Moschee, auch Muslime aus anderen Ländern.“ Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, ihre Eltern stammen aus Marokko.

„Jeder Kulturkreis feiert das Opferfest ein bisschen anders. Hier kommen alle zusammen und eine neue Tradition entsteht“, sagt Lamjahdi. Neben Marokkanern gebe es etwa eine große Gruppe Tunesier, Syrer, Türken oder Afghanen im Frankfurter Nordwesten. Auch Anhänger der evangelischen und katholischen Kirche sind gekommen – „und sie alle treten in den Austausch miteinander. Das ist großartig.“

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