© Peter Juelich, FR
Die Handballerinnen der TSG Frankfurter Berg trainieren im Sportpark Preungesheim.
Mädchenhandball-Abteilung in Frankfurt
Frankfurt

Weiblicher Teamgeist

Von Fabian Böker
20:31

Es geht laut zu in der Halle des Sportparks Preungesheim, wenn die rund 20 Mädchen der TSG Frankfurter Berg Handball spielen. Sie rennen, passen, werfen – und haben vor allem eins: viel Spaß. Trainer Lothar Höller steht am Rand und schaut zufrieden zu. Er weiß, dass hier nicht einfach nur trainiert wird. Hier nimmt ein Projekt Gestalt an, dessen Erfolg so nicht absehbar war und das Höller und viele andere im Verein stolz macht. Denn die TSG Frankfurter Berg bietet die einzige Handballabteilung nur für Mädchen in ganz Frankfurt an. Ganz ohne Jungs. Auch nicht in einer anderen Trainingsgruppe.

Alles hat mit einer Annonce der TSG angefangen. Der Verein suchte weiblichen Nachwuchs für seine Handballabteilung. Die existiert seit Ende der 50er Jahre. Doch im Jahr 2013 gab es nur noch eine Damen-Mannschaft, Jugendteams fehlten. Für einen damals schon erhofften Einzug in den neuen Sportpark keine gute Voraussetzungen.

Die TSG, sagt der heutige Vorsitzende Siegfried Linden, startete daher ein Projekt mit zwei Schulen. Ziel war es, Mädchen an den Verein zu binden. Für Jungen gab es ausreichend Angebote, der Fußballplatz war ausgelastet. „Aber wir wollten unser Leitbild der Integration ausweiten“, so Linden.

Und die Mädchen kamen, darunter die beiden Töchter von Lothar Höller. Der bemerkte sofort, dass es an Infrastruktur mangelte. Schnell engagierte er sich selbst, andere Eltern schlossen sich an. Man fuhr die Kinder zum Training, leitete Übungseinheiten an, kümmerte sich um die Vernetzung. „Dieses Engagement war entscheidend für die weitere Entwicklung“, sagt Höller, der mittlerweile Abteilungsleiter ist. Immer mehr Nachwuchshandballerinnen meldeten sich an, mit einer C-Jugend nahm die TSG schließlich am Spielbetrieb teil.

Es folgten zwei bittere Jahre, wenn man nur die Ergebnisse betrachtet. Denn tatsächlich ging jedes Spiel verloren. Doch es waren auch zwei beeindruckende Jahre, denn der Teamgeist litt nicht unter den Resultaten. Im Gegenteil: Als es im dritten Jahr in Hattersheim den ersten Erfolg gab flossen die Tränen. Auch bei Lothar Höller.

Noch heute erinnern sich die Mädchen an den Tag. Selbst beim Training reden sie darüber. Für die 17-jährige Janet ist das kein Wunder. „Wir haben so einen guten Teamgeist, das schweißt zusammen“, sagt sie. Sie ist von Anfang an dabei, kam auf Empfehlung von Freundinnen einfach mal mit zum Training. Seitdem „ist Handball mein großes Hobby“. Zwei Mal pro Woche trainiert die Fachabiturientin, an jedem Wochenende ist in der Saison ein Spiel. Für andere Sportarten wie Judo oder Tanzen hat sie keine Zeit mehr. „Dafür habe ich hier Freunde gefunden“, stellt sie den Vorteil des Vereinslebens heraus.

Gerade für einen Stadtteil wie den Frankfurter Berg sei ein solches Angebot unverzichtbar, ist sich Lothar Höller sicher. Man muss es nicht so drastisch ausdrücken wie Vorsitzender Linden, der sagt, man wolle die Kinder von der Straße holen. Aber ihnen Angebote machen, das ist eines der zentralen Anliegen der TSG. Abteilungsleiter Höller kennt die Vorurteile, bei Auswärtsspielen hört er nicht selten Aussprüche wie: „Da kommen die Assis vom Berg.“

Dabei kommen die – insgesamt rund 50 – Handballerinnen nicht alle von dort. Auch aus Eckenheim und Bonames, aus Berkersheim oder Nieder-Eschbach. Ein Mädchen, erzählt Höller, nimmt sogar regelmäßig den Weg aus Sindlingen auf sich, um am Training teilzunehmen. Wenn Höller von solchen Geschichten erzählt, funkeln seine Augen.

Doch nicht nur auf die Mädchen ist er stolz. Da ist die Mutter einer Spielerin, die sich „bei wirklich jedem Heimspiel“ um den Kioskverkauf kümmert. Da ist Katja Murasch, die früher Zweitliga-Handballerin war und heute die C-Jugend trainiert. Oder Nada Passant. Die Ägypterin hütete einst in der Nationalmannschaft ihres Landes das Tor, wohnt mittlerweile am Frankfurter Bogen und trainiert die E-Jugend. Obwohl sie kein Wort Deutsch spricht. Nicht nur für Lothar Höller das perfekte Beispiel für die gelebte Integration im Verein.

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