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CDU-Ortsvorsteher Yannick Schwander hat sicjh für ausreichend Hortplätze in Nieder-Erlenbach eingesetzt.
Nieder-Erlenbach
Frankfurt

Betreuungsplätze in Nieder-Erlenbach sehr begehrt

Von Judith Gratza
16:49

Herr Schwander, 2017 wollten Sie sich unter anderem für mehr Hortplätze in Nieder-Erlenbach einsetzen. Haben Sie dieses Ziel erreicht?
Wir konnten jeder Familie, die einen Hortplatz benötigte, einen Platz anbieten. Sogar für Kinder aus der neuen Flüchtlingsunterkunft gab es Plätze, obwohl diese ja erst nach Vergabefrist zu uns kamen. Das ist ein gutes Zeichen.

Wenn das Nieder-Erlenbacher Baugebiet Westrand jetzt erschlossen ist, gibt es dann nicht wieder Engpässe bei den Betreuungsplätzen? Schließlich wächst Nieder-Erlenbach zusätzlich mit den beiden Baugebieten an der Kurmarkstraße und „Südlich am Riedsteg“ unaufhörlich weiter.
Nieder-Erlenbach wird rund 1000 Neubürger dazubekommen. Wir haben daher sehr früh gefordert, in die Bedarfsplanung für unseren Stadtteil eine weitere Betreuungseinrichtung aufzunehmen, und ein Grundstück im Baugebiet „Westrand“ dafür erhalten. Es wird aber immer wieder Engpässe bei Kita- und Hortplätzen geben. Daher sind wir ständig im Austausch mit Schule, Stadt und Landesbehörden.

Im Oktober hat ein Investor das 52.670 Quadratmeter große Areal am Westrand zwischen Umgehungsstraße, Niedereschbacher Straße und Erlenbacher Stadtweg gekauft. Die Stadt wollte damals nicht sagen, wer es ist. Verraten Sie uns, um wen es sich handelt?
Es handelt sich um ein erfahrenes Wohnbauunternehmen: Die Firma Finger Wohnbau, die sowohl als Investor als auch als Bauunternehmer auftritt, wird hier tätig. Erste Entwürfe durfte ich mir ansehen, und ich denke, dass diese dem Ortsbild entsprechen und wirklich passend sind.

Bewirken also die neuen Baugebiete nicht, dass sich der Kern Nieder-Erlenbachs nachhaltig verändert?
Ich würde nicht sagen, dass der dörfliche Ortskern schwindet, gerade durch Straßenbaumaßnahmen, die wir derzeit angehen. Zudem werden alte Häuser und Grundstücke verkauft oder von Erben liebevoll restauriert und renoviert. Wir haben auch immer gesagt, dass wir unseren Teil zur Bewältigung des Zuzugs nach Frankfurt beisteuern wollen. Zwar werden Flächen versiegelt, aber stets mit einem wahrnehmbaren Grünzug, mit Quartiersplätzen und aufgelockerten Straßenzügen, sodass wir keine Betonwüste bekommen und eine gute Luftzirkulation herrscht. Dies ist uns im Ortsbeirat und mir persönlich sehr wichtig.

Hat sich durch die Diskussion um den neuen Stadtteil im Nordwesten Frankfurts die Bebauung des Pfingstbergs aus Ihrer Sicht erledigt?
Ich bin hier weder naiv noch entspannt. Die Diskussion um eine Bebauung des Pfingstbergs wurde durch den neuen Stadtteil im Nordwesten in meinen Augen nur vertagt. Wer sich die Aussagen des Planungsdezernenten und des Oberbürgermeisters durchliest, merkt schnell, dass diese beiden Magistratsmitglieder lieber heute als morgen mit einer solchen Bebauung beginnen würden. Wir werden hier weiter achtsam sein und bei jeder neuen Forderung unsere Stimme erheben.

Die da lautet?
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich das Vorgehen im Frankfurter Nordwesten für nicht richtig halte. Wenn wir all unsere landwirtschaftlichen Flächen herschenken und versiegeln, nehmen wir einer Berufsgruppe ihrer Arbeitsgrundlage, uns die Nahversorgung und das, wo doch die Themen „nachhaltiges Essen und Biolebensmittel“ so sehr auf der Agenda stehen. Wir schaffen uns Probleme mit dem Stadtklima durch die großflächige Versiegelung. Deshalb sehe ich auch diesen Stadtteil kritisch, zumindest wie er anfangs angedacht wurde.

Wie schwer sich Nieder-Erlenbach tut, Neuzugänge zu akzeptieren, sieht man an der kontroversen Debatte um die neue Flüchtlingsunterkunft in der Mecklenburger Straße. Erst nach vielen Initiativen konnte eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Sind jetzt alle Probleme vom Tisch?
Ich würde nicht sagen, dass sich Nieder-Erlenbach grundsätzlich schwer tut, Neuzugänge zu akzeptieren. Sonst hätte es ja auch Proteste gegen viele Neubaugebiete geben müssen. Aber die blieben aus. Bei der Flüchtlingsunterkunft waren es diffuse Ängste vor dem Unbekannten und Kritik an der Art und Weise, wie anfangs kommuniziert wurde. Dies konnten wir aber durch viele Gespräche und größtmögliche Transparenz aus der Welt schaffen. Ich würde sagen, dass wir hier tatsächlich derzeit keine Probleme haben.

In der Diskussion um mögliche Keime im Erlenbach lehnte der Ortsbeirat im August den Vorstoß seiner Grünen-Partei ab, Hinweisschilder aufzustellen. Halten Sie es nicht für nötig, spielende Kinder im Naherholungsgebiet zu warnen?
Wir haben erklärt, dass die Qualität der Oberflächengewässer in Frankfurt je nach Jahreszeit schwankt und dass Gewässer, die in der Nähe einer Kläranlage fließen, gefährdeter sind. Das ist allgemein bekannt. Wir halten eine Flut an Hinweisschildern im Naherholungsgebiet für schwierig. Denn mit einem Schild an jedem Eingang zum Naherholungsgebiet ist es nicht getan. Es gibt etliche weitere Zugänge des Bachs, die dann beschildert werden müssten. Es gehört schon ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Gewässer dazu, wenn man sich dort bewegt. Daher sehe ich auch die Eltern in der Pflicht. Wir werden uns vom Gesundheitsamt die Wasserqualität und etwaige Probleme des Erlenbachs im Ortsbeirat vorstellen lassen und dann entscheiden.

Und mit welchen Themen wird sich der Ortsbeirat 13 in diesem Jahr beschäftigen?
Große Themen werden sicherlich der zunehmende ruhende Verkehr und die Entwicklung der Neubaugebiete werden. Eine besondere Aufgabe hat sich der Ortsbeirat gesetzt: Wir möchten dem Schilderwald im Vorfeld von Wahlen Einhalt gebieten. Daher beantragen wir in der nächsten Sitzung bei der Stadt, dass in der Allgemeinverfügung zur Plakatierung für Nieder-Erlenbach aufgenommen wird, dass nur an vorab aufgestellten Wänden plakatiert werden darf. Dort erhalten Parteien entsprechend der Ergebnisse der jeweils vorangegangenen Wahl ihre Plätze. Sonst darf kein Wahlplakat im Ort stehen oder hängen. Andere Kommunen haben hiermit gute Erfahrungen gemacht. Nieder-Erlenbach wäre besonders geeignet dafür.

Interview: Judith Gratza

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