© Peter Jülich, FR
Techno-Musiker Jan Veil am Klavier in seinem Haus in der Grillparzer Straße.
Künstler in Frankfurt
Frankfurt

Zum guten Techno gehört auch Gesang

Von Jan Klauth
10:33

Als Frontmann der Artpop-Band „Moskwa TV“ feierte Jan Veil in den 80er und 90er-Jahren internationale Erfolge. Zum großen Durchbruch kam es indes nie. Seit dem Aus der Band ist der Musiker solo aktiv. Unser Autor Jan Klauth hat Veil in seinem Haus im Dichterviertel getroffen.

Herr Veil, Sie stießen Mitte der 80er Jahre zur Kultband Moskwa TV, die bis dahin keinen Sänger hatte. Wie kam das?
Während meines Germanistik- und Psychologiestudiums arbeitete ich unter anderem als Model. Hobbymäßig drehte ich kleine Videos, in denen ich Songs coverte. Einige davon gelangten über zwei, drei Ecken zur Plattenfirma CBS, bei der meine erste Single erschien. CBS empfahl mich an die Jungs von Moskwa TV weiter, die auf der Suche nach einem Sänger waren.

Vielen Szenekennern ist Moskwa TV heute noch ein Begriff. Warum hat die Band nie den großen Durchbruch geschafft?
Das lag auch am schlechten Timing (lacht). Unsere Single „Tell me tell me“ lief in den Radiosendern einiger US-Städte. Wir waren kurz vor dem US-Release, den unsere Plattenfirma „Westside“ mit der „Metronome“ lanciert hatte. Das war Anfang der 90er. Dann ging Westside konkurs. Metronome, die viel Geld für den Deal gezahlt hatte, stellte prompt alle Promo-Aktivitäten in Deutschland ein und stoppte den Release in den Staaten.

Und was geschah mit der deutschen Veröffentlichung?
„Javelin“ erschien mit einer Erst-Auflage von 10 000 Stück. Praktisch ohne Werbung. Der große kommerzielle Erfolg blieb aus. Das bedeutete das Ende von Moskwa TV. Für mich stand aber fest, dass ich unter dem Namen Ion Javelin – ein Anagramm meines bürgerlichem Namens – weiter Musik machen würde.

Wie ging es musikalisch weiter?
Unsere Musik hatte nur wenig gemein mit jener, zu der sich Techno gegen Ende der achtziger Jahre zu entwickeln begann. Durch mich als Sänger wurde der Trend hin zum Elektro-und Artpop und weg vom maschinellen Techno weiter verstärkt. In den Neunzigern dominierte aber zunehmend härter, unmelodiöser und stumpfer werdender Techno und House. Die Beschränkung auf zwei, höchstens drei Harmonien pro Titel ödete mich an. Zu guter elektronischer Musik gehören klare Song-Strukturen, Melodienvielfalt und auch Gesang.

Man kann also sagen, Sie passten nicht ins Format des massentauglichen Technos. Trotzdem machten Sie weiter Musik.
Ja, vor allem mit dem Produzenten und Keyboarder Volker Barber. Wir arbeiten gelegentlich zusammen. Entstanden sind zahlreiche Einzeltitel und zwei fertig produzierte Alben. Erschienen sind die aber bis heute nicht.

Warum nicht?
Die Titel fanden zwar Beachtung, wir waren mit großen Labels im Gespräch. Die hielten die Musik Mitte der 90er Jahre allerdings für kaum vermarktbar. Damals beschloss ich, mit einer Veröffentlichung lieber auf günstigere Zeiten zu warten. Es schoben sich aber wiederholt neue Projekte, einige Kinder und so manches mehr dazwischen.

Sie treten vor allem als Songwriter und Sänger auf. Wer sind Ihre Vorbilder?
Das reicht vom jungen Elton John über Bryan Ferry und Peter Murphy bis hin zu Dave Gahan und Richard Ashcroft. Oft wurde mir gesagt, meine Stimme ähnele der David Sylvians oder Howard Jones‘. Dem möchte ich keineswegs widersprechen (lacht).

Machen Sie heute noch Musik?
Zurzeit leider nur sporadisch. Mein letztes Album erschien 2011 unter dem Titel „Time for Change“. Auch war ein Comeback von Moskwa TV geplant, das aber leider nicht zustande gekommen ist. Momentan arbeite ich gelegentlich mit Andreas Motke zusammen. In seinem Studio bei Groß-Gerau sind einige Songs am Entstehen. Ein Release liegt zwar noch in weiter Ferne, wird dann aber eventuell sogar als Doppelalbum kommen.

 

Interview: Jan Klauth

Lesen Sie weitere Berichte aus Dornbusch   Zur Startseite