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Im Cafébereich können die Jugendlichen Play-Station spielen, essen, entspannen – oder laut Musik hören.
Frankfurter Berg
Frankfurt

Zocken, chillen und für die Zukunft lernen

Von Fabian Böker
08:54

Jeder dürfte eine eigene Vorstellung davon haben, wie ein Jugendhaus auszusehen hat, wie es in ihm zugehen soll. Doch egal, wie diese Vorstellungen aussehen: Wer einmal die Einrichtung am Frankfurter Berg besucht hat, kann guten Gewissens sagen, dass sie der Idealvorstellung sehr nahekommt.

Sie ist beim Ortstermin an einem Donnerstagnachmittag zwar nicht so gut besucht wie sonst. An diesem Tag hat der Ramadan angefangen, da bleiben viele muslimische Besucher zu Hause. Dennoch ist Leben in den Räumlichkeiten an der Julius-Brecht-Straße, im Schatten der Hochhäuser. 

Links, im Café-Bereich, lümmeln vier Jugendliche auf Sesseln und einem Sofa. Sie zocken Play-Station, natürlich Fußball. Aus der einsehbaren Küche dringt wohliger Duft ins Zimmer, aus den Boxen dröhnt Gangstarap der 187 Straßenbande, einer Rap-Gruppe aus Hamburg. 

Am Ende des Ganges sitzen etwas jüngere Semester an den Computern, denn noch hat das Jugendhaus kein WLAN. Das soll sich aber sehr zeitnah ändern, der Antrag ist schon gestellt. Im Lernzimmer auf der rechten Seite des Flurs sitzen Jonathan und Safa. An den beiden wird exemplarisch deutlich, für was das Jugendhaus steht und welche Ziele Leiter Ayhan Toprak verfolgt.

Jonathan ist 24, kommt vom Frankfurter Berg, hat aber seine Jugend gar nicht wirklich im Jugendhaus verbracht. Mittlerweile studiert er, seit zwei Jahren ist er regelmäßiger Besucher hier. Er hat damit die eigentliche Zielgruppengrenze von 21 Jahren überschritten, „aber darum geht es nicht“, sagt Toprak. „Wir wollen für alle Menschen im Stadtteil da sein.“ Jonathan weiß das zu schätzen. Er möge die angenehme Atmosphäre im Haus, „es ist geradezu familiär“. Man könne „Leute treffen, die man kennt, und einfach eine schöne Zeit verbringen“.

Aber nicht nur das. Denn Jonathan sitzt nicht ohne Grund mit der zwölfjährigen Safa am Tisch. Er hilft dem Mädchen bei den Hausaufgaben. Safa wohnt in Preungesheim, aber ihre Mutter arbeitet im Jugendhaus. Bis zu vier Mal pro Woche ist sie auch selbst zu Besuch, hat Freunde im Jugendhaus, „mit denen ich gerne spiele“.

Derartige Tandems aus Älteren, die Jüngeren helfen, gibt es mehrfach. „Das hat sich mit der Zeit so ergeben“, erinnert sich Leiter Ayhan Toprak. Für ihn ein Zeichen der starken Gemeinschaft innerhalb der bunt gemischten Besucherschaft, die in der Regel zwischen 15 und 21 Jahre alt ist. Bis zu 60 kommen pro Tag, darunter mindestens 30 bis 40 Stammgäste.

Und dabei lernen sie nicht nur oder sitzen vor der Play-Station. Sie können ein Sportzimmer nutzen, mit Sandsack und Matten. Sie können im Musikraum Instrumente spielen, dieses Angebot nutzt an Wochenenden auch gerne eine externe Band. Im Obergeschoss stehen Billard- und Kickertische. Kurz: Die Jugendlichen können dort einfach ihre Freizeit verbringen. Wie, das ist ihnen überlassen – im Rahmen gewisser Regeln, zu denen auch das Verbot von Drogenkonsum gehört. 

„Wir überlegen uns ein halbes Jahr im Voraus ein Programm, gemeinsam mit den Jugendlichen“, sagt Toprak, „Der Partizipationsgedanke ist uns wichtig.“ Wenn aber spontan etwas anderes interessanter sei, könnten die Besucher auch das machen. „Wir wollen keine starren Strukturen“, beschreibt der Leiter sein Konzept.

Zu diesem zählt der regelmäßige Austausch mit dem Teenie-Café in der nahe gelegenen Sonnentaustraße. Die Einrichtung wird ebenfalls von Toprak geleitet, befindet sich auch in Trägerschaft des evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit und richtet sich an Elf- bis 15-Jährige. Das Team dort, bestehend aus zwei Mitarbeitern, und die drei Pädagogen des Jugendhauses tauschen auch immer mal wieder ihre Arbeitsplätze. Der Vorteil: Wenn ein Jugendlicher für das Teenie-Café zu alt wird und in das Jugendhaus wechselt, findet er dort sofort vertraute Gesichter vor.

Michael Bartam-Sitzius, Vorsitzender des Bürgervereins Frankfurter Berg, wohnt in der Nachbarschaft. Das Jugendhaus sei aufgrund seines Konzeptes eine „absolute Erfolgsgeschichte“, lobt er. Wichtig sei auch, dass die Jugendlichen dort bei ihren Bewerbungsschreiben Hilfe erhalten. „Ich möchte nicht wissen, was aus manchen Leuten geworden wäre, wenn sie diese Unterstützung nicht gehabt hätten.“ 

Alle Infos online unter: www.jugendsozialarbeit-evangelisch.de.

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